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02.12.2012

17:35 Uhr

Giuseppe Eskenazi

An der Schaltstelle für chinesische Kunst

VonMatthias Thibaut

Die Geschichte des Kunsthändlers Giuseppe Eskenazi ist unweigerlich verbunden mit dem Aufstieg von chinesischer Kunst und Keramik. Seine nun veröffentlichten Memoiren sind eine Dokumentation und ein imaginäres Museum.

Der Ruf von Giuseppe Eskenazi als visionärer Kunsthändler ist ungebrochen. Courtesy of Eskenazi Gallery

Der Ruf von Giuseppe Eskenazi als visionärer Kunsthändler ist ungebrochen.

LondonAm 24. Februar 1970 machte der Markt für chinesische Keramik einen unvermuteten Preissprung. Anders als später so oft kam Giuseppe Eskenazi, der 31-jährige aufstrebende Londoner Händler gleich zwei Mal nicht zum Zuge. Er selbst bot bei Sotheby's in London auf eine seltene Ruyao-Schale aus dem 12. Jahrhundert. Ein wichtiger Sammler hatte ihn beauftragt, ein "substanzielles Gebot" abzugeben. Die Schale, zehn Jahre zuvor für 2.200 Pfund gekauft, kletterte damals plötzlich auf unglaubliche 46.000 Pfund - durch einen der damals tonangebenden japanischen Sammler.

Seinen Schwager und Mitarbeiter Luigi Bandini hatte Eskenazi zu einer Auktion nach Perth in Schottland geschickt, wo er am Tag zuvor zwei Chenghua-Palace-Bowls des 15. Jahrhunderts besichtigt hatte. "Eine echte Schale zu finden war erstaunlich, zwei waren unglaublich", schreibt Eskenazi in dem luxuriösen Memoirenband, den er nun während der Londoner Asienwoche vorstellte.

Luigi Bandini hatte die Anweisung, "keinesfalls ohne die Schalen" zurückzukommen. Aber das auf gerade einmal 100 Pfund geschätzte Paar stieg auf 13.000 Pfund. "Luigi bot die ganze Strecke und bekam fast einen Schlag, denn er hatte noch nie mehr als 500 Pfund geboten." Den Zuschlag erhielt die Londoner Handlung Bluetts, die ebenfalls Wind von dem Fund bekommen hatte.

Heute geht es bei solchen Auktionen anders zu. Das zeigte die Yongzheng-Flaschenvase, die neben Eskenazis Memoiren das zweite zentrale Gesprächsthema dieser Londoner "Asienwoche" war. Auktionator Rodney Tennant aus Leyburn in Yorkshire hatte die Vase mit ihrer feinen Malerei in einer Haushaltsauflösung gefunden, und die Nachricht von dieser Sensation verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Viele machten sich von dem Londoner Sammlertreffen in Taxis und Mietwagen nach Nordengland auf. Aber alle mussten zusehen, wie Los 213A mit einer Schätzung bis 30.000 Pfund für 3 Millionen Pfund an einen Telefonbieter aus Hongkong verkauft wurde.

"Ob in einem kleinen Provinz-Auktionator oder bei Christie's oder Sotheby's. Das Internet hat dazu geführt, dass ein begehrenswertes chinesisches Kunstwerk heute sein Publikum findet, egal wann und wo es erscheint", schreibt Eskenazi in dem Buch, in dem er seine lange Karriere als Kunsthändler und damit den einzigartigen Aufstieg der chinesischen Kunst beschreibt.

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