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25.07.2013

11:33 Uhr

Galerienrundgang

Sommer in Berlin

VonChristian Herchenröder

Viele Berliner Privatgalerien machen keine Ferien. Sie setzen auch in diesen Wochen ihre Ausstellungsaktivitäten fort. Das Programm ist breit und individuell. Es hält die Balance zwischen musealen und zukunftsträchtigen Positionen

Bei Scheibler: Wolfgang Betkes "Paravent", 2013, Acryl und Permanent Marker auf Aluminium, auf Holzpaneele montiert. (Ausschnitt) VG Bild-Kunst, Bonn, und Wolfgang Betke

Bei Scheibler: Wolfgang Betkes "Paravent", 2013, Acryl und Permanent Marker auf Aluminium, auf Holzpaneele montiert. (Ausschnitt)

BerlinEin Schwanengesang trübt das Sommerprogramm der Berliner Galerien: die Galerie Klosterfelde beendet mit einer Schau von Fotoarbeiten und Filmen des holländischen Konzeptkünstlers Jan Bas Ader ihre 18-jährige Tätigkeit. Das ist kein Fanal, sondern eine Abkehr vom eingefahrenen Galeriebetrieb, der nach 104 Ausstellungen eine neue Sinngebung jenseits der Vernissagen und Messen sucht.

Ein Sommerprogramm mit Klassikern der Abstraktion aller Varianten von Baumeister und Arp bis zu jüngeren Vertretern wie Katja Strunz und Eberhard Havekost bietet die in Kooperation mit dem Berliner Galeristen Michael Haas

bei Contemporary Fine Arts arrangierte Schau „Abstrakt“. Internationale Galerien sind die Leihgeber. Die Auswahl ist dicht gehängt und bietet einen  facettenreichen Überblick über vielfältige Ausdrucksweisen vom Ideogramm, wie es der späte Nay benutzt (der hier mit vier Bildern vertreten ist), bis zum ironischen Konstrukt der Britin Sarah Lucas. In ihrer Skulptur „Mammerylooloo“ aus dem Jahr 2012 wachsen gummiweiche Brüste aus einer Kloschüssel (95.000 Pfund).

Zu den eindrucksvollsten Exponaten gehört die große schwarze Skulptur „Pflanzengriffel“ von Hans Arp aus dem Jahr 1959, die wie ein Vorgriff auf die gedrehten Plastiken von Tony Cragg wirkt. Sie ist mit 980.000 Euro das teuerste Objekt der Ausstellung, in der die Preise bei 38.000 Euro für eines der gefalteten Wandreliefs von Katja Strunz beginnen. Im ersten Stock des Galeriehauses hängt auch ein monumentales sechsteiliges Spiegelobjekt des Lichtkünstlers Adolf Luther. Es kostet 280.000 Euro und hat dieselben Maße wie die im Mai 2011 in der Villa Grisebach für 122.000 Euro versteigerte Spiegelwand mit Karstadt-Provenienz. (Die Ausstellung läuft bis 31. August)

Entzauberung der Sehnsuchtsorte

Einer der wichtigsten deutschen Videokünstler ist Marcel Odenbach, zu dessen 60. Geburtstag die Galerie Crone bis 12. September sechs ausgewählte Filme in Dauerschleife zeigt. In ihnen zeigt sich der Kölner, dessen Werke in Museen von New York bis Paris vertreten sind, als feinsinniger Chronist der deutschen Geschichte, der historische Sehnsuchtsorte entzaubert, jüdische Identität beschwört und das brandaktuelle Thema der Bootsflüchtlinge an Géricaults Monumentalgemälde „Das Floß der Medusa“ koppelt (2011). Sommerliches Badevergnügen wird in einem Gemeinschaftswerk mit Rosemarie Trockel („Hitzefrei“, 2000) als Massenphänomen und Zerrbild der Entpersönlichung thematisiert.

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