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08.10.2015

19:09 Uhr

Geldwäsche

Illegitime Machenschaften

VonStefan Kobel

Im Kunstmarkt sind fragwürdige Praktiken eher Regel als Ausnahme. Es beginnt mit Preisabsprachen und Stützkäufen und endet mit der Geldwäsche. Die Schweizer Anwältin Monika Roth zeigt in ihrem Buch, dass weder der Handel noch die Behörden angemessen darauf reagieren – Eine Rezension.

Das Buch der Schweizer Anwältin Monika Roth. "Wir betreten den Kunstmarkt" erschien im Dike Verlag Zürich/St. Gallen.

Kampfansage an Mauschelei und kriminelle Praktiken

Das Buch der Schweizer Anwältin Monika Roth. "Wir betreten den Kunstmarkt" erschien im Dike Verlag Zürich/St. Gallen.

BerlinDie Fifa und der Kunstmarkt haben einiges gemeinsam. Nicht etwa um die schönen Seiten des jeweiligen Feldes geht es, sondern um jenen dunklen Bereich, wo Unmoral und Kriminalität walten. Die Korruptionsanfälligkeit des Fußballverbandes ist aktuell Gegenstand internationaler Ermittlungen. Vom Kunstmarkt wird meist nur gemunkelt, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Skandale werden als Einzelfälle abgetan.

Monika Roth kennt beide Welten und hat keine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen. Einer breiteren Öffentlichkeit könnte die Schweizer Juristin aus der Berichterstattung über die Fifa bekannt sein, wo ihre Meinung als Korruptionsexpertin gefragt ist. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben, mit dem sie sich in der Kunstwelt nicht nur Freunde machen wird: „Wir betreten den Kunstmarkt“ lautet der Titel in Anlehnung an eine berühmte gewordene Aktion von Joseph Beuys.

Preisabsprachen sind die Regel

Roths Hauptinteresse am Kunstmarkt liegt beim Thema Geldwäsche. Bei näherer Beschäftigung mit der Materie stellte sie jedoch fest, dass weitere ungewöhnliche Praktiken wie Kartellbildung und Preisabsprachen eher die Regel als die Ausnahme sind. Einiges davon ist in anderen Branchen strafbar, im weitgehend unregulierten Kunstmarkt hingegen nicht. Anderes ist sehr wohl strafbar.

Bisher zeigen weder der Handel noch viele Behörden ein angemessenes Problembewusstsein. Das stört Roth: „Da der Kunstmarkt zu wenig beziehungsweise gar nicht reguliert ist, versuche ich mit meinem Buch, den Handlungsbedarf aufzuzeigen. [...] Kunst ist eine Investmentform und man weiß ja aus vielen Vorkommnissen, dass Korruptionsgelder oder Geld aus der Plünderung öffentlicher Kassen durch Potentaten in Kunst angelegt wird (wie auch in Immobilien). Das muss aufhören.“

Politisch exponierte Personen

In der Finanzbranche ist es mittlerweile selbstverständlich und verpflichtend, bei potentiellen Kunden zu überprüfen, ob es sich bei ihnen um sogenannte PEP handelt (politisch exponierte Personen). Dafür gibt es sogar Datenbanken. Im Normalfall des Kunstmarkts würde eine einfache Google-Recherche wahrscheinlich auch schon ihren Zweck erfüllen. Es geht darum, herauszufinden, ob eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Neukunde aufgrund seiner beruflichen oder gesellschaftlichen Stellung über Gelder aus zweifelhafter Quelle verfügt.

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