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01.09.2014

11:39 Uhr

Gefährliche Greise

Tatort schlägt die TV-Konkurrenz haushoch

VonHeidi Trabert

Ein Altstar sorgt zu Beginn der neuen Tatort-Saison für eine Topquote. Der Film bot wenig Action, aber reichlich Familientragödie und Humor. Doch warum müssen Geschichten über kriminelle Senioren eigentlich komisch sein?

Der Schauspieler Peter Weck kehrte im «Tatort» aus Österreich ins Fernsehen zurück. Er kr itisiert das deutsche Fernsehen. „Das Niveau ist erschütternd“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“. Es habe sich teilweise ein erschreckender Dilettantismus eingeschlichen. „Im Fernsehen tummeln sich so viele Einsteiger, die nicht mal den Beruf beherrschen. Heute kommt man ja schon vor die Kamera, ohne je eine Schauspielschule von außen gesehen zu haben.“ dpa

Der Schauspieler Peter Weck kehrte im «Tatort» aus Österreich ins Fernsehen zurück. Er kritisiert das deutsche Fernsehen. „Das Niveau ist erschütternd“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“. Es habe sich teilweise ein erschreckender Dilettantismus eingeschlichen. „Im Fernsehen tummeln sich so viele Einsteiger, die nicht mal den Beruf beherrschen. Heute kommt man ja schon vor die Kamera, ohne je eine Schauspielschule von außen gesehen zu haben.“

DüsseldorfEndlich! Krimi-Fans konnten am Sonntagabend wieder ihr vertrautes Ritual pflegen: Bier und Chips bereitstellen, rauf aufs Sofa und „Tatort“ einschalten. Mit der Folge „Paradies“ beendeten die Wiener Ermittler die ungewohnt lange Wartezeit auf frische Folgen von Deutschlands beliebtester Krimireihe.

Das Austro-Tandem Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) enttäuschte nicht. Mit gewohntem Humor und viel Biss gingen die beiden diesmal aber nicht in Wien, sondern in der Steiermark auf Verbrecherjagd. Tatort war ein dubioses Altenheim.  

Der Film interessierte am Sonntagabend 8,96 Millionen Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von 27,0 Prozent, berechneten Marktforscher. Auf Platz zwei landete mit deutlichem Abstand dahinter die ZDF-Komödie „Dora Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“, die auf 4,05 Millionen Zuschauer (12,2 Prozent) kam. Alle anderen TV-Programme landeten abgeschlagen auf den Plätzen.

Die Story

Statt wie geplant in Urlaub zu fliegen, eilte Bibi Fellner ans Sterbebett ihres Vaters. Das Verhältnis zwischen den beiden war zerrüttet. Doch der Sozialhilfeempfänger, der zuletzt in einem heruntergekommenen Altenheim lebte, hat ihr überraschend viel Geld hinterlassen.

Tatort 2014/15: neue Teams und Dutzende Leichen

Pause vorbei

Nach zwölfwöchiger Sommerpause ging es Ende August beim „Tatort“ mit neuen Fällen weiter. Was Fans zu sehen bekamen und noch bekommen.

Quelle: dpa

Berlin

In der Hauptstadt legen im Frühjahr Mark Waschke und Meret Becker als Ost-West-Team Robert Karow und Nina Rubin im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg los. Ihr erster Fall führt die neuen Ermittler vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) in die Welt obdachloser Jugendlicher. Zuvor war nach dem vorzeitigen Ausstieg von Dominic Raacke noch ein letzter Solo-„Tatort“ mit Boris Aljinovic als Felix Stark zu sehen sein.

 

Frankfurt

In der Mainmetropole treten im Frühjahr Margarita Broich und Wolfram Koch an. Broich spielt eine Ermittlerin, die zuvor psychologische Beraterin der Polizei war, Koch kommt in seiner Rolle von der Sitte zur Mordkommission. Vor dem Start des neuen Duos soll 2015 noch ein letzter Fall mit dem bereits 2013 von Kollegin Nina Kunzendorf verlassenen Joachim Król laufen. Beim neuen Team erregte zu den Dreharbeiten der von Broich geplante Rollenname Selma Jacobi Unmut - die Schauspielerin hatte ihn von einem Holocaust-Opfer-„Stolperstein“ vor ihrem Wohnhaus. Nach Kritik lautet der Name nun anders. Der Hessische Rundfunk (HR) gibt die Rollennamen wahrscheinlich erst bekannt, wenn ein genauer Sendetermin feststeht.

Franken

Völlig neu tritt in der ersten Jahreshälfte 2015 Franken als Ermittlungsgebiet auf den Plan. Bislang ließ der Bayerische Rundfunk (BR) nur in München ermitteln. Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel spielen Hauptkommissarin Paula Ringelhahn und Hauptkommissar Felix Voss. Der Kabarettist Frank-Markus Barwasser, der die Rolle als Leiter der Spurensicherung spielen sollte, wird nun wegen Terminproblemen vom Kabarettisten Matthias Egersdörfer ersetzt. Im ersten Fall mit dem Arbeitstitel „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ geht es um einen Uni-Professor, der beim Sex in seinem Auto in einem Wald bei Nürnberg erschossen wird. Für seine Frau und die beiden Kinder bricht eine Welt zusammen.

Sachsen

Der letzte (und 21.) „Tatort“ aus Leipzig mit Simone Thomalla und Martin Wuttke wird laut Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) im Frühjahr oder Sommer 2015 ausgestrahlt. Zuvor geht es im bereits abgedrehten 20. Fall um den Mord an einem Abfallunternehmer – der Krimi soll aber auch erst Anfang 2015 im Fernsehen kommen. Die Dreharbeiten für den letzten Leipzig-„Tatort“ sollen im September beginnen. 2016 kommt dann ein neuer Sachsen-„Tatort“ – Details sind noch unklar.

Hannover

Vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gibt es nach zwei Jahren ein Wiedersehen mit Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm aus Hannover. In „Der gute Hirte“ geht es um einen Mordanschlag auf einen Fleischfabrikanten.

Hamburg

Für den Hamburg-„Tatort“ ist mit Til Schweiger eine Doppelfolge geplant – wohl an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen. Wann sie zu sehen sein wird, ist laut NDR aber noch unklar. Gedreht werden soll jedenfalls ab Herbst. Die ersten beiden actionreichen Schweiger-„Tatorte“ waren 2013 und 2014 jeweils im März zu sehen.

Weimar

Für Anfang 2015 ist ein zweiter humorvoller Weimar-„Tatort“ mit Nora Tschirner und Christian Ulmen angekündigt. In einer Nebenrolle spielt Sophie Rois eine Geisterbahn-Betreiberin.

Erfurt

Vom MDR kommt Ende 2014 auch der zweite Fall mit dem besonders jungen Team aus Erfurt, gespielt von Friedrich Mücke, Benjamin Kramme und Alina Levshin.

 

Münster

Besonders quotenstark sind vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) immer die klamaukigen Fälle aus Münster. Der Krimi mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne („Mord ist die beste Medizin“) lief im September.

Wiesbaden

Der HR zeigte eine besonders leichenreiche Folge in Western- und Shakespeare-Manier mit Ulrich Tukur als Felix Murot – mit 47 Toten am Ende der Handlung („Im Schmerz geboren“). Die Musik spielte eigens das hr-Sinfonieorchester ein.

Ludwigshafen

Ulrike Folkerts als Ludwigshafener Ermittlerin Lena Odenthal beging mit der Folge „Blackout“ ihren 60. Fall und ihr 25. Jubiläum. Der erste Odenthal-Fall, noch vom SWF, einem Vorläufer des SWR (Südwestrundfunks), lief am 29. Oktober 1989.

Saarbrücken

Als Weihnachts-„Tatort“ – am zweiten Feiertag – beschert der Saarländische Rundfunk (SR) den Zuschauern voraussichtlich den  vierten Saarbrücker „Tatort“ mit Devid Striesow.

Schon bald schwante Bibi und ihrem Kollegen Eisner, dass der alte Fellner wohl nicht auf legalem Weg an das Geld gelangt war. Unterstützung bekamen sie vom pensionierten Kommissar Reinhard Sommer (Wunderbar schrullig: Branko Samarovski), den sie von der Abspeck-Kur holten („Ich hypnotisiere grade eine trockene Semmel“) und undercover ins Altenheim schickten. Gemeinsam kamen sie Drogenschmugglern auf die Spur.

Der Stargast

Ein Highlight dieser Tatort-Folge war zweifellos Peter Weck, der nach zwei Jahren Abstinenz wieder auf den Bildschirm zurückkehrte. Der Wiener Schauspieler, Produzent und Intendant („Ich heirate eine Familie“) hatte sich nach dem Tod seiner Frau aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.  

Im Tatort brillierte der 84-Jährige als Ex-Unternehmer Paul Ransmayr, der von seiner Tochter ausgebootet wurde und sich nun mit Altersarmut konfrontiert sah. Dabei versuchte er alles, um sich auf seine alten Tage noch ein Stück vom „Paradies“, sprich einen Altersruhesitz in Spanien, zu sichern („ICH komme hier raus - und nicht erst in der Blechbüchse!“). Weck allein lohnte schon das Einschalten.

 

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