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18.02.2012

16:16 Uhr

Gerhard Richter

Der Steilflug eines Malers aus Köln

VonChristian Herchenröder

Die Werke des bedeutendsten noch lebenden deutschen Künstlers Gerhard Richter erzielen Rekordpreise. Die Berliner Nationalgalerie feiert nun den 80. Geburtstag des Malers mit einer Retrospektive.

Der Künstler Gerhard Richter bei einer Pressekonferenz in der Nationalgalerie Berlin. AFP

Der Künstler Gerhard Richter bei einer Pressekonferenz in der Nationalgalerie Berlin.

BerlinEr ist der prominenteste lebende Künstler Deutschlands und eine Kultfigur des Kunstmarkts. 20,8 Millionen Dollar, die jüngst die Bankierswitwe Lily Safra bei Sotheby's für ein abstraktes Bild von Gerhard Richter bot, sind dem Künstler selbst unheimlich. Der feierte gerade seinen 80. Geburtstag in Berlin, wo ihm die Neue Nationalgalerie mit einer Retrospektive huldigt, die vorher in London (s. HB 14.10. 2011) und Paris zu sehen war.

Die mit 135 Werken bestückte Schau beginnt im Eingangsbereich programmatisch mit Arbeiten, die seit 2010 entstanden sind. Damit wird Richter, der seinen Personalstil schon 1962 fand, als Künstler des 21. Jahrhunderts verortet. Einer, dessen Spätwerk zweistellige Millionenpreise erzielt, dessen Schaffenskraft ungebrochen ist. Auf der Pressekonferenz verriet er, dass er jetzt kleine Bilder malen wolle - Anmalen gegen den Hype der Großformate oder Reduktion auf den Kern einer Kunst, die auch im Kleinen Größe schafft. In zwei weißen Werken aus dem Jahr 2010, die erst bei intensiver Betrachtung ihre farbigen Unterschichten erahnen lassen, hat er das Prinzip kultivierter Ökonomie bereits erprobt.

Die von den Medien hymnisch bis schmalzig gepriesene Ausstellung „Panorama“ ist in offener Architektur schnurgerade chronologisch gehängt, wobei der ewige Dualismus des Gesamtwerks von figurativer und abstrakter Formensprache sichtbar bleibt.

Es ist eine akademisch dichte Reihung, die manchem Werk den Atem raubt, es austauschbar erscheinen lässt. Großformate wie „Ema (Akt auf einer Treppe)“ oder die monumentalen Abstraktionen knallen heraus, aber kleinere Bilder verlieren daneben viel von ihrer Magie. Immerhin lässt sich die Entwicklung des Œuvre nahtlos nachvollziehen.

Einzig die Auslagerung des „Stammheim“-Zyklus aus dem Besitz des New Yorker Museum of Modern Art in den Kontext der Alten Nationalgalerie hinterlässt im Glaskubus eine große Lücke.

Richter, der hochgejubelte Marktmagnet? Richter, der Marktgenosse von Warhol, Koons und Hirst? Der Maler selbst hat schon lange keinen Einfluss mehr auf seine Preise, die sich mit dem Besitzerwechsel eines jeden wichtigen Bildes verselbstständigen. Wer sich die Preisgestaltung genauer ansieht, wird aber einige Kontraste erkennen. Der Steilflug nach oben begann erst in den 1990er-Jahren.

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