Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2012

11:03 Uhr

Frieze New York

Expansion einer hippen Messe

Junge Kunst zu Gast in New York: Zum ersten Mal startet die Frieze-Messe aus London in der Metropole an der US-Küste. Vor allem für Newcomer ist die Messe eine große Chance.

Moderne Kunst auf der Frieze-Messe in New York: Zu sehen ist das „Double Feature (Double Tragedy)“ von Armanda Ross-Ho am Stand von Mitchell-Innes&Nash.

Moderne Kunst auf der Frieze-Messe in New York: Zu sehen ist das „Double Feature (Double Tragedy)“ von Armanda Ross-Ho am Stand von Mitchell-Innes&Nash.

New YorkKann New York, nur knapp zwei Monate nach der opulenten Armory Week Mitte März, eine weitere große Kunstschau verkraften? Die Frieze Art Fair glaubt ja. Zum ersten Mal überquert die 2003 in London gegründete Messe für junge Kunst den Atlantik und zieht vom 4. bis 7. Mai 2012 auf Randall's Island. "New York ist ein sehr wichtiger Ort für uns, aber es gibt keine Messe, an der wir bislang teilnehmen konnten. Wenn ihr herüberkommt, dann sind wir dabei", damit gab ein ungenannter Galerist vor fünf Jahren den Anstoß.

Amanda Sharp, neben Matthew Slotover Eigentümerin der Messe, fand den passenden Ort über Google Maps: eine Insel im East River vor Manhattan, die vor allem für Sportereignisse, Open-Air-Konzerte und manchmal auch vom Zirkus "Cirque du Soleil" genutzt wird. Die riesigen Rasenflächen sind ideal für das Frieze-Konzept einer "Messe im Park".

Genau wie in London wurde ein großes Zelt maßgeschneidert. Das junge Brooklyner Architekturbüro SO-IL entwarf eine 550 Meter lange, trotzdem elegante Struktur, die sich S-förmig am Ufer entlangwindet. Innen herrscht Tageslicht, ab und zu geben Fensterflächen den Blick ins Grüne und auf die Skyline von Manhattan frei. Die Galerien sind großzügig in farblich unterschiedene Blöcke gruppiert, es gibt viele Cafés. Bisher sind die Galerien zufrieden. "Das gibt es nicht oft", sagt Sharp.

Obwohl die Produktion weitaus teurer ist als in Londons Regent's Park, wurde die Standmiete bewusst konkurrenzfähig gehalten (700 Dollar pro Quadratfuß). Die größten Stände von 111 Quadratmetern kosten 84000 Dollar. "Vielleicht sind wir schon im nächsten Jahr profitabel, wir denken langfristig", hofft Slotover. Expansion ist derzeit ein globales Phänomen, wie der Sprung der Art Basel zur HK Art in Hongkong zeigt. Wird die Politik mit den Dependancen richtig betrieben, ist sie ein gutes Geschäft.

In London haben Slotover und Sharp die stärkste Zeitgenossenmesse Europas aufgebaut und eine treue Gefolgschaft erworben. Nach New York sind ihnen 182 Teilnehmer aus 30 Ländern gefolgt, viele sind zum ersten Mal in der Stadt. Das stärkste Kontingent mit 52 Ausstellern kommt aus den USA, davon sind allein 47 in New York ansässig. Der größte Fang gelang Frieze mit der Megagalerie Gagosian, die noch nie auf einer New Yorker Messe ausstellte, sondern in ihren Räumen mit Musealem zu prunken wusste. Aus England kommen 26 Teilnehmer, 23 reisten aus Deutschland an, darunter Contemporary Fine Arts, Esther Schipper, Gisela Capitain, Galerija Gregor Podnar, Johann Koenig, Eigen + Art sowie Sies + Höke.

Ein Ölgemälde der New Yorker Künstlerin Keltie Ferris. Die Malerin gab ihr Debüt 2008 in der Horton Gallery. Seitdem stellt sie regelmäßig in New York aus.

Ein Ölgemälde der New Yorker Künstlerin Keltie Ferris. Die Malerin gab ihr Debüt 2008 in der Horton Gallery. Seitdem stellt sie regelmäßig in New York aus.

Die Spanne des Ausgestellten reicht von ganz jungen Positionen bis zu Hochpreisigem. "Wir nehmen die Messe sehr, sehr ernst", sagt Marc Payot von Hauser & Wirth (Zürich/New York/London). Bei ihm steht Paul McCarthys Zwerg aus blauem Silikon zu 950 000 Dollar Wache. David Zwirner (New York) zeigt ausschließlich Minimalismus, Dan Flavins Lichtskulptur kostet hier eine Million Dollar. Unter Sies + Hökes (Düsseldorf) Angebot sticht Kris Martins Stahlguss der Venus von Milo zu 120 000 Euro (3er-Auflage) heraus.

Wie in London gibt es den Sektor "Frame" für Galerien, die höchstens sechs Jahre alt sind. Zum ersten Mal wird aber "Focus" eingeführt, da stellen nach 2001 eröffnete Galerien bis zu drei Künstler aus. Schon mit ihrer Ankündigung im November veränderte Frieze New York die örtliche Dynamik. Die Armory Show verlor direkt 30 Galerien an den Newcomer, manche schrieben sich sicherheitshalber bei beiden Terminen ein. Einige Satellitenmessen bezogen Position. Unbehagen verursacht der ungewohnte Veranstaltungsort.

Anreisen muss der Kunstfreund 20 Minuten mit dem Wassertaxi oder aber mit dem Auto. VIPs können die von BMW zur Verfügung gestellten 50 Wagen beanspruchen und werden dabei gleichzeitig mit "Frieze Sound" beschallt. Für Sharp ist das alles ein wohlkalkuliertes Abenteuer. "Wir wollen die Besucher aus ihrer gemütlichen Kuschelecke herauslocken", sagt sie. Deshalb gibt es auch "Frieze Sculpture Park" und "Frieze Projects", die sich mit Geschichte und Geografie beschäftigen. Imbisswagen und Trendlokale sichern gute Bewirtung. "Wir möchten gerne ein Spektakel veranstalten", hat sich Sharp vorgenommen. Das wird ihnen sicher gelingen.

Von

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×