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29.04.2012

10:39 Uhr

Gallery Weekend

Flanieren und Kunst kaufen

VonChristian Herchenröder

Nach dem Ende der Kunstmesse Artforum ist das Gallery Weekend Berlins wichtigste Großveranstaltung für Sammler aus aller Welt. Diesmal beteiligen sich 51 Galerien. Viele von ihnen warten mit Überraschungen auf.

Dominique Gonzales-Foerster: Im 16-Minuten-Video „Noreturn“ ist der Traum die einzige Alternative zur durchorganisierten Wirklichkeit. VG Bild-Kunst / Esther Schipper, Berlin

Dominique Gonzales-Foerster: Im 16-Minuten-Video „Noreturn“ ist der Traum die einzige Alternative zur durchorganisierten Wirklichkeit.

BerlinDas Gallery Weekend ist zu einem strahlenden Ereignis der Berliner Kultur geworden. 51 Galerien prägen in der Stadt, die keine Kunstmesse mehr hat, das Kernprogramm, und alle anderen Galerien eröffnen an diesem Wochenende ihre Frühjahrsausstellungen. Mit dem neuen Online-Auftritt „Virtual Gallery Weekend beta“ gibt es zudem vom 27. April bis zum 2. Mai erstmals auch eine reine Internet-Schau der Galerien, und zwar mit Exponaten und Kunstwerken, die nur online gezeigt werden.

Das Programm in den Galerien ist breiter denn je. Es reicht von dem Land-Art-Veteranen Richard Long, der in der Galerie Konrad Fischer eine großformatige Skulptur aus Feuersteinen legt (bis 16.6.) bis zu Tattoos russischer Krimineller in der Galerie Max Hetzler, die in 120 ausgewählten Zeichnungen eines Gefängnisaufsehers dokumentiert sind. Es gibt auch eine Hommage an den New Yorker Galeristen Howard Wise (1903–1989), einen Pionier der kinetischen Kunst und der Videokunst. Zu den in seiner New Yorker Galerie in den 1960er- und 1970er-Jahren ausgestellten Arbeiten, die jetzt bei Moeller Fine Art am Tempelhofer Ufer figurieren, gehören Werke von Piene, Mack und Uecker, Dorazio, Christo, Rickey, Nam June Paik (bis 30.6.).

Ein anderer Altmeister der kinetischen Kunst ist der Franzose François Morellet, der als Schöpfer monumentaler Metallraster-Skulpturen berühmt geworden ist und seit 1963 an Neonreliefs mit programmiertem Licht arbeitet. Sieben von diesen zum Teil mit wechselnden Lichteffekten spielenden Wandarbeiten sind bis zum 23. Juni bei Wolfgang Werner in der Fasanenstraße ausgestellt. Die Preise reichen von 50 000 bis 130 000 Euro, die für das Zwei-Meter-Relief „Grand Lunatique No. 1“ von 1996 gelten.

Eine der spannendsten Ausstellungen des Weekend-Programms ist bei Esther Schipper am Schöneberger Ufer aufgebaut. Zwei Videos, ein steifer Plastikvorhang, ein Bücherteppich und eine Installation von Etagenbetten sind Elemente einer Ausstellung der französischen Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster in der Turbinenhalle der Londoner Tate Modern, in der mit einer Armee eiserner Betten die kahle Zukunft im Jahr 2058 heraufbeschworen wurde. Das Video „Noreturn“ (70 000 Euro) zeigt eine Gruppe von Kindern in Schuluniformen, die in wechselnden Gruppierungen rennen, spielen und dann erschöpft in Schlaf fallen. Die ermüdenden Aktionen erscheinen im finalen Totalblick auf die Schlafenden kaum noch als Ersatz für den Traum vom Zauberland Oz, in den sich auch die kleine Protagonistin des Kurzfilms Romily (35 000 Euro) hineinträumt.

Das Spiel mit mehreren Zeit- und Bewusstseins-Ebenen, das im längeren Film durch wechselndes Licht, Flashlight-Kaskaden und irritierende Hintergrund-Projektionen verstärkt wird, erreicht eine starke Bildmagie, die den Traum als einzig mögliche Alternative zur verwalteten Realität erscheinen lässt (bis 19.5.).

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