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22.01.2013

08:55 Uhr

Florian Slotawa

Spiel mit fremden Räumen

VonChristiane Fricke

Florian Slotawa arrangiert bereits existierende Dinge für begrenzte Zeit neu. Für das Arp Museum Bahnhof Rolandseck hat er ein Installationskonzept entwickelt, das drei verschiedene Architekturen mit Fotografie verbindet.

Florian Slotawa: "Körnerstraße/Wilhelmshofallee/Hans-Arp-Allee", Installation im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2012/2013 Florian Slotawa, VG Bild-Kunst Bonn 2013

Florian Slotawa: "Körnerstraße/Wilhelmshofallee/Hans-Arp-Allee", Installation im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2012/2013

RolandseckDer seit den 1950er-Jahren „unbesetzte Haltepunkt“ Bahnhof Rolandseck gehört mit seinem Ausblick auf den Rhein und das Siebengebirge zu den schönsten Orten im Rheintal, wie geschaffen zum Flanieren, Innehalten und Schauen. Dazu gemacht hat ihn seine Architektur; und zwar nicht erst der 2007 eröffnete Erweiterungsbau des Arp Museums von Richard Meier hoch über dem historischen Bahnhof, sondern bereits das klassizistische „Eisenbahnempfangsgebäude“, das die Bonn-Cölner Eisenbahngesellschaft Ende der 1850er-Jahre für gehobene Repräsentationsansprüche errichten ließ.

Bei der Anlage und Gestaltung des Gebäudes wurde seine spektakuläre Lage gleich mitbedacht. So kam der Architekt Emil Hermann Hartwich (1801-1878) auf die Idee, das Gebäude mit einer gusseisernen Veranda vollständig zu umschließen. Zum Wandeln und Schauen lädt auch die Raumflucht im Erdgeschoss auf Gleishöhe ein, die heute als Ausstellungsfläche dient. Dafür sorgt eine überwältigende Zahl von Wandöffnungen und Fenstern. Auf dieses Raumkonzept hat der Berliner Künstler Florian Slotawa mit einer herausfordernden Installation reagiert.

Schwanken zwischen Raum und Skulptur

Die Herausforderung ist ganz wörtlich zu verstehen. Schon beim Betreten der Ausstellung, die den bezeichnenden Untertitel „Andere Räume“ trägt, stellt sich dem Besucher eine künstliche Wand entgegen. Weiß getünchte, massive Wandelemente zwingen ihn, sich einen Weg durch die Räumlichkeiten zu bahnen und immer wieder inne zu halten. Ausgesparte Öffnungen gewähren überraschende Durchblicke. Einige Wandstücke formieren sich zu eigenen, angedeuteten Räumen oder bilden schmale Durchgänge. Andere liegen auf dem Boden und lehnen an der Wand.

Florian Slotawas Spiel mit drei verschiedenen Architekturen im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2012/2013. Florian Slotawa, VG Bild-Kunst Bonn 2013

Florian Slotawas Spiel mit drei verschiedenen Architekturen im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 2012/2013.

Slotawas Einbauten bilden den klassischen Fall einer „Installation“. Der Ausstellungsbesucher hat es allerdings nicht leicht mit ihnen. Dafür sorgt einerseits ihre schwer durchschaubare Organisation, die zwischen Raum und Skulptur hin- und herschwankt; andererseits die auf ihnen hängenden Schwarzweiß-Fotografien. Darauf sind die entblößten Wände seines leer geräumten Ateliers zu sehen, errichtet zwischen 1966 und 1968 als Teil eines Büro- und Gewerbegebäudes in Berlin. Weiße Wandflächen, abgeschattete Partien und der dunkel davon abgesetzte Boden verleihen den Aufnahmen ein fast abstraktes Erscheinungsbild. Stehen gebliebene Leitungen, Steckdosen, Rohre und Heizkörper nehmen skulpturalen Charakter an.

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