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14.09.2011

17:25 Uhr

Fischer Kunstauktionen

Fragile Frau in Terracotta

VonChristiane Fricke

Das Versteigerungshaus Jürgen Fischer macht aus seiner 200. Auktion ein Ereignis. Die Offerte soll höchsten Ansprüchen genügen. Top-Stück ist Lehmbrucks „Büste der Knienden“.

Max Pechstein: "Waldweg", 1927, Öl auf Leinwand (Ausschnitt) Fischer Kunstauktionen, Heilbronn

Max Pechstein: "Waldweg", 1927, Öl auf Leinwand (Ausschnitt)

DüsseldorfMit Glasauktionen hat sich das vor 35 Jahren gegründete Versteigerungshaus Dr. Fischer in Heilbronn einen Namen gemacht. Wenn am 24. September die 200. Jubiläumsausstellung ansteht, dann will Auktionator Jürgen Fischer jedoch die ganze Bandbreite seines Hauses vorführen. Ausgerichtet ist die Offerte jedoch nicht an Qualität, sondern an einem rigorosen Bekenntnis zu Qualität.

200 handverlesene Objekte aus allen Sparten werden aufgerufen, das Glas an erster Stelle. Eines der Top-Stücke ist eine „Magnolia Linné“-Vase von Emile Gallé, die auf 60.000 bis 100.000 Euro geschätzt ist. Lange Jahre befand sich das 1902 datierte Einzelstück im Museum. Liebhaber von Jugendstil-Glas finden daneben aber auch eine seltene Arbeit von Loetz Wwe., Klostermühle, und einen impressionistischen Entwurf von Henri Bergé, aus der Manufaktur Daum Frères in Nancy. Etwas Besonderes sind die monumentalen Glasskulpturen „Fire and Ice I und II“ des Künstlerpaars Stanislav Libenský Brchtová, die mit 200.000 bis 300.000 Euro bewertet werden.

Wilhelm Lehmbruck: Büste der Knienden (sog. 'Geneigter Frauenkopf'), Paris 1912-1914 (Ausschnitt) Fischer Kunstauktionen Heilbronn

Wilhelm Lehmbruck: Büste der Knienden (sog. 'Geneigter Frauenkopf'), Paris 1912-1914 (Ausschnitt)

Seltene Arbeit aus eigener Hand

Die Sparte Moderne Kunst wartet mit einem koloristisch reizvollen „Waldweg“ von Max Pechstein auf. Das 1927 entstandene Bild soll mindestens 80.000 bis 100.000 Euro bringen. Eigentliches Top-Los ist aber die zu Lebzeiten gefertigte Terracotta-Plastik von Wilhelm Lehmbruck. Es handelt sich um eines von sechs dokumentierten Exemplaren der 1912 bis 1914 entstandenen „Büste der Knienden“. Drei davon befinden in Privatbesitz, darunter auch das angebotene Exemplar mit Provenienz Sammlung Aäron Vecht, Amsterdam, das Fischer auf 350.000 bis 450.000 Euro schätzt. Bei Lempertz wurde eine „Büste der Knienden“ mit derselben Provenienz im Dezember 2010 für 696.000 Euro versteigert.

Unter den Alten Meistern gehört das Fürstenporträt des spanischen Meisters Juan Pantoja de la Cruz und eine Hl. Familie aus der Werkstatt Parma Vecchios zu den Top-Stücken. Eine monumentale Ikone aus dem Umkreis der Moskauer Kreml-Werkstätte sticht aufgrund ihrer gewaltigen Maße hervor. Die um 1700 gemalte Tafel mit dem Motiv des heiligen Johannes Prodromos in der Wüste ist auf 50.000 bis 70.000 Euro geschätzt.

Silberhumpen mit Elfenbein-Dekor 

Die Porzellan-Offerte wartet mit einem von Johann Joachim Kaendler entworfenen Figurenensemble aus der Manufaktur Meissen auf. Die Taxe von 26.000 Euro berücksichtigt auch die reiche Detail-Ausformungen des Stücks.

Im Bereich der mittelalterlichen Kunst fällt eine Jörg Gartner zugeschriebene Anna-Selbdritt-Gruppe ins Auge. Das um 1500 kräftig geschnitzte Dreiviertelrelief befindet sich in bestem Erhaltungszustand und soll mindestens 25.000 bis 30.000 Euro einbringen.

Aus einer bedeutenden Privatsammlung stammt ein Augsburger Silberhumpen mit Elfenbeinwandung. Philipp Stenglin I. hat dieses stattliche Stück mit reichen Details ausgestattet, was sich auch im Schätzpreis ausdrückt (80.000 bis 100.000 Euro).

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