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23.06.2011

11:13 Uhr

Fünfte Kinorunde

"Werner" lässt es wieder kesseln

Das Warten hat sich gelohnt: Der norddeutsche Kult-Rocker Werner lässt es in den deutschen Kinos wieder ordentlich kesseln. Diesmal ist die legendäre Comic-Figur auf einer sehr speziellen Reise durch Europa.

BerlinStolze acht Jahre lang mussten „Werner“-Fans darben. Nach „Werner - Gekotzt wird später!“ von 2003 heißt es nun aber wieder: „volles Rohr“ und „beinhart wie ein Rocker“. „Werner - Eiskalt“ ist die bereits fünfte Kinoadaption der legendären, vor 30 Jahren erstmals im Kieler Semmel Verlag veröffentlichten Comic-Story. Erfinder Rötger Feldmann, alias Brösel, ist nicht nur vor der Kamera zu sehen. Der 61-Jährige ist auch verantwortlich für die Art Direction, das Drehbuch und die Regie der animierten Sequenzen. Die Realfilm-Elemente stammen derweil von Regisseur und Kameramann Gernot Roll („Männersache“).

Im aktuellen Werk der erfolgreichen Kinoserie (die bisherigen vier „Werner“-Filme lockten rund 14 Millionen Zuschauer in die Kinos) geht es vor allem um die lebenslange Rivalität zwischen Werner und Holgi. In einer wunderbaren Anfangssequenz dürfen wir nun miterleben, wie sich die beiden schon im Kinderwagen ein veritables Rennen lieferten. Duelle auf dem Fahrrad und mit der Seifenkiste folgen. Schließlich kulminiert alles im legendären Flugplatz-Duell - Werner mit seinem viermotorigen Motorrad gegen Holgis roten Porsche.

Parallel erzählt der Film jedoch auch von Brösel, Werners Zeichner, für dessen Werk sich im Film zunächst niemand mehr zu begeistern scheint. Brösels Verleger konfrontiert ihn mit der bitteren Wahrheit: die Kids von heute interessieren sich nur noch für japanische Mangas. Brösel ist niedergeschlagen und flüchtet nach Korsika. Wo jedoch weitere Unbill auf ihn wartet: Beim „Flachköppen“, dem Sprung ins allzu seichte Wasser, wird der Zeichner ausgeknockt. Auf Brösels scheintoten Körper wartet eine irrsinnige Odyssee, vom Süden Europas zurück in die norddeutsche Heimat.

Wie schon der allererste „Werner“-Film von 1990 („Werner - Beinhart!“), changiert auch „Werner - Eiskalt“ sehr virtuos zwischen animierten Sequenzen und gefilmter Live-Action. Zuweilen geht das so flüssig und schnell vonstatten, dass man als Zuschauer Wechsel und Übergänge kaum bemerkt. Ein wenig verwirrend indes sind die Zeitsprünge und die nicht durchweg lineare Erzählung. Für all die „Werner“-Fans unter den Kinogängern sollte das jedoch kaum ein Problem darstellen.

Die Kino-Abenteuer des Comic-Chaoten „Werner"

„Werner – Beinhart!“

Der Zeichner Brösel soll einen Film über die Abenteuer des Installateur-Lehrlings Werner machen. Wenn ihm mal nichts mehr einfällt, hilft der geliebte „Bölkstoff“ (Bier in Flaschen mit Bügelverschluss) weiter. Das Werk mischt Realfilm mit Zeichentrick-Episoden. 5,5 Millionen Kinobesucher lachten 1990 über schräge Sprüche.

„Werner - Das muß kesseln!!!“

Werner und sein Motorrad der Marke Eigenbau lassen sich auf ein Rennen mit „Nobelschröder“ und dessen Bentley ein. Im zweiten Anlauf bauen Werner und sein Bruder Andi einen alten Flugzeugmotor in ihr Gefährt ein - und gewinnen, auch dank des Wundersprits „Metül“. Das zweite Kino-Abenteuer ist 1996 mit etwa fünf Millionen Besuchern ebenfalls ein Kassenschlager.

„Werner - Volles Rooäää!!!“

Im dritten Film kämpft Werner gegen den üblen Baulöwen Günzelsen. Der will das idyllische Dorf Knöllerup in eine Betonwüste verwandeln. Mit einem Fäkalstau in Günzelsens Kanalisation vereiteln Werner und seine Kumpel die Pläne. Fast drei Millionen Besucher lassen 1999 die Kassen erneut klingeln.

„Werner - Gekotzt wird später!“

Werner und seine Freunde machen sich 2003 mit Auto und reichlich „Bölkstoff“ auf Urlaubstour nach Korsika. Auf der Reise haben sie eine Menge Unannehmlichkeiten, es gibt wilde Verfolgungsjagden und geschrottete Autos. Diesmal zieht es nur gut eine Million Werner-Fans in die Kinos.

Anhänger der Kultfigur dürfen sich zudem freuen über die Rückkehr nicht nur des Klempnerlehrlings mit den vier Haaren und zwei Zähnen. Auch Figuren wie „Meister Röhrich“, „Eckat“ und die stets dusseligen Polizisten sind wieder mit von der Partie. Große Freude bereitet auch diesmal die längst zum Markenzeichen gewordene, herrlich norddeutsche Sprachmelodie der agierenden Figuren. Mag der Humor auch an der ein oder anderen Stelle einen Tick zu albern ausfallen - der hübsche und dabei stets innovative Umgang mit der deutschen Sprache trägt den ganzen Film hindurch.

Schließlich geht Werner bei seiner Rückkehr durchaus mutige Wege: In Zeiten, in denen kaum ein Hollywood-Sequel auf die dritte Dimension verzichtet, in denen Special Effects gang und gäbe sind, setzen Rötger Feldmann und sein Team auf bewusst altmodische Werte und gezeichnete Zweidimensionalität. Dass „Werner - Eiskalt“ gerade nicht in 3D daherkommt, ist auch als Hommage zu verstehen an eine kaum mehr gepflegte Film-Tradition. Nicht nur das norddeutsche Publikum dürfte nun wohl dafür sorgen, dass es Werner an den Kinokassen nicht „eiskalt“ erwischt.

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