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29.04.2011

15:04 Uhr

Frieder Burda

Mäzen aus Überzeugung

VonSusanne Schreiber

Dem übermächtigen Schatten der Eltern ist Frieder Burda entkommen: als Kunstmäzen und leidenschaftlicher Sammler, der den Staat nicht zur Kasse bittet für sein Privatmuseum. Heute wird er 75.

Frieder Burda vor zwei Werken von Pablo Picasso. Quelle: Museum Frieder Burda

Frieder Burda vor zwei Werken von Pablo Picasso.

Baden-BadenHeute feiert Frieder Burda seinen 75. Geburtstag. In die Annalen der Geschichte geht der zweite Sohn des Verlegers Franz Burda ein als Mäzen und Kunstsammler. Seit über vierzig Jahren engagiert sich Frieder Burda nachhaltig für die zeitgenössische Kunst. Schon früh erwirbt er große Werkblöcke von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz – Jahrzehnte bevor die zu nahezu unbezahlbar teuren Marktlieblingen aufsteigen. Sichtbar für die Öffentlichkeit wird die umfangreiche Sammlung erst 2004 mit der Eröffnung seines Privatmuseum in Baden-Baden. Für 20 Millionen Euro lässt sich der Kunstfreund einen hellen Neubau an den Rand  des herrlichen Landschaftsparks setzen, entworfen von dem amerikanischen Stararchitekten Richard Meier. Burda ist auf Unabhängigkeit bedacht und übernimmt via Stiftung auch die laufenden Unterhaltskosten. Mit dieser großzügigen mäzenatischen Geste unterscheidet sich Frieder Burda von fast allen anderen deutschen Privatsammlern, die den Staat gern noch in die Pflicht nehmen.

Frankreich im Blick

1,35 Millionen Besucher sahen bislang eine Mischung aus Bestands- und Themenausstellungen, die mit renommierten Partnern realisiert werden. 20 Prozent der Besucher reisen übrigens aus Frankreich an. Nicht nur als Mäzen, auch als Mensch ist Frieder Burda ein Unikat. So prominent er ist, so bescheiden tritt er auf. Burda, der gut französisch spricht, sitzt in der Ankaufskommission im Centre Pompidou, dem führenden Museum für moderne Kunst in Paris. Im Sommer 2012 stellt das Museum Frieder Burda zwei große Franzosen in den Mittelpunkt, die das große Publikum in Deutschland noch entdecken kann: den Maler Georges Rouault und den Bildhauer Henri Laurens. Burdas Stieftochter, die Kunsthistorikerin Patricia Kamp, die den Pariser Galeristen Emmanuel Perrotin heiraten wird, rückt seit Kurzem als Kuratorin in den Blick. Stiefsohn Dominic Kamp soll sich eines Tages um die Finanzen der Stiftung kümmern.

Der erste Video-Ankauf

Der Sammler Burda bekennt sich leidenschaftlich zur Malerei, zur Anziehungskraft von Farbe. Schon lange kauft er keine Werke mehr von Pablo Picasso und Gerhard Richter. Zu den derzeitigen Favoriten des Großsammlers zählen die Maler Neo Rauch und Eberhard Havekost, Corinne Wasmuht und Karin Kneffel. Installationskunst sucht man vergeblich in seinem Museum. Joseph Beuys hat Burda in den siebziger Jahren bewusst links liegen gelassen. Vor Kurzem hat er einen ersten Schritt hin zur Medienkunst getan und auf der Kunst- und Antiquitätenmesse in Maastricht das Sieben-Minuten-Video „The Far Shore“ von Bill Viola erworben. Neuerdings erweitert Frieder  Burda seine Sammlung auch um Fotokunst, etwa von Axel Hütte und Gregory Crewdson. Denn „mit dem Sammeln kann man nie aufhören“, so der neugierig gebliebene Kunstfreund.

 

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