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16.06.2014

10:38 Uhr

Gurlitt

Unschöner Schwebezustand

Die Taskforce bestätigt den Verdacht, dass es sich bei dem Matisse-Gemälde aus der Sammlung Cornelius Gurlitt um Raubkunst handelt. Unterdessen ruht das Gutachten im Amtsgericht München bis klar ist, wer das Erbe annimmt.

Ausschnitt aus Henri Matisse's Gemälde "Sitzende Frau", das ursprünglich dem jüdischen Kunsthändler Paul Rosenberg (1881-1959) gehörte. Lost Art Koordinierungsstelle Ma

Ausschnitt aus Henri Matisse's Gemälde "Sitzende Frau", das ursprünglich dem jüdischen Kunsthändler Paul Rosenberg (1881-1959) gehörte.

BerlinWer das Erbe von Cornelius Gurlitt antritt, ist weiterhin ungewiss. Sicher erscheint nun hingegen, dass es sich bei der „Femme Assise“ von Henri Matisse, dem nach bisheriger Kenntnis wertvollsten Gemälde aus seiner Sammlung, um NS-Raubkunst handelt.

Das Kunstmuseum Bern, das Gurlitt testamentarisch als seinen Alleinerben eingesetzt hat, kann sich noch bis November 2014 Zeit lassen, um zu entscheiden, ob es das Erbe überhaupt annehmen soll – oder es ausschlägt (s. Handelsblatt vom 9. Mai 2014). Manchen erscheint die Erbschaft allerdings als ein Danaergeschenk. Denn unter den insgesamt rund 1.400 Werken dürften sich verschiedene Kunstwerke befinden, die ihren jüdischen Eigentümern in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt abhanden gekommen sind, die mithin als NS-Raubkunst zu klassifizieren sind. Die eigens für diese Recherchen eingesetzte Taskforce Schwabinger Kunstfund geht bei 458 Werken von einem solchen NS-Raubkunstverdacht aus.

Salzburger Fund harrt der Untersuchung

Welche Kunstwerke nun genau zur Sammlung Gurlitt gehören (und damit auch zur Erbschaft), ist weiterhin der Öffentlichkeit nicht bekannt. Viele Nachfahren jüdischer Sammler dürften sich daher noch immer Hoffnungen machen, dass einige der ihnen unter den Nationalsozialisten entwendeten Werke dort zu finden sind. Zu vermuten ist, dass nicht der so genannte Schwabinger Kunstfund, sondern vielmehr die in Gurlitts Salzburger Haus verwahrten Kunstwerke wohl die deutlich wertvolleren sind.

Die Salzburger Bilder sind bislang noch nicht der Taskforce für die Provenienzrecherchen übergeben worden. Dies wäre allerdings nach der Vereinbarung möglich, die Cornelius Gurlitt im April kurz vor seinem Tod mit der Bundesrepublik und Bayern über die weiteren Provenienzrecherchen und die Anwendbarkeit der Washingtoner Prinzipien für die Rückgabe von NS-Raubkunstwerken geschlossen hat (s. Handelsblatt vom 7. April 2014). „Diese Vereinbarung bindet auch Gurlitts Erben“, bestätigt Ingeborg Berggreen-Merkel, die Leiterin der Taskforce.

Hinsichtlich eines der Spitzenstücke der Sammlung hat die Taskforce nun ihre eingehenden Archivforschungen in Deutschland, Frankreich und den USA abgeschlossen und das Ergebnis öffentlich verkündet. Laut ihrer gutachterlichen Stellungnahme handelt es sich bei dem Gemälde „Sitzende Frau“ (1921) von Henri Matisse um ein Werk, das unter den Nationalsozialisten in Frankreich dem jüdischen Kunsthändler Paul Rosenberg (1881-1959) geraubt worden war.

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