Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2016

13:27 Uhr

Filmfestival

Comeback in Cannes

Mit ihrem Film „Toni Erdmann“ ist Maren Ade eine Sensation gelungen: Die Deutschen sind erstmals seit acht Jahren wieder beim offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme dabei. Die Kritiker umschwärmen sie schon jetzt.

Die britische Schauspielerin Lucy Russell, der deutsche Schauspieler Trystan Putter und seine Kollegin Sandra Huller winken zusammen mit Regisseurin Maren Ade und dem österreichischen Schauspieler Peter Simonischek in die Kamera. dpa

Filmfestival Cannes

Die britische Schauspielerin Lucy Russell, der deutsche Schauspieler Trystan Putter und seine Kollegin Sandra Huller winken zusammen mit Regisseurin Maren Ade und dem österreichischen Schauspieler Peter Simonischek in die Kamera.

ParisMaren Ade heißt die deutsche Sensation des 69. Filmfestivals (11.-22. Mai) in Cannes. Sie ist eine von drei Frauen im offiziellen Wettbewerb mit 21 Filmen und vor allem ist sie Deutsche. Seit acht Jahren hat es kein deutscher Regisseur mehr in den offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme geschafft.

Ade wurde aus 1869 Filmen, die die Festivalveranstalter gesichtet haben, ausgesucht. Sie konkurriert mit großen Namen wie Pedro Almodovar, Jim Jarmusch oder Ken Loach. Der deutsche Film feiert in Cannes ein Comeback, das Interesse der internationalen Filmbranche wurde dadurch geweckt, was dem deutschen Film insgesamt zugute kommen dürfte.

Die Einladung gilt als Ritterschlag in der Szene. Zuletzt trat Wim Wenders 2008 im offiziellen Wettbewerb an. In den 1970er und 1980er Jahren war der deutsche Film in Cannes ständig im Festival vertreten, unter anderem mit Stars wie Wim Wenders oder Rainer Werner Fassbinder. Doch in den letzten Jahrzehnten haben es die Deutschen kaum mehr in den Wettbewerb geschafft. Deshalb ist die Stimmung in deutschen Filmkreisen in diesem Jahr in Cannes so euphorisch wie schon lange nicht mehr.

Zumal der Film der 39jährigen, die in Karlsruhe geboren wurde, aber zur Berliner Schule gehört, am Freitag in der Pressevorführung viel Applaus und gute Kritiken bekam und auch in der offiziellen Gala-Vorführung am Samstag bestens ankam. Es gab 20 Minuten Standing Ovations. Selbst französische Medien schwärmen: „Der deutsche Humor bringt Cannes zum Lachen.“ Die Tageszeitung „Le Figaro“ nennt den Film „die erste positive Überraschung in Cannes“ und schließt eine Palme nicht aus.

So feiert die Presse Maren Ades in Cannes

Deutscher Beitrag in Cannes

Bei der Premiere am Samstag gab es minutenlangen Applaus: Der Film „Toni Erdmann“ der deutschen Regisseurin Maren Ade wird beim Festival Cannes bejubelt. Pressestimmen aus dem Ausland.

Variety

„Maren Ades einzigartige Studie (...) ist ein menschlicher, wahnsinnig komischer Triumph“

(US-Magazin „Variety“, online)

Screen

„Überraschend, peinlich, erfrischend und manchmal einfach urkomisch. Der Film ist eine rare Ausnahme: eine knapp drei Stunden lange deutsch-österreichische Arthaus-Komödie, die (fast) nie zu lang ist“

(US-Magazin „Screen“)

The Hollywood Reporter

„Eine absolute Schönheit, so bewegend wie unwahrscheinlich komisch“

(US-Magazin „The Hollywood Reporter“)

The Guardian

„Ein kleines Wunder (...) dieses urkomische deutsche Original ist etwas, das genossen werden sollte“

(britische Zeitung „The Guardian“, online)

El Mundo

„Maren Ade ist die brillianteste deutsche Regisseurin ihrer Generation“

(Spanische Zeitung „El Mundo“)

El Pais

„Der Film hat sehr bemerkenswerte Stärken, Originalität und Humor, aber er hat auch einen Makel, den (die Regisseurin) hätte vermeiden können und das ist, dass sie drei Stunden braucht, um das zu sagen, was sie genauso gut auch in zwei hätte tun können“

(spanische Zeitung „El Pais“)

Le Monde

„Eine Regie von grandioser Einfachheit“

(französische Zeitung „Le Monde“)

Ade erzählt in „Toni Erdmann“ die schrille und emotionale Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung. Er, ein etwas verwahrloster Klavierlehrer, sie die Karrierefrau. Der Vater mischt sich zunehmend in das Leben seiner Tochter ein und bringt alles durcheinander. Es geht um Glück und die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Hat Ade das Zeug für eine Auszeichnung in Cannes? Die deutsche Regisseurin hatte auch schon bei der Berlinale Erfolg. Dort bekam sie 2009 zwei Silberne Bären für ihren Film „Alle Anderen“. Aber als Deutsche in Cannes ausgewählt zu werden, ist noch mal eine ganze andere Auszeichnung. Ade ist aufgeregt und erzählte: „Ich fühle mich wie beim Grand Prix d´Eurovision und ich bin die Lena Meyer-Landrut des deutschen Kinos.“ Sie könnte zum Zugpferd für den deutschen Film werden.

Gleichzeitig mit Ade hört man in diesem Jahr auch sonst viel mehr vom deutschen Film. Der deutsche Film-Empfang, organisiert von der Exportunion „German Films“ in den Gärten der Villa Rothschild etwas oberhalb von Cannes, war ein Ereignis.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×