Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2011

04:48 Uhr

Galerie Kornfeld

Durchwachsene Jubiläumsauktionen

Einen wechselhaften Verlauf nahm die 60. Auktionsserie der Galerie Kornfeld in Bern. Der starke Franken schwächte die Kauflust ausländischer Bieter. Der Handel reagierte positiv auf behutsame Schätzpreise und ein attraktives Angebot im mittleren Preisbereich.

Ferdinand Hodlers "Vue de Montana vers le Val d'Hérens et le Val d'Hérémence" von 1915 wurde für 3,83 Millionen Euro zugeschlagen (Ausschnitt). Quelle: Galerie Kornfeld

Ferdinand Hodlers "Vue de Montana vers le Val d'Hérens et le Val d'Hérémence" von 1915 wurde für 3,83 Millionen Euro zugeschlagen (Ausschnitt).

BernDie 60. Auktionen der Galerie Kornfeld in Bern standen unter dem Eindruck von Dollar- und Euroschwäche, Griechenlandkrise und anderen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Zeitgleich fand die ihrerseits geschäftlich stark durchwachsene Art Basel statt. Auktionator war der 87-jährige Eberhard W. Kornfeld. Dass er mit Käuferaufgeld bei einer Verkaufsquote um 75 Prozent für rund 2.500 verkaufte Lose dennoch ein Gesamtergebnis um 22,3 Millionen Euro erzielte, ist vor allem dem marktgerechten Angebot zu verdanken. Im letzten Jahr betrug der Umsatz 35,7 Millionen Euro.

Besonders im mittleren Preisbereich war das Angebot überdurchschnittlich vielseitig und attraktiv bestückt. Es war zudem so behutsam taxiert, dass sich auch der traditionell in großer Zahl anwesende ausländische, vor allem deutsche und amerikanische Handel noch vernünftige Weiterverkaufschancen ausrechnen konnte. Der Löwenanteil des Umsatzes entfällt allerdings einmal mehr auf den Auswahlkatalog zur Klassischen Moderne, der gegenüber 2010 um 20 Lose auf 170 Nummern aufgestockt wurde. 65 Prozent oder 111 Lose konnten für insgesamt 17,4 Millionen Euro bei einem allerdings nicht reibungslosen Auktionsverlauf verkauft werden. Eine ganze Reihe von offensichtlichen Zuschlägen wurden „unter Vorbehalt“ erteilt und konnten erst nach Rücksprache mit den jeweiligen Einlieferern bestätigt werden.

Spitzenpreise für Ernst Ludwig Kirchner 

Mehr als ein Fünftel des Umsatzes entfielen auf das designierte Toplos der Auktion, Ferdinand Hodlers prächtige Landschaft „Vue de Montana vers le Val d'Hérens et le Val d'Hérémence“. Das farbstarke, 1915 entstandene Bild sicherte sich ein anwesender europäischer Sammler deutlich über der Schätzung für 3,8 Millionen Euro. Mehrere Spitzenpreise für Ernst Ludwig Kirchner-Werke bewilligte ein persönlicher Freund Kornfelds, der amerikanische Industrielle und Sammler Nelson Blitz.

Blitz erkämpfte sich zuerst, unter anderem gegen den Berliner Händler Wolfgang Wittrock, für 646.280 Euro die Tuschfedervorzeichnung "Potsdamer Platz" von 1913 zu Kirchners gleichnamigem Gemälde von 1914. Das signierte und datierte Blatt war auf 250.000 Euro angesetzt. Unmittelbar darauf bot er für die 1914 geschaffene Radierung „Straßenszene mit Hündchen“ mit 228.000 Euro glatt das Vierfache der Schätzung. Zwei Lose später bewilligte Blitz für den seltenen 1919 entstandenen, zweiseitig bedruckten Farbholzschnitt „Junkerboden“ mit rekordverdächtigen 855.000 Euro, wiederum das Dreifache der Schätzung.

Ernst Ludwig Kirchners Holzschnitt "Junkerboden" von 1919 erwarb der amerikanische Industrielle Nelson Blitz. Quelle: Galerie Kornfeld

Ernst Ludwig Kirchners Holzschnitt "Junkerboden" von 1919 erwarb der amerikanische Industrielle Nelson Blitz.

Näher bei ihrer Schätzung blieben dagegen ein posthumer, 1981 in insgesamt zwölf Exemplaren aufgelegter Guss von Alberto Giacometti und ein abstrakter Kopf von Alexej von Jawlensky. Giacomettis um 1965 entworfene Bronze „Tête d'homme - Lotar I.“ erzielte 503.500 Euro, für Jawlenskys Kopf von 1933 bot ein anonymer Saalbieter 655.500 Euro. Eine kleinere Sensation waren jene 313.500 Euro, die ein Telefonbieter gegen starke Konkurrenz auch aus dem Saal für Alfred Kubins Tuschfeder- und Pinselzeichnung „Angst“ bot. Das rätselhafte Blatt aus den Jahren 1902/1903 war auf 33.000 Euro veranschlagt und erzielte einen Auktionsrekordpreis für den Künstler, an den die nachfolgenden drei Kubin-Arbeiten jedoch nicht heranreichten.

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×