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03.10.2011

12:05 Uhr

Graphik

Straßenkünstler macht Dürer Konkurrenz

VonMatthias Thibaut

Die Londoner Graphikauktionen bringen starke Preise für Dürer, Rembrandt und die Graffitis von Banksy. An die Hausse von vor einem Jahr reichen jedoch weder Einlieferungen noch Ergebnisse heran.

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1504, Kupferstich, Schätzpreis: 150.000 bis 250.000 Pfund, Ergebnis: 181.250 Pfund. (Ausschnitt) Christie's Images Ltd. 2011

Albrecht Dürer: Adam und Eva, 1504, Kupferstich, Schätzpreis: 150.000 bis 250.000 Pfund, Ergebnis: 181.250 Pfund. (Ausschnitt)

London Bei den Londoner Graphikauktionen, mit denen wieder die Herbstsaison eröffnet wurde, ging es diesmal nicht so hoch her wie vor einem Jahr. Damals versteigerte Sotheby’s unter anderem eine bedeutende Picasso-Sammlung und spielte in einer Rekordserie 8 Millionen Pfund ein. Nun waren die Einlieferungen in allen Häusern  bescheidener, vielleicht ein Hinweis darauf, dass der Markt wieder etwas vorsichtiger wird und - wie in der Realwirtschaft - auch im emotionalen Segment des Kunstmarkts die Erwartungen zurückgeschraubt werden.

Die Ausbeute blieb jedenfalls bescheidener; 1,7 Millionen Pfund bei Sotheby’s, wobei sehr gute 78 Prozent nach Losen verkauft wurde. Christie’s nahm 3,2 Millionen Pfund ein und setzte 71 Prozent nach Losen ab. Das ist in diesem Bereich auch kein schlechtes Ergebnis. Aber auch am Graphikmarkt wird Qualität zunehmend wichtiger als Masse.

Faible für die bekannten Motive

Bemerkenswert war wieder die Stärke der Altmeistergraphik. Von den 20 Toplosen bei Sotheby’s und Christie’s waren sieben Altmeisterdrucke: zwei Blätter von Rembrandt und fünf von Dürer. Privatsammler, die es zunehmend auf die bekannten Motive abgesehen hatten, konnten sich bedienen. Albrecht Dürers „Adam und Eva“ wurde bei Christie’s für 169.250 Pfund an der unteren Taxe zugeschlagen, das teuerste Los, „Ritter Tod und Teufel“, brachte 97.250 Pfund. Bei Sotheby’s wurden „Melencolia I“ und der „Hieronymus im Gehäuse“ für jeweils 85.250 Pfund verkauft.

 Sotheby’s Toplos war ein satter, früher Abzug von Rembrandts „Selbstporträt am Fenster“ im vierten Zustand, das der Handel mit 106.850 Pfund belohnte, fast der doppelten Taxe. Das Porträt des Graphikhändlers Clement de Jonghe brachte durch Privatgebot 34.850 Pfund. Einziger bedeutender Rückgang blieb das „Faust“-Blatt im ersten Zustand, das auf 50.000 bis 70.000 Pfund geschätzt worden war.

Expressionisten mit Altmeisterstatus

Fast schon Altmeisterstatus haben die deutschen Expressionisten, die aber nun nicht gerade im Trend des internationalen Marktes liegen. Sie waren praktisch nur von Erich Heckels Selbstporträt „Männerbildnis“ von 1919 vertreten. Ein kraftvolles Beispiel dieses wichtigen Kernblatts blieb bei Sotheby’s aber mit 31.250 Pfund sogar knapp unter der Schätzung von 50.000 bis 70.000 Pfund.

Zum Vergleich: Ein Blatt der englischen „Grosvenor School“ der 1930er-Jahre mit ihren dekorativen Huldigungen der Moderne wurde teurer als der Heckel. Sotheby’s auf dem Umschlag abgebildeter Farblinolschnitt eines Karussells von Cyril Edward Power war auf bis 7.000 Pfund geschätzt und brachte einen Rekordpreis von 32.450 Pfund. Es war einer der wenigen Ausreißerpreise dieser sachlich bebotenen Auktionen.

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