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16.07.2011

16:43 Uhr

Günther Franke

Der mutige Händler

VonSusanne Schreiber , Bettina Beckert

Auch nach der Aktion "Entartete Kunst" setzt sich der Kunsthändler Günther Franke für "seine" Stammkünstler ein und verkauft ihre Werke. Ein Forschungsprojekt untersucht jetzt die Jahre 1933 bis 1945.

Max Beckmann: Der große Expressionist schildert im Gemälde "Zirkuswagen" seine Bedrängtheit im Exil, die Isolation in einer Gesellschaft, in der Gefährliches passieren kann. Quelle: VG Bild-Kunst / U. Edelmann - Städel Museum/ARTOTHEK

Max Beckmann: Der große Expressionist schildert im Gemälde "Zirkuswagen" seine Bedrängtheit im Exil, die Isolation in einer Gesellschaft, in der Gefährliches passieren kann.

MünchenSein Mut hätte ihn die Existenz kosten können. Der wortkarge, scheue Kunsthändler Günther Franke (1900-1976) stand unverbrüchlich zu den Stammkünstlern seiner Galerie, als dies lebensgefährlich war. Als Emil Nolde, Max Beckmann, Paul Klee und mit ihnen die ganze deutsche Avantgarde Berufsverbot bekamen und die Nazis die Kunst der Moderne 1937 in der Wanderausstellung "Entartete Kunst" an den Pranger stellten. "Von da an mussten wir unsere Tätigkeit für die lebenden Künstler hinter Ausstellungen aus der Romantik tarnen", erinnerte sich der Galerist.
Im "Graphischen Kabinett" konzentrierte sich Franke in den vorderen Geschäftsräumen auf die auch von den Nazis geschätzten Romantiker. Aus dem Hinterzimmer heraus begeisterte der Sohn eines Berliner Bankiers aber weiterhin aufgeschlossene Museumsdirektoren, weitsichtige Privatsammler und Mitglieder der Wirtschaftselite für die verbotene Ware.
Nach dem Besuch der Schau mit angeblich "entarteter" Kunst war beispielsweise der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel aus Hannover so begeistert vom Expressionismus, dass er im Anschluss bei Franke zwei farbglühende Aquarelle von Emil Nolde erwarb. Wer genau zum treuen Kundenkreis von Günther Franke zählte und wie sich dieser im Nationalsozialismus als aktiver Händler überhaupt halten konnte, erforscht jetzt der Kunsthistoriker Felix Billeter.
Angebunden ist das von der Ernst von Siemens Kulturstiftung geförderte Projekt an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und das Lenbachhaus - zwei Münchener Museen, die über Ankäufe und Schenkungen enge Verbindung hatten zu Franke. 2015 will Billeter mit einer Ausstellung und Publikation an die Öffentlichkeit.

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