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12.03.2012

18:04 Uhr

Gunther Sachs

Lebemanns Erbe unter dem Hammer

VonMatthias Thibaut

Als Playboy sorgte er in den sechziger Jahren für Schlagzeilen. Nun will Sotheby’s einen Teil seiner Kunstsammlung zu Geld machen. Der Fotograf und zeitweilige Galerist, der im schweizerischen Gstaad lebte, gehörte zu den Großsammlern der Nachkriegszeit.

Andy Warhol: "The Kiss", 1963, kommt bei Sotheby's für 700.000 bis 900.000 Pfund unter den Hammer. (Ausschnitt) Warhol, Sotheby's London

Andy Warhol: "The Kiss", 1963, kommt bei Sotheby's für 700.000 bis 900.000 Pfund unter den Hammer. (Ausschnitt)

LondonSotheby’s versteigert im Mai in London Kunst aus dem Nachlass des deutschen Nachkriegssammlers und zeitweiligen Galeristen Gunter Sachs. Bei den 300 Werken von Art Deco-Möbeln bis Graffiti-Kunst im Gesamtwert von um 20 Millionen Pfund handelt es sich wohl nicht um den innersten Kern der Sammlung, zu der Hauptwerke von Warhol, aber auch der 2006 unter beträchtlicher Publizität für einen Rekordpreis von 5,16 Millionen Pfund (damals 9,5 Millionen Euro) gehörte „Kalvarienberg“ des Altmeistermalers Pieter Brueghel d.J. gehörten. Sachs finanzierte den Schwenk zur Altmeisterkunst, der damals als Tat eines Trendsetters gefeiert wurde, mit dem Verkauf hochkarätiger Kunst, unter anderem eines Papstbildes von Francis Bacon, für das er in einer Christie's-Auktion 10,6 Millionen Dollar erzielte.

Galeriegründer in den frühen Siebzigern

Sachs hatte 1972 die Hamburger „Galerie an der Milchstraße" gegründet, die mit einer der ersten Warhol-Ausstellungen in Deutschland eröffnet wurde. Pop Art  und Warhol gehört auch nun, neben exklusiven Designermöbeln, zum Kern des Angebots. Der Unternehmererbe, Playboy, Fotograf, Kunsthändler und Sammler nahm sich im Mai 78-jährig das Leben, nachdem eine schwere Krankheit diagnostiziert worden war.

Sotheby’s Spezialistin Cheyenne Westphal spricht von einer der „begehrenswertesten Sammlungen, die je auf den Markt gekommen sind“ und nennt den „Zusammenfluss von Zeitgeist und außergewöhnlicher Provenienz“ als Hauptattraktion der Auktion am 22 und 23. Mai. Auch „unwiderstehliche Bilder der Stilikone Sachs und seiner zweiten Frau, des Filmstars Brigitte Bardot“, werden versprochen. In die hochkarätige Kunstauktion scheint auch eine Memorabilien-Auktion verpackt worden zu sein.

Steve Cohen kaufte Sachs einen Warhol ab

Was für große Kunst Sachs in seinem Haus in Gstaad beherbergte, erfuhr man, wenn gelegentlich etwas über Verkäufe durchsickerte. Neben dem Bacon verkaufte Sachs 2004 Warhols Gemälde „Superman“ für 25 bis 30 Millionen Dollar an den amerikanischen Starsammler Steve Cohen. Sachs soll auch ein Vorbesitzer des „Green Car Crash“ gewesen sein, der 2007 einen Rekordpreis für den Künstler in Höhe von 72,8 Millionen Dollar erzielte, angeblich durch den Reederei-Erben Philip Niarchos.

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