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06.03.2011

12:10 Uhr

Fotograf David LaChapelle

"Ich fotografiere für die ganze Welt"

VonRabea Weihser
Quelle:Zeit Online

David LaChapelles Werke sind zu Ikonen geworden. Glamour, Sex und Andy Warhol machten ihn berühmt. Ein Interview mit einem der größten Bildgestalter der Gegenwart.

Der US-Fotograf David LaChapelle in seiner Ausstellung in der Kestnergesellschaft Hannover vor einem seiner Blumen-Stillleben. Quelle: dpa

Der US-Fotograf David LaChapelle in seiner Ausstellung in der Kestnergesellschaft Hannover vor einem seiner Blumen-Stillleben.

Herr LaChapelle, in Hannover zeigen Sie Ihre neue Fotoserie The Earth Laughs in Flowers. Das klassische Vanitas-Motiv, Blumen als Symbol für die Endlichkeit des Lebens. Was sehen Sie in diesen Stillleben?

Sie sind ein Fest der Schönheit und der Idee des Carpe Diem. Es geht um das Bewusstsein, dass wir alle eine begrenzte Zeit haben, um das Leben zu genießen. Wir sollten es sinnvoll leben.

Ist es das erste Mal, dass Sie sich mit Vergänglichkeitssymbolen beschäftigen? Oder weisen nicht auch die sexuell aufgeladenen, künstlich-schönen Prominenten, die sie jahrelang fotografiert haben, Spuren des Verfalls auf?

Ich habe lediglich für Magazine dokumentiert, was in den vergangenen 15 Jahren in Amerika passiert ist. Schönheitsoperationen, Körpermodellage, ästhetische Ideale, von denen Amerika besessen war.

Das ist doch der Eitelkeitsaspekt der Vanitas.

Eitelkeit und Flüchtigkeit sind sicherlich einige meiner Themen. Die Zeit vergeht, und wir haben unsere Jahreszeiten wie die Blumen. Aber ich habe Tausende von Bildern gemacht. Alle behandeln unterschiedliche Gegenstände, beispielsweise Ironie, Satire, Übertreibung, Drama und Extravaganz.

Warum haben Sie den Prominenten und ihrem Glamour den Rücken gekehrt und sich ernsteren Darstellungsformen zugewandt?

Ich hatte keine Lust mehr, Popstars, die nächste Schauspielerin, das nächste Kleid zu fotografieren. Also habe ich aufgehört, für Magazine, Zeitschriften und die Modebranche zu arbeiten. Meine Bilder haben sich verändert, weil ich mich verändert habe. Und meine Ideen und Konzepte wurden zu aufwendig für die Magazine. Ich habe Zeitschriften immer als Galerien für meine Fotos gesehen. Dort konnte ich erzählen, was ich vermitteln wollte. Es gab immer eine unterschwellige Botschaft in den Bildern, nicht nur die Oberfläche.

Die schöne, glänzende Oberfläche ...

Ich liebe Glamour und Schönheit, ich habe mich nie von ihnen abgekehrt. Sie sind Teil jeder Zivilisation. Schon die alten Ägypter, Griechen und Inkas haben ihre Körper prachtvoll verschönert und das in ihrer Kunst abgebildet. Die Bildsprache, die ich während meiner Arbeit für Magazine entwickelt habe, nutze ich heute auch noch. Meinen Fotos sieht man an, dass sie vom selben Mann gemacht sind.

Der Titel ihrer Blumenserie ist an ein Gedicht des Schriftstellers Ralph Waldo Emerson angelehnt. Emerson glaubte, der Mensch könne in der Natur Läuterung finden. Sie auch?

Ich war schon immer viel draußen, habe von New York aus oft mein Elternhaus im Wald besucht. Vor sechs Jahren bin ich nach Maui gezogen und habe eine Farm gekauft. Mit Hühnern, Ziegen, Honigbienen, vielen Obstbäumen und Gemüse. In der Wildnis finde ich Abgeschiedenheit. Meine Kathedrale ist der Dschungel.

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