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19.09.2013

12:19 Uhr

Galerienrundgang Hamburg

Spiel mit Illusionen

VonFrank Kurzhals

Die Hamburger Galerien setzen zum Saisonstart auf verführerische Themen und komplexe Seherlebnisse. Ein Rundgang mit unserem Korrespondenten Frank Kurzhals.

Michael Conrads: "Another fool on the hill", 2013, Mischtechnik. (Ausschnitt) Produzentengalerie Hamburg, Tim Schröder

Michael Conrads: "Another fool on the hill", 2013, Mischtechnik. (Ausschnitt)

HamburgIn der Admiralitätsstraße mit ihrer Konzentration von Vorder- und Hinterhausgalerien ist der Start in die neue Kunstsaison immer ein kleines Ereignis. Ein breites Angebot an zeitgenössischer Kunst findet sich in dieser schmalen Straße auf wenige Häuser verteilt. Hier residiert auch die traditionsreiche Produzentengalerie. Sie zeigt jetzt neuere Bilder von Michael Conrads, der in Berlin lebt.

Für Conrads hat das Malen prozessualen Charakter. Mit Öl, Lack, irisierendem Pigment, Karton, Schellack, Spray, Polystyrol, Wachskreide und Bitumen arbeitet der 36-Jährige auf Leinwand. Dabei entstehen komplexe Formen mit geometrischen Grundstrukturen, die immer wieder von neuen Strukturen überlagert oder aufgebrochen werden. Es sind Vexierbilder, oft mit gegenständlichen Zitaten aus dem Lebensalltag oder der Kunstgeschichte: eine Pflanze, ein Steinfußboden, eine kleine Rätsel-Architektur von M.C. Escher. An nichts kann sich der Blick des Betrachters festhalten.

Franz Kafka schrieb 1911 „das Versteckte in einem Vexierbild sei deutlich und unsichtbar. Deutlich für den der gefunden hat, wonach zu schauen er aufgefordert war, unsichtbar für den, der gar nicht weiß, dass es etwas zu suchen gilt“. Was bei Conrads in seinen Vexierbildern versteckt ist, das ist kein Geheimnis oder eine niedliche Überraschung. Er spiegelt nur unseren eigenen Blick in die Welt. 

Conrads faszinierendes Bild „Another fool on the hill“ aus diesem Jahr füllt eine ganze Wand und wird für 22.000 Euro angeboten. Die mittleren Formate von 165 cm x 125 cm liegen bei 8.000 Euro. Eine Sitzbank mit ornamentalem Muster, das aussieht, als wäre es aus einem seiner Bilder gefallen, kostet 5.000 Euro.

Jessica Backhaus: "Memories in a Bottle", aus der Serie "Once, still and forever", 2011, Farbfotografie. (Ausschnitt) Galerie Robert Morat, Hamburg

Jessica Backhaus: "Memories in a Bottle", aus der Serie "Once, still and forever", 2011, Farbfotografie. (Ausschnitt)

Gisèle Freund als Mentorin

Zeitgenössische Fotografie wird in Hamburg von einer Handvoll Galerien ausgestellt. Ein immer wieder gutes Gespür für bemerkenswerte Positionen hat Robert Morat. Seit zehn Jahren präsentiert er in der Nähe des Chile-Hauses neuere und neueste Arbeiten deutscher und europäischer Fotografen, mittlerweile in einem beeindruckenden Rhythmus von jeweils sechs bis acht Wochen, und meist mit Katalog. Kontrapunktisch ergänzt er sein Programm bei Gelegenheit mit klassischen Positionen, oft mit Werken ehemaliger Hochschul-Lehrer seiner Künstler.

Im Moment sind bei Morat die melancholisch grundierten Fotoarbeiten von Jessica Backhaus zu sehen. Wenn gebrochene Farbwelten und alltägliche Objekte zusammenkommen, dann beginnt sie zu fotografieren und das beiläufige Leben wird zum Star. Die Grande Dame der Fotografie, Gisèle Freund, war ihre langjährige Mentorin. Sie bestätigte die Künstlerin bei ihrer Suchen nach einer Position, in der beispielsweise aus einer bizarr in der Luft hängenden Lichterkette Momente eines poetischen Andenkens werden. Die kleinen Formate werden in Auflagen von jeweils fünf Exemplaren angeboten, die zwischen 1.700 Euro und 2.800 Euro kosten.

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