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27.02.2013

12:55 Uhr

Grönemeyer in den USA

Das Konzert der Missverständnisse

Ein Traum ist war geworden. Herbert Grönemeyer hat sein lang ersehntes Konzert in New York gegeben. Allerdings kamen zum Konzert überwiegend Deutsche - doch Grönemeyer weigerte sich auf Deutsch zu reden.

Herbert Grönemeyer bei seinem Auftritt in New York. Vor rund 1000 meist deutschen Zuschauern sang er auf Englisch. dpa

Herbert Grönemeyer bei seinem Auftritt in New York. Vor rund 1000 meist deutschen Zuschauern sang er auf Englisch.

New YorkHerbert Grönemeyer ist stur. So stur, dass er einfach auf Englisch weitermacht. „Deutsch“ rufen die Fans im ausverkauften New Yorker Irving Plaza Theater und fordern lautstark die Klassiker: „Männer!“, „Bochum!“, „Alkohol!“. Aber der sture deutsche Superstar hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, auch in Amerika erfolgreich zu sein, sich künstlerisch weiterzuentwickeln, und mindestens einmal im Leben ein Konzert in New York zu spielen.

„Es ist einer dieser Auftritte, von denen du träumst, und dann bist du da und kannst es gar nicht wirklich glauben“, sagt Grönemeyer - natürlich auch auf Englisch - als er es am Dienstagabend (Ortszeit) endlich auf eine Bühne in Manhattan geschafft hat. „Ein historischer Tag.“

Schon mehrfach hat sich der 56-Jährige in seiner jahrzehntelangen Karriere an englischsprachigen Alben versucht, aber alle sind mehr oder weniger gefloppt. Jetzt hat er seinen neuesten Versuch „I Walk“ auf den Markt gebracht und zwei Konzerte durchgesetzt, eins in Chicago, eins in New York. 1983 sei er zum ersten Mal in den USA gewesen, erzählt Grönemeyer beim Auftritt in Manhattan. „Und ich habe mich sofort in dieses Land verliebt: Dieser Platz, dieser Geist, diese positive Kindlichkeit. Alle sind einfach entspannter hier als in Deutschland.“

Aber Amerika will Grönemeyer noch nicht zurücklieben. In Chicago bleibt der Saal halbleer, in New York muss der Auftritt in einen kleineren Raum verlegt werden, weil nicht genügend Tickets verkauft wurden. Zwar ignorieren Grönemeyers US-Agenten jede Anfrage deutscher Medien, weil die Auftritte „hauptsächlich für ein amerikanisches Publikum gedacht seien“ - aber die Konzerte geraten dennoch weitgehend zu Klassentreffen von in den USA lebenden Deutschen.

Und die wollen nicht „Mr. Groenemeyer“, sondern ihren „Herbie“. Mit Deutschlandtrikots, Fußballschals und schwarz-rot-goldenen Fahnen aus Schminke im Gesicht füllen sie den etwa 1000 Menschen fassenden Saal in Manhattan und jubeln - allerdings hauptsächlich dann, wenn der wie häufig auf der Bühne ganz in schwarz gekleidete Grönemeyer auf Deutsch singt.

Der spielt seine neuen englischen Titel, rockt zu Cover-Versionen von Bruce Springsteen, Willie Nelson und Joe Cocker und tut so, als ob er die zahlreichen „auf Deutsch!“-Rufe nicht versteht. „Was? Ich habe so ein Ding im Ohr, ich höre nichts.“ Nein, der nächste Song sei nicht „Bochum“. „Das spielen wir später.“ Nach jedem englischen Titel, für den er Applaus bekommt, ballt Grönemeyer die Siegerfaust und strahlt. Ein Konzert als Missverständnis.

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