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18.02.2014

11:31 Uhr

Francesca Woodman

Attitüden der Erscheinung

Zum ersten Mal arbeitet eine deutschsprachige Publikation das Oeuvre der früh verstorbenen Fotokünstlerin Francesca Woodman auf. Begleitet wird die Veröffentlichung von einer Ausstellung in Wien. Dahinter steht die Sammlung des österreichischen Energiedienstleisters Verbund.

Francesca Woodman: "Untitled", Boulder, Colorado 1972-1975/1999, Silbergelatineabzug, 20,3 x 25,2 cm. (Ausschnitt) George und Betty Woodman, New York, Slg. Verbund

Francesca Woodman: "Untitled", Boulder, Colorado 1972-1975/1999, Silbergelatineabzug, 20,3 x 25,2 cm. (Ausschnitt)

WienEin nackter Frauenkörper liegt neben einer Schüssel mit einem Aal, und in einem Loft hängen Flügel aus Papier in der Luft, während hinter ihnen eine Frau in die Luft springt. Es sind surreale, teils gespenstische bis düstere Arrangements, die Francesca Woodman (1958-1981) für ihre Schwarzweißfotografien inszenierte. Die 1958 geborene US-Künstlerin, die ihren Vornamen der Italienliebe ihrer Eltern verdankt, nahm sich bereits im Alter von 22 Jahren das Leben. Doch trotz der kurzen Schaffenszeit besitzt ihr Werk eine erstaunliche Reife. Das zeigt nun ihre Einzelausstellung in Wien in der sogenannten „Vertikalen Galerie“, dem Treppenhaus in der Zentrale des österreichischen Energiekonzerns Verbund.

Die Ausstellung wird ergänzt von einem umfangreichen Katalog, in dem auch die Kunsthistorikerin Abigail Solomon-Godeau zu Wort kommt. Sie war es, die Woodmans Werk vor knapp einem Vierteljahrhundert entdeckte und erstmals wissenschaftlich bearbeitete. Die nun vorgelegte Publikation ist im Übrigen die erste, große im deutschsprachigen Raum.

Neue Forschungsansätze

„Bis heute ist die Rezeption von Woodmans Werk zu sehr von ihrem Selbstmord definiert gewesen“, erklärte Kuratorin Schor bei der Pressekonferenz. Nun wolle man andere Akzente setzen. Tatsächlich folgen die Katalogautoren nicht der sonst üblichen Lesart, die allzu sehr auf das Verschwinden der weiblichen Figuren in Woodmans Fotografien abhebt. Sie setzen sich vielmehr mit dem Arrangement der Räume und den metaphernreichen Requisiten auseinander, suchen Verknüpfungen mit der Kunstgeschichte und untersuchen die stürzenden Räume in ihrem Werk.

Die Ausstellung selbst startet mit einem Selbstporträt Woodmans. Es ist eine mysteriöse Komposition, auf der sie mit einer Hand an einer auf die Kamera zulaufenden Leine agiert. Das Gesicht wird dabei völlig von ihren Haaren bedeckt. Damals war Woodman, das Wunderkind, erst 13 Jahre alt.

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