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22.07.2015

12:18 Uhr

Galerie Ursula Walbröl

Gegen den Strom geschwommen

VonChristiane Fricke

Ursula Walbröl blickt auf 25 harte Jahre als Galeristin zurück. Ende dieses Monats schließt sie ihren Raum auf der Mutter-Ey-Straße in Düsseldorf. Trends hat sie nicht bedient. Dafür aber den von ihr vertretenen Künstlern den Weg in die Museen gebahnt.

Von li. nach re.: Pavel Peppersteins Aquarell "Creation of Europe", die "Ballon"-Serie von Simon Lewis und Tableaus mit ausgewählten Einladungskarten der Galerie Ursula Walbröl. Foto: Achim Kukulies

Blick in die letzte Ausstellung

Von li. nach re.: Pavel Peppersteins Aquarell "Creation of Europe", die "Ballon"-Serie von Simon Lewis und Tableaus mit ausgewählten Einladungskarten der Galerie Ursula Walbröl. Foto: Achim Kukulies

DüsseldorfNach 25 Jahren harter, oft sehr stiller Arbeit verabschiedet sich die Düsseldorfer Galeristin Ursula Walbröl mit einer Ausstellung, die den bezeichnenden Titel „waiting room“ trägt. Das Fazit ist bedrückend. „Waiting room“ bezeichnet nichts anderes als das Warten auf Sammler und auf Liebhaber. Ein Zustand, der die 70-Jährige letztlich zum Aufhören zwingt. „Es gibt wahnsinnig wenig Sammler, die an der Kunst interessiert sind“, fasst Walbröl ihre Erfahrungen zusammen. Die meisten hätten vor allem die Wertentwicklung im Kopf und wollten hofiert werden. „Wilhelm Schürmann war der einzige, mit dem ich rechnen konnte.“

Für ihre letzte Ausstellung, die nur 14 Tage läuft, haben alle 19 Künstler, die ihr über diesen langen Zeitraum die Treue gehalten haben, eine Edition oder kleine Arbeit geschaffen, angesiedelt in einem Preisspektrum zwischen wenigen Hundert und 12.000 Euro. Es ist also keine der üblichen Sommer-Accrochagen, die in dem Galerieraum auf der Mutter-Ey-Straße geboten wird, den Walbröl seit rund zwei Jahren im Wechsel mit dem Sammler Karsten Weigmann und den Galeristinnen Cora Hölzl und Henrietta Weithorn bespielt.

Blick hinter die Oberfläche

Von der Medizinerin und Künstlerin Tynne Claudia Pollmann hängt etwa eine zweiteilige Computersimulation hinter Plexiglas an der Wand („Optimizer“). Hinter der schönen Oberfläche steht die Liason menschlicher Hirnzellen mit dem pflanzlichen Geliermittel „Agar-Agar“. Ein Bild für den wahnsinnigen Ehrgeiz, mit dem der Mensch sich selber mit medizinischen Mitteln zu optimieren versucht (Auflage: 2, 1.000 Euro)

Der Verkauf kommerziell gängiger oder im Trend liegender Pinseleien und Artefakte ist nie Ursula Walbröls Sache gewesen. Ausstellungen mit Knalleffekt wie die retrospektive Bernard Buffet-Schau im Jahr 2001 bleiben die Ausnahme. Stattdessen konnte man immer wieder Dingen begegnen, die in der Gestalt unterschiedlichster Ausdrucksmedien ihren Auftritt haben und Tiefendimensionen offenbaren, wenn man sich eingehender mit ihnen beschäftigt.

Einladungskarten und Dokumente aus 25 Jahren Galeriearbeit von Ursula Walbröl. Foto: Achim Kukulies

Galeriegeschichte in DIN A-4 gerahmt

Einladungskarten und Dokumente aus 25 Jahren Galeriearbeit von Ursula Walbröl. Foto: Achim Kukulies

143 Ausstellungen hat Ursula Walbröl in den 25 Jahren organisiert, fünf bis sechs Ausstellungen pro Jahr. Nicht wenige der von Walbröl vertretenen Künstler verfolgen eine künstlerische Arbeit, die von einer kritischen, an aktuellen politischen Realitäten orientierten Haltung durchdrungen ist. Luis Camnitzer etwa, der für eine Politisierung der Konzeptkunst steht oder der Maler Dierk Schmidt.

Zeichnen mit dem Daumennagel

Typisch ist auch der Blick der Galeristin für weniger auftrumpfende Arbeiten, oft auf und mit Papier oder ähnlich ephemeren Materialien, gerne auch im Rahmen raumgreifender Installationen. In Erinnerung bleiben etwa Philip Loerschs beeindruckende Arbeit auf dem Stand von Walbröl anlässlich des Berliner Artforums 2007 oder die jüngste Installation der koreanischen Künstlerin Jewyo Rhii in der Galerie von Februar/März diesen Jahres.

Installation der koreanischen Künstlerin Jewho Rhii in der Galerie Ursula Walbröl zu Beginn des Jahres 2015. Foto: Achim Kukulies

Werke, die einen Raum okkupieren

Installation der koreanischen Künstlerin Jewho Rhii in der Galerie Ursula Walbröl zu Beginn des Jahres 2015. Foto: Achim Kukulies

An der aktuellen Ausstellung beteiligt sich Rhii nun mit einer Gruppe kleinformatiger, gezeichneter „Dokumentationen“ nicht vollendeter, ihrer Hervorbringung harrender Arbeiten (1.500 bis 2.000 Euro). Thorsten Streichardt ist mit einer Serie von zwölf Zeichnungen vertreten, die er mit dem Daumennagel auf gestapelten, mit Durchschlagpapier durchsetzten Papierbögen bewerkstelligte (je 100 Euro). Die Arbeit trägt den sprechenden Titel „Gute Minen zu erfolgreicher Vertragsunterzeichnung“, was Assoziationen an aktuelle politische Ereignisse zulässt. Jeder Bogen lag einmal oben, sodass insgesamt zwölf Linien auf allen Blättern zu sehen sind, nur in unterschiedlicher Betonung. Bereits Anfang der 2000er-Jahre waren bei Walbröl der russische Konzeptkünstler Pavel Pepperstein und der „Reportagezeichner“ Alexander Roob anzutreffen.

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