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31.10.2015

15:33 Uhr

Filmkritik „Spectre“

Craig und Waltz in 007-Höchstform

Nach drei Jahren ist er zurück: Bond, James Bond. Daniel Craig kämpft gegen fast allwissende Terroristen und die Schatten seiner Vergangenheit. Es gibt viele Gründe, warum „Spectre“ nicht nur für 007-Fans ein Genuss ist.

Der neue Bond-Film ist ein Genuss – nicht nur für eingefleischte Fans. dpa

Daniel Craig in „Spectre“

Der neue Bond-Film ist ein Genuss – nicht nur für eingefleischte Fans.

LondonKann man heute einen James-Bond-Film aus den 60er, 70er oder auch 80er Jahren halbwegs ernst nehmen? Die Macho-Sprüche sind nicht mehr lustig. Die hilflosen Frauen sind nicht mehr sexy. Das Agenten-Spielzeug ist nicht mehr cool. James Bond hätte in der Mottenkiste landen können.

Aber dann kam Daniel Craig. Er rettete nicht nur die Welt, wie es sich für Bond gehört, sondern auch die Marke 007. Nach dem Megaerfolg von „Skyfall“ vor drei Jahren musste das Team nachlegen. Mit „Spectre“ hat es geliefert.

„Man weiß, was man bekommt, aber es ist jedes Mal ein bisschen anders“, erklärte Ben Whishaw, der seit „Skyfall“ den MI6-eigenen Nerd und Bastler spielt, das Erfolgsrezept. Seit mit „Casino Royale“ 2006 buchstäblich eine neue Bond-Zeitrechnung angefangen hat, bekommen die Zuschauer nicht mehr nur Verfolgungsjagden, schöne Frauen und Schurken, die am Ende verlieren. Auch Bonds Vergangenheit ist inzwischen ein zentrales Erzählelement.

Zahlen und Fakten zu James Bond

Der Erfinder

Der britische Romanautor Ian Fleming (1908-1964) schuf die literarische Vorlage des Leinwandhelden 007. Von seinen 14 Bond-Büchern wurden mehr als 100 Millionen Exemplare verkauft.

Die Darsteller

Die „Lizenz zum Töten“ der „Doppelnull“-Agenten hatten im Kino bisher die Bond-Darsteller Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig.

Der erste Schuss

In „James Bond 007 jagt Dr. No“ schoss Bond Sean Connery 1962 (Produktionsjahr) erstmals auf Bösewichte.

Die Doppelverfilmung

„Casino Royale“ war der einzige Bond-Film, den es zweimal gab. 1954 kam eine Fernsehfassung heraus, 2006 gab Daniel Craig in der Neuverfilmung für's Kino sein Debüt als 007.

Das Jubiläum

Im 50. Jubiläumsjahr der Filmreihe kam mit Daniel Craig in „Skyfall“ 2012 das 23. Abenteuer von 007 ins Kino.

Der erfolgreichste Bond-Film

„Skyfall“ war auch der mit Abstand erfolgreichste Bond-Film. Er spielte rund 1,1 Milliarden US-Dollar (833 Millionen Euro) ein.

Der Tüftler

In 17 Filmen versorgte Desmond Llewelyn als Tüftler „Q“ Bond mit Zauberautos und schießenden Haushaltsgeräten. Damit war der Chef der Versuchsabteilung des Geheimdienstes öfter zu sehen als jeder Bond-Darsteller - allerdings insgesamt nur 30 Filmminuten.

Der Dienstwagen

Häufigster Dienstwagen Bonds war ein Aston Martin – gern mit Schleudersitz, Bord-Kanone und Messern an den Felgen.

Die Dienstwaffe

Das legendäre Modell PPK des Waffenherstellers Walther war in den meisten Filmen Bonds Dienstwaffe.

Das Kult-Getränk

Kult-Getränk von 007 war der Wodka Martini – aber unbedingt „geschüttelt, nicht gerührt“.

Die Frauen

Die meistens Bond-Girls kamen über einen Flirt mit dem Superagenten nicht hinaus. Ausnahme war Diana Rigg: Sie wurde 1969 in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ von 007 George Lazenby sogar geheiratet.

Die Queen

Auch Queen Elizabeth II. als oberste Dienstherrin wurde 2012 zum „Bond-Girl“: Während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London war im Film zu sehen, wie Daniel Craig als 007 Ihre Majestät vom Buckingham Palast per Taxi und Helikopter zum Stadion geleitete.

So auch in „Spectre“. Der Film schließt an „Skyfall“ an und damit einerseits an Bonds Reise in seine Kindheit, andererseits an den Tod von MI6-Chefin M (Judi Dench). Sie hat dem Agenten mit der Lizenz zum Töten einen Auftrag hinterlassen. Dieser brockt Bond allerhand Ärger mit seinem Arbeitgeber ein, beschert den Zuschauern aber eine erste atemberaubende Actionszene in einem Hubschrauber über Mexiko-Stadt.

Der neue M (Ralph Fiennes) ist deshalb sauer und suspendiert Bond vom Dienst. Was diesen natürlich nicht davon abhält, einer geheimen Terrororganisation mit Oktopus-Logo auf die Spur zu kommen – „Spectre“. M hat derweil eigene Probleme: Mit Max Denbigh oder auch C taucht ein Bürokrat auf der MI6-Bildfläche auf, der nicht an Doppelnull-Agenten glaubt, sondern an Kontrolle durch totale, international vernetzte Überwachung.

Das klingt nach NSA und GSHQ, Prism und Tempora. Regisseur Sam Mendes, der sich nach einigem Zögern zu einem weiteren Bond überreden ließ, setzt das Thema Datensicherheit und Überwachung kühl und furchteinflößend in Szene. Whistleblower Edward Snowden wird an diesem Film seine Freude haben.

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