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04.09.2015

15:42 Uhr

Franziska Reichenbacher

Lottofee träumt vom großen Gewinn

Die Chancen auf einen Millionen-Gewinn sind gering. Dennoch fesselt Lotto viele. Zum ersten Mal gezogen wurden die Zahlen live im TV vor 50 Jahren, am 4. September 1965. Selbst Lottofee Franziska Reichenbacher tippt mit.

In ihrem Leben hat Franziska Reichenbacher schon viele Jobs gehabt – seit 1998 ist sie die Lottofee der ARD. dpa

Model, Schauspielerin, Journalistin

In ihrem Leben hat Franziska Reichenbacher schon viele Jobs gehabt – seit 1998 ist sie die Lottofee der ARD.

FrankfurtJubiläum für ein Stück TV-Geschichte: Vor 50 Jahren wurde die Lottoziehung erstmals im deutschen Fernsehen übertragen. Es war der 4. September 1965, als die Prozedur live über die Mattscheibe flimmerte. Franziska Reichenbacher (47) präsentiert seit 1998 als Lottofee der ARD die Gewinnzahlen. Mit der Deutschen Presse-Agentur sprach sie über kleine Gewinnchancen, große Träume und die Faszination des jahrzehntelangen Fernsehrituals.

Die Chancen auf einen Millionen-Gewinn sind ja gering. Ist Lottospielen nicht etwas für hoffnungslose Optimisten?
Ja, für Optimisten, die die Hoffnung nie aufgeben. Die Chance den Jackpot zu gewinnen, liegt bei 1 zu 139 Millionen. Das ist, auch im Vergleich zu anderen Glücksspielen, tatsächlich eine geringe Wahrscheinlichkeit. Aber - und das unterscheidet Lotto von anderen Lotterien - man hat auch mit einem geringen Einsatz die Chance auf ein großes Vermögen. Daher sind die Hoffnungen berechtigt.

Pleiten, Glück und Pannen: Vor 50 Jahren erste Lottoziehung im TV

Lotto-Zahlen

Jahrzehntelang war es für viele Menschen einer der spannendsten Momente in der Woche: Die Ziehung der Lotto-Zahlen im Fernsehen. Vor 50 Jahren kullerten die Kugeln zum ersten Mal über den Bildschirm. (Quelle: dpa)

Erste Ziehung

Das Klackern der Kugeln in der polierten Plexiglas-Trommel und das „Plopp“ bei jeder gezogenen Gewinnzahl haben viele Menschen im Ohr. Am 4. September 1965 übertrug die ARD erstmals live im Fernsehen die Ziehung der Lottozahlen aus dem Studio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. Bis zum Ende der Live-Lotto-Ziehung im Juni 2013 wurden viele Spieler zu Millionären, es gab aber auch einige Pannen. Kurioses und Wissenswertes aus fünf Jahrzehnten.

ARD-Pannen (1)

Sie sind bei der Ziehung der Glückszahlen selten, sorgten aber manches Mal für viel Wirbel. Eine denkwürdige Panne ereignete sich im Februar 1999. Bei der Live-Ziehung für die Zusatzlotterie „Spiel 77“ brach eine Kugel beim Mischen entzwei und lag in der Trommel. Die Ziehung wurde für ungültig erklärt und nach der Live-Sendung wiederholt.

ARD-Pannen (2)

„In der Kürze der Zeit konnten wir den Zuschauern das aber nicht vollständig erklären und so blieb das Fernsehpublikum ratlos zurück. Es gab eine Riesen-Aufregung und Schlagzeilen in den Zeitungen“, erinnert sich Lottofee Franziska Reichenbacher. „Die Geschichte stand danach sogar in Indonesien in der Zeitung, in der Jakarta Post, wie ich später erfahren habe.“

ARD-Pannen (3)

Im Jahr 2011 blieb dann bei der Ziehung der Superzahl die Kugel in der Röhre stecken und fiel nicht in den Behälter, wie Reichenbacher schildert. „Da wir das aber noch in der Live-Sendung erklären konnten und der Aufsichtsbeamte die Korrektheit der gezogenen Zahl bestätigen konnte, gab es da keine Irritation beim Publikum.“

ARD-Pannen (4)

Im Mai 2005 kam es auch zu einem Patzer. Reichenbacher verlas die falsche Zusatzzahl. Schuld war aber nicht die Lottofee. Die zunächst korrekt gezogene Zusatzzahl „18“ wurde wegen einer technischen Panne hinter den Kulissen auf einer Tafel als „8“ eingegeben. So nannte Reichenbacher eine „8“ statt einer „18“. Prompt riefen aufgebrachte Zuschauer beim Sender an.

ZDF-Pannen (1)

Bei der bisher wohl größten Panne in Deutschland rollten beim Mittwochslotto im ZDF am 3. April 2013 nicht alle Kugeln in die Trommel, zwei hingen fest. Die Zahlen wurden für ungültig erklärt, die Ziehung wurde wiederholt.

ZDF-Pannen (2)

Am 19. November 2014 ging im ZDF der Beitrag mit den Zahlen der Vorwoche auf den Sender. Nach einer knappen halben Minute wurde die Ausstrahlung gestoppt. Es folgte ein Programmhinweis. In der anschließenden „heute“-Sendung wurden dann die richtigen Zahlen verbreitet.

Höchste Gewinne

Ob Lotto „6 aus 49“ oder Eurojackpot: Die richtigen Zahlen haben schon so manchen Deutschen zum Multimillionär gemacht. Im Dezember 2014 räumte ein Handwerker aus Hessen beim Eurojackpot 58,7 Millionen Euro und damit den größte Lottogewinn ab, der jemals in Deutschland ausgeschüttet wurde. Der mit 45,4 Millionen Euro höchste Lotto „6 aus 49“-Gewinn ging im Dezember 2007 an drei Tipper aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Den höchsten Einzelgewinn von 37,7 Millionen Euro sahnte 2006 ein Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen ab.

Ende einer Ära

Seit Sommer 2013 ist die Ziehung der Lotto-Zahlen nicht mehr live im Fernsehen, sondern nur noch im Internet zu sehen. Jeden Mittwoch um 18.25 Uhr und jeden Samstag um 19.25 Uhr rollen die Kugeln nun dort.

Quoten

Allerdings kommen die Klicks lange nicht an die Einschaltquoten in der ARD heran: Durchschnittlich sehen 24.000 Nutzer die Ziehung live im Internet, wie die federführende Saarland Sporttoto mitteilte. Bei der ARD-Fernsehsendung „Lotto am Samstag“ waren es bei den letzten zehn Ziehungen zwischen 1,7 und 3,7 Millionen Zuschauer gewesen.

Gönnen Sie sich den Spaß, Lotto zu spielen? Mal gewonnen?
Ja, ich spiele einen Systemschein mit meinen sieben ganz persönlichen Glückszahlen. Ein paar Mal schon hatte ich damit drei Richtige. Auf den großen Gewinn warte ich noch.

Was macht den Reiz des Lottospielens aus?
Die Spielformel ist konkurrenzlos unkompliziert und dann darf man einen großen Traum träumen - in der Phase zwischen der Abgabe des Tippscheins und der Ziehung. Das ist das ganze Geheimnis. Mit einem ausgefüllten Lottoschein hat man einen Fuß in der Tür zum Glück. Auch wenn die Tür nur einen kleinen Spalt offen steht.

Erst durch die TV-Präsenz ist Lotto populär geworden, oder?
Zweifellos hat die Sendung ihren Beitrag zur Erfolgsgeschichte geleistet. Der Ziehung zuzusehen, war für viele Menschen ein Ereignis, fast wie ein Ritual, das zum Samstag gehörte.

Seit Sommer 2013 wird die Ziehung nur noch im Web gezeigt. Vorgetragen werden nur noch die Zahlen. Ein Bedeutungsverlust?
Das Interesse an den Zahlen ist nach wie vor sehr groß und die Sendung (gemeint ist die Verlesung der Gewinnzahlen kurz vor der „Tagesschau“) hat nach wie vor phänomenale Einschaltquoten von im Schnitt vier Millionen Zuschauern. Die Magie der Ziehung ist zwar verloren gegangen, doch die Faszination der Zahlen ist ungebrochen.

Die bekanntesten Lottofeen in der ARD

Karin Dinslage...

...war am 4. September 1965 die erste Dame neben der Lostrommel im TV. Als Fernsehansagerin war sie 1963 zum Hessischen Rundfunk gekommen. Die Frau mit dem Pagenschnitt war ausgebildete Grafikdesignerin, aber auch in einer Augenarztpraxis tätig. Und sie schrieb Kurzgeschichten. Von 1967 an wechselte sich Dinslage mit Karin Tietze-Ludwig ab, bevor sie die Moderation 1971 komplett abgab. (Quelle: dpa)

Karin Tietze-Ludwig...

...wurde in ihrer Amtszeit von 1967 bis 1998 die Lottofee schlechthin. In all den Jahren passierte der blonden Westfälin eine einzige Panne, ausgerechnet in der ersten Sendung. Da war sie 26. Die Lichtreflexion im Studio störte sie derart, dass sie die 6 mit der 9 verwechselte. „Viele Zuschauer haben mir nach diesem kleinen Lapsus sehr nette Briefe geschickt“, sagte sie später. Vor ihrer TV-Karriere war sie Sekretärin bei einer Fluggesellschaft.

Franziska Reichenbacher...

...verkündet die Lottozahlen seit 1998 im Fernsehen - allerdings seit Mitte 2013 nicht mehr live, sondern nach der Ziehung. Auch sie tippt. „Ich spiele einen Systemschein mit meinen sieben ganz persönlichen Glückszahlen. Ein paar Mal schon hatte ich damit drei Richtige. Auf den großen Gewinn warte ich noch.“

Lotto-Feen

Karin Dinslage war am 4. September 1965 die erste Dame neben der Lostrommel im TV. Von 1967 an wechselte sich Dinslage mit Karin Tietze-Ludwig ab, bevor sie die Moderation 1971 komplett abgab. Tietze-Ludwig wurde in ihrer Amtszeit von 1967 bis 1998 die Lottofee schlechthin. In diesen Jahren passierte ihr nur eine einzige Panne – und das in der allerersten Sendung. Die Lichtreflexion im Studio störte sie derart, dass sie die 6 mit der 9 verwechselte. Franziska Reichenbacher verkündet die Lottozahlen seit 1998 im Fernsehen – allerdings seit Mitte 2013 nicht mehr live, sondern nach der Ziehung. Heike Maurer war im ZDF seit dem Jahr 2000 Moderatorin von „Lotto am Mittwoch“. Wenige Monate nach der historischen Panne im April 2013 wurde die Sendung abgesetzt.

Wieso der Wechsel des Konzepts?
Ziel war, wieder einen festen, verlässlichen Sendeplatz vor 20.00 Uhr zu finden. Insofern überspringen wir nur die zweieinhalb Minuten der Ziehung. Es ist dem Hessischen Rundfunk als verantwortlicher Sendeanstalt gelungen, eine Tradition in eine moderne Form zu transportieren. Die Lottoziehung im Ersten ist die drittälteste Sendung im deutschen Fernsehen - nach der „Tagesschau“ und dem „Wort zum Sonntag“. Ist doch toll, wenn man es schafft, eine Tradition so zeitgemäß zu gestalten, dass sie auch in der Fernsehgegenwart bestehen kann. Darauf kann man auch stolz sein.

Franziska Reichenbacher (47) ist seit 1998 die Lottofee in der ARD. Die gebürtige Mainzerin arbeitete als Model, nahm Schauspielunterricht und studierte unter anderem Theater- und Kommunikationswissenschaften. Anschließend arbeitete sie als Journalistin und Moderatorin. Als Schauspielerin stand sie zuletzt bei den Bad Hersfelder Theaterfestspielen auf der Bühne und schrieb dafür auch ihr erstes Kinderstück. Reichenbacher lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Frankfurt am Main.

Von

dpa

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