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20.10.2015

17:28 Uhr

Galerien Orangerie-Reinz und Boisserée

Im selben Teich gefischt

VonChristiane Fricke

Die Kölner Galerie Boisserée verdankt vieles ihrem Sparringspartner und väterlichen Freund Gerhard F. Reinz. Nun zeigt sie, was der menschenkundige Kölner Händler selber sammelte oder noch im Bestand hatte, bevor er seine Galerie 2009 schloss. Da er zu Lebzeiten gut verkaufte, müssen die beiden Betreiber der Galerie Boisserée die Hälfte der Exponate aus eigenem Bestand bestreiten.

Die farb- und formstarke Malerei von Alain Clément. Hier sein Ölgemälde "07 M 17P" von 2007 aus dem Bestand von Gerhard F. Reinz. Quelle: Galerie Boisserée, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Archituren aus Farbe

Die farb- und formstarke Malerei von Alain Clément. Hier sein Ölgemälde "07 M 17P" von 2007 aus dem Bestand von Gerhard F. Reinz. Quelle: Galerie Boisserée, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2015

KölnDer Kölner Kunsthändler und Galerist Gerhard F. Reinz (1930-2013) war eine wendige Person, die – wenn es darauf ankam – auf sehr nahe liegende Ideen kam. So quartierte er sich 1964 etwa in New York in einem Hotelzimmer gegenüber der Suite von Salvador Dali ein, um 15.000 Blätter der Graphik-Serie „Die Göttliche Komödie“ signiert zu bekommen. Drei Wochen lag er fast ununterbrochen auf der Lauer, erinnert er sich. Und „immer, wenn der Meister Lust und Laune hatte zu signieren, nachdem er von einer Party oder wer weiß woher zurückkehrte, klopfte er an meine Türe und rief: „Monsieur, laissez signer!“.

Gelassener Konkurrent

Reinz selber war ein „Grandseigneur“, erinnert sich Thomas Weber, der zusammen mit Johannes Schilling die Galerie Boisserée leitet, Schauplatz einer retrospektiven „Hommage“ an den viel älteren Kollegen (28. Oktober bis 5. Dezember 2015). Und obwohl die jungen Galeristen mit ihrer Affinität zur Druckgraphik nur 500 Meter entfernt "im selben Teich fischten", blieb Reinz ein gelassener Konkurrent, der sie großmütig auch mit Ratschlägen versorgte. Eine Zeitlang wurde sogar der Gedanke ventiliert, gemeinsame Sache zu machen, erinnert sich Weber.

Wettbewerb um Braque

George Braque und Pablo Picasso, Joan Miró und Antoni Tapies, die im Ausland anfangs noch wenig geliebten Vertreter der abstrakten Nachkriegsmalerei Deutschlands wie Karl Otto Götz, Hans Hartung und Emil Schumacher – die Liste der Künstler, die beide Galerien parallel im Programm führten, ist lang. Wenn Reinz mit einer Braque-Schau herauskam, dann fühlten Weber und Schilling sich dazu aufgerufen, bei ihrer eigenen nächsten Braque-Ausstellung noch zwei, drei exzeptionelle Blätter mehr aufzubieten.

Führungsanspruch für Druckgraphik nach 1950

Den Überlebenden, selber seit 30 Jahren im Geschäft, mangelt es an Selbstbewusstsein nicht. „Für die graphische Kunst ab 1950 bis heute gehören die Galerien Orangerie Reinz und Boisserée zu den führenden in Deutschland“, formuliert Weber den Anspruch, den indirekt auch der Katalog widerspiegelt. Hier werden die Arbeiten mit Provenienz Reinz nicht eigens ausgewiesen. Insgesamt schätzt Weber ihren Anteil aber auf gut 50 Prozent. Was die Bestände der Galerie und Privatsammlung von Reinz nicht mehr hergaben, ergänzt Boisserée mit Arbeiten aus dem eigenen Fundus; allerdings nur mit Positionen, die Reinz auch schätzte.

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