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11.10.2012

13:03 Uhr

Für Männer

Yps ist wieder da

VonDésirée Linde, Tina Halberschmidt

Erst für Kinder, jetzt als Neuauflage für Männer: Die Rückkehr des Yps-Magazins zeigt am Beispiel des Ehapa-Egmont Verlag, wie sich der Comic-Markt gewandelt hat. Neue Kunden will man mit dem Heft offenbar nicht gewinnen

Titelbild der Zeitschrift „Yps“. Die Kinderzeitschrift war jahrelang vom Markt verschwunden, jetzt kehrt sie als Magazin für erwachsene Männer zurück. dpa

Titelbild der Zeitschrift „Yps“. Die Kinderzeitschrift war jahrelang vom Markt verschwunden, jetzt kehrt sie als Magazin für erwachsene Männer zurück.

DüsseldorfDie Urzeitkrebse kehren zurück. Die kleinen Wassertierchen waren schon in den 1970er und 1980er Jahren bei den Yps-Lesern heiß begehrt: Einfach jeder musste die Eier von Salinenkrebsen haben, die zunächst wie totes Pulver aussehen, aber - einmal in ein mit Wasser gefülltes Einmachglas geschüttet - wuselig zum Leben erwachen. Kein Wunder, dass die Krebse eines der beliebtesten Gimmicks der Zeitschrift waren und das Wort „Gimmick“ überhaupt erst salonfähig machten.

Agenten-, Wissenschafts- und Forscherausrüstungen lagen jeder Ausgabe der Zeitschrift für Kinder bei. Unvergessen die Detektivbrille mit Jalousie und Seitenspiegeln und das Blasrohr, das um die Ecke schießt.

Für die Wiedergeburt von Yps setzt der Ehapa-Egmont Verlag nun auf die Treue der einstigen Leser. „Heutige Kinder kennen Yps nicht mehr. Wenn Sie heute eine Kinderzeitschrift machen wollen, können Sie sie auch 'Z' nennen, Sie profitieren nicht mehr von dem Markennamen. Aber Erwachsene, die kennen Yps noch und Sie lieben Yps noch“, erklärte Chefredakteur Christian Kallenberg in Berlin.

Jeder habe sein eigenes Bild von Yps im Kopf. „Allen gemeinsam ist, dass es positiv ist: Kindheit, Wärme, Wohligkeit“. Das neue Yps sei daher ein „Magazin, das Kindheitserinnerungen weckt, aber selbst nicht kindlich ist“, so Kallenberg.

Das Yps-Heft

Gimmick

Das Gimmick ist eine regelmäßige Beilage zum Heft, die viele erst zum Kauf animierte. Urzeitkrebse, Agenten- und Überlebensausrüstungen machten Yps einzigartig.

Fanseite

Im Internet gibt es eine ausführliche Seite, auf der der Yps-Fans wohl alles findet, was das Herz begehrt: Unter http://www.ypsfanpage.de/ wird beispielsweise erklärt, warum auf keinem Yps-Heft ein Erscheinungsdatum steht und ob es im Ausland ähnliche Zeitschriften wie Yps gibt.

Extra-Hefte

Immer wieder erschienen Extra-Hefte mit Extra-Gimmicks, zum Beispiel ein Radio zum Selberbauen, ein Taschenfernglas oder ein Tropen-Gewächshaus.

Yps-Logo

Das Logo des Magazins änderte sich regelmäßig. Zeitweilig waren die beliebten Figuren „Pif“ und „Herkules“ miteingebaut, später wurden sie durch den Kopf des Kängurus „Yps“ ersetzt.

Sammelwut

Einige Yps-Ausgaben haben für Sammler einen hohen Wert, so zum Beispiel die Werbebroschüre, die vor Erscheinen der ersten Ausgabe an Händler verteilt wurde. Auch die sechs Ausgaben, die in Papier statt in Plastik ausgeliefert wurden, sind unter Sammlern heiß begehrt.

Urzeitkrebse

Die kleinen Schwimmtiere sind wohl eines der begehrtesten Gimmicks überhaupt und haben Yps berühmt gemacht. Das Futter für die Krebse erhielten Yps-Leser ebenfalls als Gimmick.

Geschichte

„Yps“ wurde nach dem Vorbild einer kommunistischen Jugendzeitschrift aus Frankreich gegründet. Es erschien in der Bundesrepublik von 1975 bis 2000. Zu den besten Zeiten in den 70ern und 80ern hatte „Yps“ mehr als 400.000 Exemplare Auflage. 2012 startete es erneut.

Zielgruppe sind dabei erklärtermaßen Männer zwischen 30 und 45 Jahren: Das gerade erschienene, 100 Seiten dicke Heft klärt etwa Fragen wie „Mit 35 Jahren noch Geheimagent werden – wie geht das eigentlich?“. Auch wenn vor allem die männliche Leserschaft angesprochen werden soll - nackt ist dem Heft nur das namensgebende Känguru Yps, wie Kallenberg versichert.

Mit der Rückbesinnung auf Altes zeigt sich die Krise im Verlagswesen. 2001 kündigte das Mutterunternehmen, die dänische Egmont-Gruppe (Kopenhagen) an, stärker auf ältere Zielgruppen setzen zu wollen. Die Egmont-Tochter Cultfish Entertainment hatte damals bereits Begleitmagazine für Fernsehsendungen wie „Big Brother" und „The Dome" entwickelt. Der klassische Markt für Kinder und Jugendliche stagnierte dagegen.

„Wir können mit den jetzigen Strukturen nicht mehr weitermachen“, sagte eine Sprecherin damals. Zu der Zeit war die Marke Yps faktisch tot, eingestellt wegen rapide sinkender Zahlen. Nur drei Retro-Sonderhefte erschienen in den Jahren 2005 und 2006, immerhin gab es später noch eine Urzeitkrebse-App.

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