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06.03.2012

11:44 Uhr

Frankreich

Ethik für Auktionatoren  

VonOlga Grimm-Weissert

Der französische Versteigerungsrat hat soeben ein Weißbuch veröffentlicht. Es regelt alle Pflichten eines Auktionshauses, vor allem die Überprüfung der Identität des Einlieferers und der angenommenen Ware.

Cathérine Chadelat, Präsidentin des französischen Versteigerungsrates. Versteigerungsrat

Cathérine Chadelat, Präsidentin des französischen Versteigerungsrates.

ParisFrankreich ist ein bürokratisches Land. „Wir lieben alles schriftlich Festgesetzte“, erklärt die Präsidentin des französischen Versteigerungsrates (Conseil des Ventes), Catherine Chadelat. Mit sanfter Ironie stellte Chadelat letzte Woche ein Weißbuch vor, das die Berufs- und Standespflichten der in Frankreich agierenden Auktionshäuser zusammenfasst. Dieser Kodex der Versteigerer-Ethik hat den Stellenwert eines Erlasses. Ein Erlass rangiert an dritter Stelle, nach den Gesetzen und Dekreten. Er wurde auf Ersuchen des französischen Justizministeriums erstellt. Die Präsidentin des Versteigerungsrates überreichte ihn dem französischen Justizminister Michel Mercier am 29. Februar, als der Erlass im „Journal officiel“, das alle Gesetzestexte veröffentlicht, erschien.

 Werden die Regeln nicht eingehalten, kann man die Auktionshäuser vor dem Landgericht verklagen. Der Versteigerungsrat kann seinerseits ein Disziplinarverfahren einleiten und dem Versteigerer das Organisieren von Auktionen zeitweilig verbieten. Im Falle der Affäre der sogenannten „Savoyarden oder Roten Kragen“, die im Hôtel Drouot Objekte entwendeten und bei Auktionatoren einlieferten, gab es bereits derartige berufliche Suspendierungen.

Viele Sorgfaltspflichten

Der Ethik-Kodex behandelt die „generellen Pflichten“ der Auktionshäuser, die Organisation der freiwilligen Versteigerungen, sowie die gesamte offizielle und interne Organisation der Auktionshäuser. Das Auktionshaus hat die Pflicht zur genauen Überprüfen der Identität des Einlieferers, der Ware und deren Authentizität. Es trägt die Verantwortung für die Wahl eines Experten, für die exakte Beschreibung der Ware im Auktionskatalog, für die Abwicklung der Auktion, deren Protokollierung, das Einkassieren der Erlöse von zugeschlagenen Losen, sowie für die Lagerung der anvertrauten Objekte. Seit September 2011 dürfen in Frankreich zugelassene Auktionshäuser Privatverkäufe tätigen. Sie müssen auch darüber genau Protokoll führen.

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