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25.07.2012

06:25 Uhr

Frankreich Auktionen

Zwei Monate Berufsverbot

Der Auktionator Claude Aguttes muss zwei Monate lang sein Amt ruhen lassen. Das entschied die französische Aufsichtsbehörde der Versteigerer. Hintergrund sind Vorgänge im Zusammenhang mit der Versteigerung eines Gemäldes aus dem 19. Jahrhundert, das Yvan Iwanowitsch Schichkin zugeschrieben wurde.

Claude Aguttes, Vorstand des Aufsichtsrates des Versteigerungshauses Drouot Enchères. Drouot EnchËres

Claude Aguttes, Vorstand des Aufsichtsrates des Versteigerungshauses Drouot Enchères.

ParisDer französische Versteigerungsrat (Conseil des Ventes) hat den viel beschäftigten Auktionator Claude Aguttes, Vorstand des Aufsichtsrates des Versteigerungshauses „Drouot Enchères“, für die Monate Juli und August von seiner Tätigkeit suspendiert. Diese Disziplinarmaßnahme erscheint aufgrund ihrer zweimonatigen Dauer zunächst einmal streng, hat aber doch eher symbolischen Charakter, da sie in die Sommermonate fällt. Dennoch zwang sie den Versteigerer, seine für Juli geplanten Auktionen in Neuilly, Lyon und im Hôtel Drouot abzusagen. Einer seiner Söhne kann ihn jedoch im August vertreten, wenn das Haus Aguttes in Cannes versteigert.

Gefahr der Geldwäsche

Im Zusammenhang mit seiner Suspendierung ergibt sich folgendes Bild: Im Jahr 2007 versteigerte Claude Aguttes das Gemälde „Der Kuhhirt“ für 37.000 Euro, das Experte Coissard dem russischen Landschaftsmaler Yvan Iwanowitsch Schichkin (1831-1898) zugeordnet hatte. Wie Aguttes dem Handelsblatt gegenüber erklärte, soll die einliefernde Firma „Art Limited“ dem Experten Coissard nahe gestanden haben.

Coissard, der auf russische und moderne Malerei spezialisiert ist, erklärte dem Handelsblatt gegenüber, dass die inzwischen aufgelöste Firma „Art Limited“, die in Luxemburg eingetragen war, einem seiner regelmäßigen Einlieferer gehörte. Dieser war jahrelang als Zwischenhändler mandatiert, um Ware für anonym bleibende Verkäufer bei Auktionen einzuliefern. Er habe den Erlös der Auktion einkassiert und (nach Abzug einer Kommission) an die Eigentümer weitergeleitet. Der Zwischenhändler wohne derzeit in Übersee. „Es gehört zur Realität des Kunstmarktes, dass manche Verkäufer anonym bleiben wollen. Wenn sie den Weg des Auktionssystems wählen, der transparent und weltweit kontrollierbar ist, wäre das nicht gerade das beste Mittel zur Geldwäsche“, ergänzte der telefonisch befragte Experte.

Der Versteigerungsrat, dem Aguttes nicht rasch genug antwortete, „weil er überlastet“ war, wie er bedauernd erklärt, erließ die strenge Sanktion wegen der Gefahr der Geldwäsche. Aguttes hätte genau überprüfen müssen, ob die einliefernde Firma wirklich Eigentümer des Gemäldes war. Ihm wird „mangelnde Aufmerksamkeit“ vorgeworfen, denn sie hätte „das Risiko der Geldwäsche nach sich ziehen können.“

Ordnungspolitische Maßnahmen

Die Suspendierung eines der aktivsten französischen Auktionatoren ist ein starkes Signal. Nach Publikation eines „Weißbuches der ethischen Verpflichtungen“ im Februar 2012, zeigt der Versteigerungsrat an, dass er gegen – neuerdings als illegal deklarierte – Usancen auf dem französischen Auktionsmarkt energisch eingreift.

Zweifel und Klage

Der Käufer des Gemäldes von Schischkin klagte, parallel zu seiner Beschwerde beim Versteigerungsrat, auch auf dem Zivilweg beim Landgericht in Nanterre. Er zweifelte die Echtheit des Gemäldes an, das nach Angaben des Experten Coissard 1988 bei Sotheby’s ersteigert wurde. Coissard und Aguttes meinen, die Suspendierung, die auf Grund einer langwierigen Recherche des Versteigerungsrates erlassen wurde, habe nichts mit dem Zivilprozess zu tun.

Für den Versteigerer kommt die Disziplinarmaßnahme zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Für den 29. September ist nämlich die Versteigerung des Schlossinventars von Ex-Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing angekündigt. (s. Handelsblatt Online vom 21.6.2012)

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