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15.04.2014

03:34 Uhr

„Guardian“ und „Washington Post“

Pulitzer-Preis für Snowden-Veröffentlichungen

Die bedeutendste journalistische Auszeichnung der Welt geht an die Medien, die Edward Snowden eine Plattform geboten haben: Der „Guardian“ und die „Washington Post“ werden von der US-Jury für die Enthüllungen prämiert.

Guardian erhält Auszeichnung

Pulitzer-Preis für Snowden-Enthüllungen

Guardian erhält Auszeichnung: Pulitzer-Preis für Snowden-Enthüllungen

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New YorkMit einem deutlichen Signal ist der Pulitzer-Preis an die Zeitungen verliehen worden, die den Skandal um den amerikanischen Geheimdienst NSA öffentlich gemacht haben. Die amerikanische Ausgabe des britischen „Guardian“ und die „Washington Post“ bekamen den Preis am Montag zugesprochen, weil sie das Material des Informanten Edward Snowden veröffentlicht hatten. Dafür war eigens die wichtigste der 21 Preiskategorien geteilt worden, um zwei Blätter ehren zu können.

Die „Washington Post“ bekomme den Preis für „die Enthüllung der weitreichenden Überwachung durch die National Security Agency, besonders die maßgeblichen und aufschlussreichen Berichte die der Öffentlichkeit halfen, den größeren Rahmen zu verstehen“.

Die Entwicklung der NSA-Spähaffäre in Deutschland

6.-7. Juni

„Guardian“ und „Washington Post“ berichten über das geheime Überwachungsprogramm „Prism“, mit dem der US-Geheimdienst NSA auf Serverdaten großer Internetkonzerne wie Google, Facebook oder Microsoft zugreife - und damit potenziell auch auf Daten deutscher Bürger. Quelle der Enthüllungen ist Snowden, der seitdem auf der Flucht vor der US-Justiz ist.

10.-11. Juni

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt vor einer „möglichen Beeinträchtigung von Rechten deutscher Staatsangehöriger“.

19. Juni

Beim Besuch von US-Präsident Barack Obama in Berlin mahnt Merkel eine „Verhältnismäßigkeit“ der Mittel an. Obama versichert, die US-Geheimdienste würden nicht normale E-Mails „von deutschen, amerikanischen oder französischen Bürgern durchwühlen“.

30. Juni

Der „Spiegel“ berichtet, die NSA sammle in Deutschland monatlich rund 500 Millionen Daten aus Telefon- und Internetverbindungen von Bundesbürgern. Auch die EU werde gezielt ausspioniert.

7. Juli

Snowden beschuldigt den Bundesnachrichtendienst (BND) im "Spiegel", schon seit langem mit der NSA zusammenzuarbeiten.

12. Juli

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) spricht in Washington mit US-Regierungsvertretern. Oppositionspolitiker kritisieren dies als reine „Symbolpolitik“, eine Aufklärung fehle.

17. Juli

Der BND weist den Vorwurf zurück, dass die Bundeswehr seit Jahren Kenntnis von „Prism“ habe.

21. Juli

Der Verfassungsschutz räumt ein, das NSA-Schnüffelprogramm „XKeyscore“ einzusetzen - nur zu Testzwecken und in beschränktem Umfang. Das Programm soll in 30 Tagen bis zu 41 Milliarden Datensätze von Internet-Nutzern speichern können.

25. Juli

Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) weist Vorwürfe gegen deutsche Dienste im Parlamentarischen Kontrollgremium (PKG) zurück. Es seien im Zusammenhang mit einem Entführungsfall nur zwei Datensätze an die USA übermittelt worden. Union und FDP machen die frühere rot-grüne Bundesregierung dafür verantwortlich, dass nach dem 11. September 2001 die Geheimdienstzusammenarbeit mit den USA deutlich ausgeweitet wurde.

29. Juli

Der „Spiegel“ druckt ein Dokument Snowdens, wonach zwei Datensammelstellen („Sigads“) im Dezember 2012 etwa 500 Millionen Daten aus Deutschland abgegriffen hätten.

2. August

Eine Kooperationsvereinbarung von 1968 mit den britischen und US-Geheimdiensten wird außer Kraft gesetzt, wenige Tage später auch eine Vereinbarung mit Frankreich. Sie gewährte den West-Alliierten geheimdienstliche Sonderrechte zum Schutz ihrer Truppen.

3.-4. August

Der BND bestätigt, dass er Metadaten an die NSA übermittelt, personenbezogene Daten von Deutschen aber nur „im Einzelfall“. Die Kooperation diene der Auslandsaufklärung in Krisengebieten. Hinter den „Sigads“ vermutet er Datenerhebungsstellen in Bad Aibling und Afghanistan.

7. August

Laut Vize-Regierungssprecher Georg Streiter deutet vieles darauf hin, dass der BND selbst annähernd 500 Millionen Datensätze aus Deutschland an die NSA weitergab.

10. August

Der BND weist den Vorwurf zurück, mit den an die NSA übermittelten Daten Beihilfe zu gezielten Tötungen durch US-Drohnen zu leisten.

12. August

Pofalla erklärt die NSA-Affäre für beendet. Nach einer erneuten Aussage vor dem PKG hebt er mit Verweis auf schriftliche Versicherungen aus den USA und Großbritannien hervor, die Vorwürfe des flächendeckenden Ausspähens in Deutschland durch die Geheimdienste seien „vom Tisch“.

18. August

Die Bundeskanzlerin sieht im ZDF alle aufgeworfenen Fragen zur Spähaffäre als „geklärt“ an. Merkel verteidigte auch Pofalla gegen SPD-Vorwürfe der Verschleierung.

23. Oktober

Die Bundesregierung teilt mit, dass Merkels Mobiltelefon möglicherweise vom US-Geheimdienst überwacht wurde. Merkel habe in einem Telefonat mit Obama klargestellt, dass sie solche Praktiken „unmissverständlich missbilligt und als völlig inakzeptabel ansieht“.

Beim „Guardian“ klingt die Formulierung fast genau so. Hier wird hervorgehoben, dass die Zeitung „mit ihrer streitlustigen Berichterstattung geholfen hat, einen Funken an die Debatte um staatliche Überwachung und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Privatsphäre zu legen“.

NSA-Enthüller Edward Snowden gratulierte nach der Verleihung. In einer Mitteilung sagte er, die Auszeichnung sei eine Genugtuung für „jeden, der glaubt, dass der Öffentlichkeit eine Rolle in der Regierung zukommt“.
Die „Washington Post“ und „The Guardian“ teilen sich ihre Preise in der Kategorie Public Service (Öffentlicher Dienst). Verfasst wurden die Berichte über die massenhafte NSA-Sammlung von Telefon- und Internetdaten von den Journalisten Barton Gellman, Glenn Greenwald, Laura Poitras und Ewen MacAskill.

Grenzen für den Geheimdienst

„Guardian“-Reporterin Poitras zeigte sich begeistert über die Ehrung. „Ich denke, dass sind großartige Neuigkeiten. Es ist eine Würdigung von Snowdens Mut, eine Rehabilitation seiner Courage und seines Strebens, die Öffentlichkeit über das Tun der Regierung zu informieren.“

Der bei der „Washington Post“ tätige Gellman sagte, er sei besonders stolz auf die Auszeichnung in der Kategorie Public Service. Dies sei eine Bestätigung der Ansicht, dass das Volk ein Recht darauf habe, den Geheimdiensten Grenzen aufzuzeigen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.04.2014, 10:18 Uhr

Gut so!
Alle die sich gegen die angloamerikanische Krake positionieren müssen ermutigt und unterstützt werden. Hier im Land sehe ich kein Massenmedium, das jemals diese Auszeichnung bekommen dürfte. Weit und breit nur gut dotierte Couchredakteure ohne Charakter!

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