Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.10.2014

18:01 Uhr

Fotoauktionen New York

"Flucht in die Qualität"

VonBarbara Kutscher

Auf den New Yorker Fotoauktionen kommen seltene Abzüge amerikanischer Klassiker groß heraus. Kein Finger hebt sich für die über 500 Bilder von Edward Weston, die sein Sohn Cole nach seinem Tod abgezogen hat.

Ruud van Empels Farbfotografie "World #8", 2005, erzielte bei Phillips in New York 118.750 Dollar, so viel wie noch nie auf einer Auktion für ein Bild des Künstlers bezahlt wurde.

Ruud van Empels Farbfotografie "World #8", 2005, erzielte bei Phillips in New York 118.750 Dollar, so viel wie noch nie auf einer Auktion für ein Bild des Künstlers bezahlt wurde.

New YorkNur für Erwachsene! Klickte man auf Christie’s e-commerce-Seite „Helmut Newton Photographs for Playboy“ (23.9.-7.10.), tauchte als erstes diese Warnung auf. Die 20 Bilder, die zu Startgeboten von je 15.000 oder 25.000 Dollar aufgerufen wurden, stammten aus der riesigen Sammlung von über 10.000 Aktfotos des prominenten Finanziers Don Sanders. Er kann in Houston, Texas, das Baseball-Team „The Hooks“ samt Stadion sein eigen nennen. Über Christie’s wird er nach und nach den größten Teil seiner seit 2002 gekauften Werke verkaufen. Angeblich, so wispert die Branche, trennt sich Sanders seiner neuen Gattin zuliebe von dem Material.

In der Live-Auktion „Triple XXX“ verteilte Christie’s dazu am 29. September 2014 weitere 78 heiße Aufnahmen 30 anderer Fotografen. Die Resonanz blieb jedoch lauwarm. Nur 56 Lose brachten vor allem über Telefon- und Internetgebote 2,08 Millionen Dollar ein. Sie blieben unter den mindestens erwarteten 2,5 Millionen Dollar.

Unter dem Strich lief nur Newton gut. An die Spitze setzte sich seine nur noch selten vollständig angebotene 45-teilige Serie „Private Property, Suites I, II and III“. Sie liefert eine Übersicht über das zehnjährige Schaffen vor 1983. Dafür bewilligte ein europäischer Bieter 389.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 Dollar). Das Motiv „Bergstrom over Paris, 1976“ ging in einem übergroßen Abzug – möglicherweise dem einzigen in dieser Größe – für 293.000 Dollar nach Südamerika. Geschätzt war er auf 200.000 bis 300.000 Dollar.

Nur Seltenes wird akzeptiert 

Christie’s bot eine zweite Privatsammlung an, 62 Fotos aus dem Besitz des Schriftstellers und Präsidenten des Lifestyle Magazins ForbesLife, Robert L. Forbes (65). Aber auch die wurde radikal auf 59 Prozent nach Losen ausgesiebt. „Es gibt eine Flucht in die Qualität“, weiß ein Händler; nur Gutes und Seltenes werden akzeptiert.

Das traf auch Irving Penn zu, einen von Forbes‘ Favoriten. Er unterhielt an der Fifth Avenue und 12. Street, um die Ecke des vor vier Jahren an die New York University verkauften Forbes-Firmensitzes ein Studio. Von seinen 27 angebotenen Motiven wurden nur die zwölf besten akzeptiert. Die drei bekanntesten schafften es dank europäischer Gebote auf die Top Ten Liste, darunter der berühmte, 1950 entstandene “Harlequin Dress“ in einem nummerierten Platinum-Palladium-Abzug von 1979 zu 245.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 Dollar).

Jahrzehnte in der Schublade

Ausreißer war Lewis Carrolls kleines charmantes Foto der jungen „Lorina and Alice Liddell in Chinese Costume“ (ca. 1860) auf Albuminpapier. Es kletterte von der überaus niedrigen Taxe von 10.000 bis 15.000 auf 106.250 Dollar. Alice lieferte später die Inspiration für die Titelheldin in Carrolls Klassiker „Alice in Wonderland“ (1865).

Christie’s Top-Preis erzielte dann am Nachmittag Edward Westons samtartiger Abzug „Nautilus Shell“ (1927) mit eigenhändiger Widmung an den Schwippschwager Henry Clay Seaman, Jr.. Es ist eines seiner wichtigsten Bilder. Clays Erben, die das Foto zum Schätzpreis von 300.000 bis 500.000 Dollar eingeliefert hatten, erzielten rund 461.000 Dollar. Über Jahrzehnte hatten sie das Bild sicher in einer Schublade verwahrt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×