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09.01.2017

12:53 Uhr

Golden Globes 2017

Prominente feiern Streeps Anti-Trump-Rede

Meryl Streep spricht bei den Golden Globes über den künftigen US-Präsidenten. Sie verurteilte ihn für sein Nachäffen eines Behinderten: „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein.“ Trump reagierte abschätzig.

Anti-Trump-Rede

Meryl Streep: „Wenn die Mächtigen andere tyrannisieren, verlieren wir alle“

Anti-Trump-Rede: Meryl Streep: „Wenn die Mächtigen andere tyrannisieren, verlieren wir alle“

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Los AngelesFür ihre politische Rede über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat die Schauspielerin Meryl Streep viel Bewunderung von Hollywood-Kollegen geerntet. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagte die 67-jährige Streep in der Nacht zu Montag unter Tränen bei der Verleihung der Golden Globes.

Der eindrücklichste Auftritt des Jahres sei für sie nicht in einem Film gewesen, sondern, als Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft habe. „Es hat mein Herz gebrochen als ich es gesehen habe, und ich kann es noch immer nicht aus meinem Kopf bekommen. (...) Dieser Instinkt, andere zu demütigen – wenn es von jemanden in der Öffentlichkeit vorgemacht wird, von jemand Mächtigem – zieht sich in den Alltag von uns allen.“

Schließlich gebe das anderen Menschen vermeintlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun: „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt.“

Streeps Golden-Globe-Rede im Wortlaut

Golden Globe

Die US-Schauspielerin Meryl Streep hat bei den Golden Globes mit politischen Bemerkungen für Aufsehen gesorgt. Sie wurde bei der Verleihung der Filmpreise am Sonntag (Ortszeit) in Los Angeles für ihr Lebenswerk ausgezeichnet und nutzte ihren Auftritt auf der Bühne für klare Worte über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

„Was ist Hollywood wirklich?“

„Wir alle in diesem Raum gehören den Segmenten der amerikanischen Gesellschaft an, die derzeit am meisten zum Feindbild gemacht werden. Denkt mal drüber nach: Hollywood, Ausländer und die Presse. Aber was sind wir und was ist Hollywood wirklich? Es ist nur ein Haufen Leute aus anderen Orten.“

„In Hollywood wimmelt es von Außenseitern“

„Ryan Gosling, wie all die nettesten Menschen, ist Kanadier, und Dev Patel ist in Kenia geboren und in London aufgewachsen, und er ist wegen einer Rolle als in Tasmanien aufgewachsener Inder hier. In Hollywood wimmelt es also von Außenseitern und Ausländern. Und wenn wir sie alle rauswerfen, wird es nichts mehr für euch zu schauen geben außer Football und Mixed Martial Arts.“

„Atemberaubende, mitfühlende Arbeit“

„Die einzige Aufgabe eines Schauspielers ist es, in die Leben von Menschen einzudringen, die anders sind als wir, und euch spüren zu lassen, wie sich das anfühlt. Und es gab in diesem Jahr viele, viele, viele gewaltige Darbietungen, die genau das getan haben. Atemberaubende, mitfühlende Arbeit.“

„Eine Darbietung machte mich sprachlos“

„Es gab aber eine Darbietung in diesem Jahr, die mich sprachlos gemacht hat. Sie versenkte ihre Klauen in meinem Herzen. Nicht, weil sie gut gewesen wäre; nichts daran war gut, sie war aber wirkungsvoll und hat ihren Zweck erfüllt. Sie brachte ihr Zielpublikum zum Lachen und dazu, die Zähne zu blecken. Es war der Moment, als die Person, die darum bat, auf dem meistrespektierten Platz unseres Landes zu sitzen, einen behinderten Reporter nachahmte – jemanden, dem er in Sachen Privilegien, Macht und Fähigkeit, sich zu wehren, überlegen war.“

„Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein“

„Es hat mir irgendwie das Herz gebrochen als ich es sah, und ich kriege es immer noch nicht aus dem Kopf, denn es war nicht in einem Film. Es war das wirkliche Leben. Und dieser Instinkt, zu demütigen – wenn er von jemandem im öffentlichen Leben, jemandem Mächtigen, vorgelebt wird – sickert in das Leben aller ein. Denn es gibt gewissermaßen anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu machen. Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt. Und wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle.“

Die Galagäste im Saal hörten gebannt zu. Viele reagierten sichtlich gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter lobten viele Streeps Auftritt: „Ein überwältigender Moment, wie wir ihn selten im Fernsehen sehen“, schrieb etwa Regisseur Michael Moore über Streeps „leidenschaftliche Golden-Globe-Rede“.

Schauspielerin Julianne Moore verwies auf das Streep-Zitat „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“ – und ergänzte: „Danke #MerylStreep“. Ihre Kollegin Juliette Lewis twitterte: „Meryl Streep sagt alles, was gesagt werden muss auf sehr profunde und elegante Weise.“ Danny Glover twitterte: „Ich kann immer darauf setzen, dass Meryl etwas Signifikantes sagt“.

Der künftige US-Präsident Donald Trump reagierte auf Twitter abschätzig. Meryl Streep sei eine der am meisten überschätzten Schauspielerinnen in Hollywood. Sie kenne ihn nicht, aber habe ihn angegriffen, schrieb er und ließ seine Meinung über sie offen: "Sie ist eine .....", endet der Tweet offen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

09.01.2017, 12:06 Uhr

Die Fiktion der Hollywood Welt trifft auf die Reale Welt mit Trump.

Herr Grutte Pier

09.01.2017, 12:20 Uhr

„Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“

Stimmt genau - man muss sich nur entscheiden, auf welcher Seite man steht............

Lothar dM

09.01.2017, 14:09 Uhr

Schauspieler sind Handwerker, wie viele andere Menschen auch. Sie sind mehr oder weniger allgemein gebildet. Ihre politische Meinung interessiert mich persönlich eher überhaupt nicht. Ähnlich wie bei Fußballern leiten Medien aus ihrer Bekanntheit oft ein Anspruch auf intellektuelle Leistungsfähigkeit ab, dem sie nicht annähernd entsprechen können. Also wen interessiert es? Wo Meryl Streep politisch steht, war uns - politisch interessierten - auch vorher bekannt. Auch bei ihr gilt wie bei vielen Künstlern: links reden, rechts leben. Die führenden Künstler in Hollywood sind genauso überbezahlt und overrated wie die Fussballstars in Europa etc pp.

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