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11.11.2015

10:00 Uhr

Francesca Habsburg

Nach Zürich oder Venedig?

VonOlga Kronsteiner

„Österreich ist doch nicht meins“, erkennt Francesca Habsburg. Nun plant die Erbin von Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, mitsamt ihrer Kunstsammlung von Wien abzuwandern. Zürich oder Venedig könnten für eine Ansiedlung in Frage kommen.

Bei der Eröffnung der Schau "Your black horizon" im Art Pavilion, Lopud, Kroatien, 2007: v.l.n.r: David Adjaye, Francesca Habsburg und Olafur Eliasson. Quelle: Todd Eberle / Thyssen-Bornemisza Art Contemporary

Leidenschaft für große Würfe

Bei der Eröffnung der Schau "Your black horizon" im Art Pavilion, Lopud, Kroatien, 2007: v.l.n.r: David Adjaye, Francesca Habsburg und Olafur Eliasson. Quelle: Todd Eberle / Thyssen-Bornemisza Art Contemporary

WienVorvergangenes Wochenende erschien in der der Schweizer Sonntagszeitung (Zürich) ein Interview mit Francesca Habsburg, in dem sich die Tochter des 2002 verstorbenen Barons Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza zu diversen Zukunftsplänen äußerte. Von ihrem Mann Karl Habsburg-Lothringen, dem Enkel des letzten österreichischen Kaisers, lebt sie seit mehr als zehn Jahren getrennt.

Nun ziehe es sie „nach Hause zurück“, wie sie bekennt, und überlegt, mitsamt ihrer Sammlung zeitgenössischer Kunst von Wien nach Zürich zu übersiedeln. Denn, sie habe festgestellt, „Österreich ist doch nicht meins. Ich bin dort nicht zu Hause“. Und im Gegensatz zur zunehmenden Internationalisierung Zürichs sei „Wien sehr statisch“.

In Wien reagierte man von offizieller Seite her vorerst verhalten. Die auf Medienanfragen erteilten Wortspenden zur etwaigen Abwanderung rangierten zwischen „extrem schade“ (Kulturministerium) bzw. würde man dies „sehr bedauern“ (Wiener Kulturamt). Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny kündigte Gespräche an, „die Sammlung wäre für Wien wesentlich und gut“, die Chance für einen Verbleib sehe er bei 50:50.

Projekt „Berliner Kunsthalle“

Diese Zurückhaltung erklärt sich wohl aus der bisherigen Genese. Die 2002 gegründete Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Privatstiftung ist zwar eine „österreichische“, ihr praktizierter Anspruch jedoch ein internationaler, der bislang lokale Präsenz lediglich beinhaltete. 2004 eröffnete man einen Showroom in der Himmelpfortgasse in der Wiener Innenstadt. Eine räumliche Dimension, die mit der stetig wachsenden Kollektion an Kunstwerken, die die Milliardenerbin hauptsächlich beauftragt, nicht Schritt halten konnte.

2010 erwarb sie für kolportierte 1,5 Millionen Euro die „Temporäre Kunsthalle Berlin“ (Architekt Adolf Krischanitz). Sie hätte dort abgebaut und nach Wien transportiert werden sollen, um im Umfeld des Belvedere in der Nähe des „21er Hauses“ als temporäres Quartier zu dienen. Ein Jahr später war der Plan Geschichte, da das Projekt – inklusive künstlerischer Begrünung – sukzessive finanzielle Ausmaße angenommen hatte, die das Stadtbudget schlichtweg sprengten.

Mangelnde Wertschätzung

Stattdessen fand sich in Zusammenarbeit mit dem Belvedere eine Alternative. 2012 bezog TBA21 (Thyssen-Bornemisza Art 21. Jahrhundert) ein ehemaliges Bildhauer-Atelier, die so genannte Augarten-Expositur. Allerdings mangelte es an Besuchern, ein Umstand, der sich trotz kostenfreien Eintritts nicht änderte. Der Nutzungsvertrag für die Augarten-Expositur läuft 2017 aus; die Verlängerung scheint derzeit kein Thema zu sein.

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