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15.08.2016

10:07 Uhr

Galerieschließungen

Berlins sinkende Strahlkraft

VonSusanne Schreiber

Wieder haben vier Galerien in Berlin aufgegeben. Steigende Mieten, sinkende Umsätze und ein Publikum, das feiern, nicht kaufen will, erzwingen neue Konzepte.

Laurence Grave "1.9 o.T.": Die Malerin dekonstruiert ihr Malmaterial rigoros. Quelle: Zweigstelle Berlin

Neue Bildwelten

Laurence Grave "1.9 o.T.": Die Malerin dekonstruiert ihr Malmaterial rigoros. Quelle: Zweigstelle Berlin

DüsseldorfDie Gentrifizierung frisst ihre eigenen Kinder. Denn die Galerien sind traditionell die ersten, die mithelfen, ein Quartier attraktiv zu machen. Dann kommen die Immobilienentwickler, danach steigen die Mieten kontinuierlich. Wachsen oder Sterben heißt die Devise meist auch für engagierte Galerien. Dass man weder wachsen noch sterben muss, zeigen die vier jüngsten Galerieschließungen in Berlin.

Wo entsteht Umsatz?

Wenn  die Galerien Gebr. Lehmann und die Zweigstelle ihre Dependancen in Berlin jetzt dicht machen, dann ist das ein Akt der Konzentration auf das stärkere Geschäftsfeld. Bei Veneklasen/Werner mögen nicht zuletzt die Werner-Niederlassungen in New York und London Käufer mit Steuervorteilen anlocken und abziehen. Das Galeristenpaar Croy Nielsen zieht es ins Kunst  satte Wien, wo es bessere Bedingungen für ihre Arbeit sieht. Berlin hat eben wenige Sammler und wenig Förderung. Die Künstler haben inzwischen Los Angeles entdeckt als neuen Hot Spot.

Der Nimbus von Berlin als Kunst-Mekka bröckelt. Die Konkurrenz ist hoch, da muss Profil bewiesen und mit jeder Vernissage der Eventcharakter bedient werden. Dann strömt zwar die Masse – aber nur zum Quatschen und Party machen. Sammler und Kuratoren bleiben aus und danach findet kaum ein Besucher noch den Weg in die Galerie.

Pop von heute

Der Betriebswirt und Kunstberater Andreas Stucken verabschiedet sich nach neun Jahren in Berlin mit einer Doppelausstellung. Die Zweigstelle Berlin verhandelt den unkonventionellen Umgang mit Farbe und Leinwand und die Weiterentwicklung der Minimal und Pop Art noch mit einer Doppelausstellung.

Die Malerin Laurence Grave dekonstruiert Leinwand und Keilrahmen und schafft so neue Objekte. Der Objekt- und dem Installationskünstler Jürgen Paas schafft für seine farbkräftigen Gebilde Denk- und Archiv-Räume an Wänden und auf dem Boden, die zum Schauen einladen (10. bis 24.9.). Während des art berlin contemporary-Wochenendes (15. bis 18.9.) gelten erweiterte Öffnungszeiten.

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