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28.01.2011

00:00 Uhr

Geld in der Kunst

Duftwasser aus anrüchigen Banknoten

VonChristian Herchenröder, de

In der Galerie Reception läuft eine gelungene Ausstellung zeitgenössischer Künstler zum Thema Geld. Aus verschiedensten Richtungen werden dabei Denkanstöße zur marktbeherrschten Malerei geliefert.

John Baldessari: Das Multiple "Wallet" greift langweilige Kunst an. Quelle: RECEPTION, Berlin

John Baldessari: Das Multiple "Wallet" greift langweilige Kunst an.

BerlinDas Interesse an Konzeptkunst ist in den letzten zehn Jahren deutlich gewachsen. Jahrzehntelang wurde die Kunst, die die Idee über das ausgeführte Kunstwerk stellt, als blutleerer und unsinnlicher Ausfluss der späten sechziger Jahre betrachtet. Doch heute wird sie durch eine neue Künstlergeneration als Gegenposition der marktbeherrschenden Malerei reaktiviert und mit neuen Denkanstößen aufgeladen. Auch die Galerien spielen mit.

Seit knapp anderthalb Jahren hat sich in der Kurfürstenstraße 15, der zukunftsträchtigen Berliner Kunstmeile um die Potsdamer Straße, Christine Heidemanns Galerie Reception etabliert, die vorwiegend Künstler der konzeptuellen Richtung betreut. Das Spektrum reicht von den atmosphärischen Fotografien des Italieners Luig Ghirri (1943-1992) bis zu der farbintensiven Malerei des von morbiden Raumschiffen besessenen Briten Guy Allott.

Die aktuelle Ausstellung ist eine Themenschau mit dem Titel „Geld“. Es geht hier weniger um die Rechen- und Tauschmittelfunktion des Geldes. Es geht um die ästhetische Wirkung, um die haptische und visuelle Qualität des Zahlungsmittels, das seine aus der Ära der Goldwährung stammende auratische Wirkung längst verloren hat.

So ist es kaum verwunderlich, dass die hier versammelten zehn Künstler entweder ganz auf Münze und Geldschein verzichten oder optisch so verfremden, dass der Symbolwert zugleich gesteigert und hinterfragt wird.

Geld ist in der Kunstproduktion des Schweizers Ian Anüll das beherrschende Thema. In der Ausstellung sind Banknoten in Kerzenform gepresst (2 500 Euro), schließlich haben wir ja alle Erfahrung mit dem Geldverbrennen.

Zwei Fläschchen mit dem Titel „L’Odeur et l’Argent“ enthalten ein blaues Duftwässerchen und geschredderte Banknoten: Schweizer Franken als verflossene Alternativwährung (5 400 Euro). Das geflügelte Wort „Sic transit gloria/So vergeht der Ruhm“ verdichtet sich hier zur Maxime, dass geradezu anrüchig (l’Odeur) geworden ist, was noch vor wenigen Jahren höchste Sicherheit versprach. Auch wenn der Volksmund sagt „Geld stinkt nicht“, Anüll sucht kritische Distanz, wie der Titel beweist.

Mit leeren Händen operiert ein Video des Polke-Schülers Georg Herold, in dem eine Hand 30 Minuten das „Pinkepinke“-Zeichen macht. Das Videoband ist in 120 Exemplaren ediert und kostet 197 Euro. Kaum weniger ironisch geht der Konzeptveteran John Baldessari die Marktgier an, indem er auf eine angekettete Lederbörse die Goldzeilen „I Will Not Any More Buy Boring Art“ druckt (Auflage 250, 550 Euro). Die Berlinerin Annette Weisser zeigt mit einem schlichten Hologramm einen leeren Geldbeutel (550 Euro für das Einzelstück).

Jens Ullrich, ein Apostel der Mehrdeutigkeit, hat ein Wandregal aus schmalen Lamellen mit dazwischen eingeklemmten Münzen gebaut: ein Tastinstrument der Verweigerung (7 000 Euro).

Mehr oder weniger zart übermalte One-Dollar-Noten, in denen der Geldwert zum Wertbild mutiert, sind das Markenzeichen des Pakistani Murad Khan Mumtaz. Heike Bollig, Meisterin der Entmaterialisierung, verwandelt kleine Münzen in Hängepflanzen, die ärmlich dekorativ aus einer Kupfervase ragen (2 000 Euro). „Zwei siebenundsiebzig“ heißt der sprechende Titel. Als Wandbild mit Punktkomposition wirkt eine Plexiglasplatte, in die in mehr oder minder regelmäßigen Abständen Kupfermünzen im Wert von „Drei Zweiundvierzig“ eingelassen sind (1800 Euro).
 

 „Geld“ bis 5. März in der Galerie Reception Contemporary Berlin, Kurfürstenstraße 5/5a
Tel. 030 - 26 93 14 55
www.reception-berlin.de

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