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13.06.2011

11:37 Uhr

Fotoprojekt

So entstand Brasiliens Hauptstadt

Was anderswo Jahrhunderte dauerte, war in Brasilia binnen kurzer Zeit erledigt: Das Entstehen einer neuen Stadt. Der Fotograf René Burri hat das Wachstum von Brasiliens Hauptstadt mit der Kamera beobachtet.

Ein Werk Burris: Die Einweihung Brasilias am 21. April 1960. Das feiernde Publikum zirkuliert auf den Außenflächen des Palácio do Congresso Nacional. Quelle: Verlag Scheidegger & Spiess AG

Ein Werk Burris: Die Einweihung Brasilias am 21. April 1960. Das feiernde Publikum zirkuliert auf den Außenflächen des Palácio do Congresso Nacional.

ZürichRund fünf Jahrzehnte hat es gedauert, die am Reißbrett geplante Stadt Brasilia aus dem Boden zu stampfen. Wo sich noch vor ein paar Jahrzehnten die Wildnis weitete, wohnen heute mehr als 2,5 Millionen Menschen. Sie leben in der neuen Hauptstadt Brasiliens, und viele von ihnen sind Zeitzeugen des Wachstums der Metropole. Das gilt auch und ganz besonders für den Schweizer Fotografen René Burri. Er hatte die Möglichkeit, das Werden Brasilias über die Jahre zu begleiten - eines seiner Langzeitprojekte. Jetzt stellt das Mitglied der Fotoagentur Magnum Bilder aus der Zeit von 1958 bis 1997 in dem Band „Brasilia“ vor. Viele der Aufnahmen sind hier erstmals veröffentlicht.

Die Stadt entstand in den Grundrissen eines Flugzeugs, einem starken Symbol der Moderne. Burris Aufnahmen zeigen die ersten Gebäude in der rotbraunen Leere des planierten Landes, den noch wuchernden Urwald und kaum befahrene Straßen. Hier wurde binnen kurzer Zeit alles auf einen Schlag errichtet, was in anderen Städten nach und nach wächst - und daher im Laufe eines Lebens gar nicht zu dokumentierten gewesen wäre.

Burri nimmt sich viel Zeit, um die geschwungenen, futuristischen Fassaden zu feinen Aufnahmen zu komponieren. Er folgt mit der Kamera Neueinwohnern beim Um- und Einzug, den Kindern in die Schule, Paaren ins Restaurant und ungläubig staunenden Erstbesuchern beim ersten Gang durch die neue Metropole.

Arthur Rüegg - Professor für Architektur und Konstruktion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich - ist der Herausgeber und liefert zugleich einen hilfreichen Essay über die Architektur der Retortenstadt aus Stahlbeton. Zudem erklärt er den Blick seines Landsmannes auf Südamerika. Zur Motivation Burris heißt es etwa: „Die ungeheuren sozialen Umschichtungen unseres technischen Zeitalters prägen ein neues Gesicht des heutigen Menschen. Dem nachzuspüren, davon einige Gedanken und Bilder zu vermitteln, sehe ich als meine Aufgabe“, schrieb der damals 25-Jährige in der Zeitschrift „Du“.

Burri wurde kürzlich der „Swiss Press Photo Life Time Achievement Award“ verliehen. Am Tag darauf wurde er 78 Jahre alt. Das erste Bild eines Prominenten schoss Burri im Alter von 13 Jahren - Winston Churchill in Zürich. Burri ist der wohl bekannteste Reportagefotograf seines Landes. Er arbeitete noch zu jenen Zeiten, als Magazine längere Fotoreportagen druckten, also bevor das Fernsehen die Macht über die Bilder übernahm. Über die Hauptstadt urteilt Burri heute: „Brasilia liegt gegenwärtig im Brutkasten. Es wird sich entweder als kostspieliges Hirngespinst seiner Eltern erweisen, oder aber als Zukunft des Landes.“

Von

dpa

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