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06.05.2011

14:06 Uhr

Fotografie

Licht und Schatten auf Hajek-Halke

VonChristiane Fricke

Den Nachlass des Meisters der experimentellen Fotografie, Hajek-Halke, erwarb kein Museum. Am 10. Mai versteigert Sotheby's einen Teil in Paris.

Abbildung aus dem Buch: Heinz Hajek-Halke, Form aus Licht und Schatten. Quelle: Pressefoto Steidl Verlag

Abbildung aus dem Buch: Heinz Hajek-Halke, Form aus Licht und Schatten.

DüsseldorfDas ist ein Roman. Genaues weiß keiner", antwortete der Fotohistoriker Klaus Honnef im Sommer 2002 auf die Frage, warum ein erheblicher Teil des Werks von Heinz Hajek-Halke (1898-1983), dem Fotopionier, zur Versteigerung kommt und nicht in ein Museum. "Zum Teil liegt es an der Faulheit der Museen", vermutete Honnef. "Hier gräbt man lieber mittelmäßige Amerikaner aus als einen guten Deutschen." Damals plante das Kölner Auktionshaus Lempertz eine monografische Hajek-Halke-Auktion. Sie fand im Herbst 2002 so nicht statt, weil das Risiko, mit so viel Material auf einmal an den Markt zu gehen, zu groß war.

Dahinter stand der Fotograf Michael Ruetz, Erbe und Verwalter des Nachlasses. Er hatte seit 1973 viel Geld in die Aufarbeitung investiert und wichtige Ausstellungen ermöglicht. Archiv und Sammlung befanden sich in bestem Zustand, "besser als die meisten Museumssammlungen", fand Honnef. Das bestätigt auch Sotheby's Fotoexpertin Simone Klein, die sie sich für die nun anstehende Hajek-Halke-Auktion in Paris die unter Verkaufsaspekten interessantesten Stücke aussuchen durfte.

78 eigenhändige Belichtungsmontagen, die meisten zeitnah zur Aufnahme abgezogen (Vintage-Prints), stellte Klein für die Sonder-Session am 10. Mai in Paris zusammen. Das Gros stammt aus dem besser eingeführten Frühwerk, darunter viele im Sandwich-Verfahren überblendete Akte der 30er-Jahre. Weniger bekannt sein dürften Preziosen wie der kleinformatige Kontaktabzug "Gassenhauer" (um 1930), den Hajek-Halke in den 50er- oder frühen 60er-Jahren für den Abdruck in einer Zeitschrift hergestellt hatte (Taxe 2000 bis 4000 Euro).

Mit Hajek-Halke, dem Pionier der experimentellen Fotografie, machte Sotheby's Paris bereits im vergangenen Herbst eine gute Figur. Die Taxen bewegen sich auf Vorjahresniveau. Die Rechnung könnte aufgehen. Die Voraussetzungen für eine monografische Auktion sind besser als vor neun Jahren, weil die 2005 im Steidl Verlag erschienene Monografie auch in englischer Übersetzung vorliegt. Ohne sie wäre Klein das Risiko nicht eingegangen.

Die Akademie der Künste, Berlin, erhielt im Herbst 209 Vintage Prints aus dem Spätwerk, das gesamte Negativ-Archiv und das Schriftgut geschenkt. Ursprünglich sollte der Kernbestand des künstlerischen Œuvres en bloc verkauft werden. Das wäre die Chance für eine deutsche Institution gewesen. Keine der renommierten Fotosammlungen konnte sich jedoch zu einem Ankauf entschließen. "Die wollen das ja alles umsonst haben", meinte Honnef schon 2002.

Jetzt wird der Markt Fakten schaffen für das, was noch da ist. Auf mehrere Tausend Bilder schätzt Michael Ruetz den Gesamtbestand. Für finanzkräftige Sammler ist es also noch nicht zu spät.


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