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14.11.2011

11:03 Uhr

Galerie Grita Insam

Eine Institution macht dicht

VonChristiane Fricke

Seit 40 Jahren steht die Galerie Grita Insam für Konzeptkunst, sperrige Tendenzen und flüchtige Medienkunst. Sie ist stets auch ein Ort für theoretische und kulturpolitische Auseinandersetzungen gewesen. Jetzt beendet Grita Insam aus gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit als Galeristin.

Die Wiener Galeristin Grita Insam. Galerie Grita Insam, Wien

Die Wiener Galeristin Grita Insam.

DüsseldorfIn Wien ist sie eine Institution, die 1971 gegründete Galerie Grita Insam, ein Ort für die Konzeptkunst, aber auch für sperrige Kunsttendenzen, flüchtige Medienkunst und für eine aufklärerische Haltung. So ist die Galerie stets auch ein Ort für theoretische und kulturpolitische Auseinandersetzung, ein Charakteristikum, das sicher auch mit der Zeit etwas zu tun hat, in der sie gegründet wurde, in jenen Jahren des gesellschaftlichen und künstlerischen Aufbruchs.

Nun zieht Grita Insam, Jahrgang 1939, aus gesundheitlichen Gründen nach 40 Jahren Arbeit einen Schlussstrich unter ihre engagierte Arbeit. 1971 als Modern Art Galerie eröffnet, erfüllt Insam zunächst die traditionellen Aufgaben einer Galerie, die darin bestehen, ihre eigenen Künstler durch Kooperationen mit Händlern, Museen und Sammlern im In- und Ausland aufzubauen. Sie vertritt den amerikanischen Aktionskünstler Vito Acconci, den US-Konzeptkünstler John Baldessari und die britische Künstlergruppe Art & Language, aber auch die deutsche Fotokünstlerin Candida Höfer oder den österreichischen Aktions- und Videokünstler Peter Weibel. Auf ihrer Künstlerliste stehen auch die mit ihrer Land Art bekannt gewordene amerikanische Künstlerin Alice Aycock oder die Architektin Zaha Hadid.

Eine Idee der Aufklärung

Hinzu kommt Insams Ehrgeiz, Beiträge zum regionalen Kulturgeschehen zu leisten, die nicht schon von anderer Seite erbracht werden. In den siebziger und achtziger Jahren ist die Infrastruktur im Bereich der zeitgenössischen Kunst noch vergleichsweise unzureichend. Grita Insam kann deshalb mit ihrer Galeriearbeit in ein Informationsdefizit stoßen und dieses mit ihrem tief lotenden Ausstellungsprogramm ausfüllen.

Bis zu 20 Ausstellungen jährlich hat Grita Insam in den ersten zwölf Jahren ihrer Tätigkeit organisiert; an durchschnittlich sieben Kunstmessen teilgenommen, unter anderem in Basel, Madrid, Paris, Köln, New York und London. Programmatisch schließt sie kein Medium der Kunst aus und bekennt sich zum erweiterten Kunstbegriff. Das ist die Basis für ein erstaunliches Spektrum an Aktivitäten, das auch vor flüchtigen, zeitgebundenen Kunstformen nicht halt macht und die Aufarbeitung theoretischer Problemstellungen mit einschließt. So organisiert Grita Insam etwa anlässlich der Ausstellung „Audioscene 79“ ein Symposium, das sich mit dem Thema Sound als Medium der Bildenden Kunst befasst.

Zurzeit ausgestellt: die britische Künstlergruppe Art & Language, hier mit der dreiteiligen Skulptur "An Interview with Mayo Thompson", 2009. Galerie Grita Insam/Art & Language

Zurzeit ausgestellt: die britische Künstlergruppe Art & Language, hier mit der dreiteiligen Skulptur "An Interview with Mayo Thompson", 2009.

Teil des Diskurses

Auch in den kulturpolitischen Diskurs hat sich die Galerie Grita Insam eingeschaltet, und zwar als vermittelnde Instanz. Zu den Schwerpunktthemen seit 1980 zählen Kunst und Bau sowie künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum, die Gestaltung urbaner Räume durch Künstler. Erinnert sei an Themenausstellungen wie „KunstLicht“ (2001) oder „GegenLicht“ (2003). Ab 1988 ist Grita Insam immer wieder als Organisatorin großer Themenausstellungen für internationale Museen gefragt. Die letzte Ausstellung der Galerie widmet sich zwei Werkgruppen, in denen sich das Künstlerkollektiv Art & Language (Michael Baldwin und Mel Ramsden) mit berühmt gewordenen Motiven und Darstellungskonventionen historischer Künstler auseinandergesetzt hat (bis 19. November).

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