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08.05.2014

17:10 Uhr

Filmkritik „Zulu“

Ein kaputter Frauenheld und ein gütiger Cop

VonMarcel Reich

Luxus und Armut, Schwarz und Weiß, Gewissen und Skrupellosigkeit: Der Action-Thriller „Zulu“ zeichnet in scharfen Gegensätzen ein Bild des modernen, zerrissenen Südafrikas. Erstmals spielt Orlando Bloom den „Bad Guy“.

Zynischer Frauenverbraucher: Orlando Bloom spielt den Macho-Cop. PR

Zynischer Frauenverbraucher: Orlando Bloom spielt den Macho-Cop.

DüsseldorfNicht wenige, hoch talentierte Regisseure sind an dem Kraftakt gescheitert, ihre durchdachte, gesellschaftskritische Botschaft in einem massentauglichen Unterhaltungsfilm zu verpacken. Mit „Zulu“ wagt sich der Franzose Jérôme Salle nun auf besonders unebenes Terrain: Er siedelt seinen spannenden Thriller in den Wirren der Post-Apartheid in Südafrikas Townships an. Sein Mut wird belohnt.

„Zulu“ vereint ein sehr ungleiches Cop-Duo. Forest Whitaker verkörpert Ali Sokehla, dessen Vater während der Apartheid von einer Rassisten-Miliz ermordet wurde. Nur mit Glück kamen er und seine Mutter mit dem Leben davon. Heute steht er als Polizist für das System von Recht und Ordnung, das auch 20 Jahre nach dem Ende der Rassentrennung in Südafrika noch sehr wackelig ist.

An Alis Seite arbeitet Brian Epkeen (Orlando Bloom), der schon den Start in den Tag nur mit einem kräftigen Schluck Hochprozentigem bewältigt. Die Trennung von seiner Frau, die nun samt Sohn bei ihrem neuen, schnöseligen Lover wohnt, hat er ebenso wenig überwunden wie die Schuld seines Vaters, der tief ins Apartheid-Regime verstrickt war. Durch seine Drogen- und emotionalen Probleme ist er ein ständiges Pulverfass, seine unberechenbaren Handlungen bringen nicht nur ihn selbst in Gefahr.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

Zusammen ermitteln Ali und Brian in einem Mordfall an einer weißen Studentin in Kapstadt. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine gefährliche Designer-Droge, sondern auch auf die Erkenntnis, dass die dunkle Geschichte ihres Heimatlandes noch lange nicht vergangen ist.

Regisseur Jérôme Salle lässt bereits in der Exposition seines Thrillers keine Zweifel aufkommen, wie unterschiedlich er seine Protagonisten angesiedelt hat. Während Ali bereits brav seiner Arbeit nachgeht, wacht Brian verkatert neben einer seiner namenlosen Affären auf.

Um Orlando Blooms Rolle als zerstörtem, aber dennoch immer noch mehr als erfolgreichem Frauenhelden deutlich zu machen, bestreitet der Star aus „Der Herr der Ringe“ die ersten Minuten komplett nackt. Vom grazilen Elben „Legolas“ aus der Tolkien-Verfilmung ist in „Zulu“ nichts mehr zu erkennen.

Sein nicht gerade gesunder Lebenswandel haben Brian tiefe Augenringe und ein insgesamt etwas verlebtes Antlitz verpasst. Gut so, denn nur dadurch nimmt man Bloom seine neue, kantige Rolle auch wirklich ab. Auf die Chance, einen echten „Bad Guy“ zu verkörpern, hat er lange gewartet: „Einen echten Macho zu spielen war fantastisch. Meine Figur Brian Epkeen trinkt, nimmt Drogen und tut alles, was es kostet, um die tägliche Gewalt zu überstehen. Mir hat es großen Spaß gemacht, diese andere Seite des Lebens zu entdecken. Ich will mehr dieser skrupellosen, körperbetonten Rollen.“

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