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21.01.2005

11:30 Uhr

"Firma" ist ein deutscher Name, der die Herkunft nicht verschleiern soll

Wenn die Hose sexy sein muss

VonUlrike Heitmüller (Handelsblatt)

Das Berliner Unternehmen "Firma" macht Männermode "mit freier, aggressiver Erotik".

Die Hose sitzt auf der Hüfte, ist oben eng und unten weit. Hat keinen Reißverschluss in der Mitte, sondern links und rechts von der Mitte einen Knopf: Das Vorderteil ist zum Runterklappen. Ein Latz. Wie eine Matrosenhose. "Diese Hose finde ich besonders sexy", sagt Carl Tillessen, der männliche Part des Berliner Unternehmens "Firma".

Sexy. Das gehört zu Berlin, meint er, darum muss eine Hose aus Berlin auch sexy sein. So, wie ein T-Shirt aus Berlin anarchisch sein soll. Darum hat er ein beigefarbenes Shirt an Ärmeln und Hals einfach abgeschnitten, ohne es zu umzusäumen. "Ich denke, das Flair einer Stadt ist ein Konsumgut. Das ist die Idee, die Legende einer Stadt, die man mitkauft, wenn man ein Kleidungsstück kauft", sagt

Auch wenn die Idee nicht der Realität entspricht. Seine Erfahrung: Mit Berlin verbinden Modekonsumenten ein paar ganz bestimmte Ideen, und diesen muss Mode aus der Hauptstadt entsprechen, will sie verkäuflich sein. Zum Beispiel die Idee einer "freien, aggressiven Erotik", eine Idee, die noch aus den freizügigen zwanziger Jahren stamme. Ähnlich ist es mit der Anarchie. Tillessen: "Über 40 Jahre sind alle Punks, Anarchisten und Hippies nach Berlin gezogen, weil sie dann keinen Wehrdienst leisten mussten. Dies Bild, das Anarchische, die Subkultur, diese Punk- Kultur, fasziniert die Leute."

Diese beiden Trends haben Tillessen und seine Partnerin Daniela Biesenbach in der Kollektion Frühjahr/ Sommer 2005 aufgegriffen: Die ist sexy und punkig. In solchen Klamotten darf auch der Manager provozieren. Denn er provoziert gepflegt. Die "Firma"-Stücke sind tragbar, weil edel und meistens mit dem Anzug kombinierbar. Die gepflegte Provokation steckt auch im Namen, sagt Tillessen: "Firma ist ein deutscher Name. Strenesse, Signum, Cinque: Das sind alles Firmen, die die deutsche Herkunft in ihrer Namensgebung verschleiern."

So distanziert er sich mit dem ursprünglich italienischen Wort Firma von der Konkurrenz: "Es gibt ja so viele Vorurteile gegenüber Deutschland als militaristisch, fremdenfeindlich, unsensibel, aggressiv, humorlos. Was da so alles rumgeistert an Klischees. Erst haben wir versucht, dies Thema auszublenden, dann aber festgestellt, dass das nicht möglich ist: Wenn man als Deutscher international erfolgreich auftritt, wird das unweigerlich zum Thema."

Also nehmen das Thema vorweg - Angriff ist schließlich die beste Verteidigung - und geben sich einen Namen, der nach Arbeit und Erfolg klingt, deutsch eben. Die Zielgruppe von Biesenbach/ Tillessen: "Männer zwischen Mitte 20 und Mitte 30, selbstständig Arbeitende, die in großen Städten leben." Kürzer ausgedrückt: "notorische Großstadtsingles". Und die lieben es praktisch. Darum kann man auch einen "Firma"-Blazer in der Maschine waschen.

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