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22.09.2012

16:13 Uhr

Gursky-Ausstellung in Düsseldorf

Der Fotograf, der ein Maler ist

Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast zeigt eine große Werkschau von Andreas Gursky, dem teuersten und erfolgreichsten Fotokünstler der Welt. Sein Bild „Rhein II“ von 1999 erzielte den Rekordpreis von 4,3 Millionen Dollar.

Der deutsche Fotograf Andreas Gursky stellt derzeit im Düsseldorfer Museum Kunstpalast aus. Reuters

Der deutsche Fotograf Andreas Gursky stellt derzeit im Düsseldorfer Museum Kunstpalast aus.

DüsseldorfEr wirkt unscheinbar, fast klein, wie er dasteht, mit zögerndem Gesichtsausdruck, wortlos. Fast könnte Andreas Gursky untergehen in der Menschenmenge an diesem Donnerstagmorgen im Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Ihm behagt der große Auftritt nicht, dabei müsste er ihn eigentlich gewöhnt sein. Denn Gursky ist einer der berühmtesten Fotokünstler der Welt. Für seine jüngste Werkreihe, Bangkok, hat er eineinhalb Jahre am Computer seines Ateliers gesessen. Nun also geht er wieder an die Öffentlichkeit.

„Pyongyang IV“ zeigt eine inszenierte Massenveranstaltung in Nordkorea. Reuters

„Pyongyang IV“ zeigt eine inszenierte Massenveranstaltung in Nordkorea.

Gursky ist einer der erfolgreichsten Fotokünstler der Gegenwart. Sein Bild "Rhein II" von 1999, eine Abbildung eines Flussabschnitts, erreichte den Rekordpreis von 4,3 Millionen Dollar. Seine Werke erzielen regelmäßig Millionenbeträge, wie "99 Cent", das 2,3 Millionen Dollar gekostet hat, oder "Pyongyang IV", das eine inszenierte Massenveranstaltung in Nordkorea zeigt, war dem Käufer 2,1 Millionen Dollar wert. Gurskys Arbeiten sind streng limitiert, es gibt nie mehr als fünf oder sechs Exemplare einer Fotoarbeit.

60 seiner Werke zeigt Andreas Gursky nun von Samstag an im Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Die Bilder, wie sie in der Ausstellung hängen, hat Gursky eigens für diese Schau angefertigt, sie sollen nicht verkauft werden. Sowohl Auswahl als auch Platzierung der Bilder hat er selbst vorgenommen und sich bewusst gegen eine chronologische Hängung entschieden. Die Durchmischung alter und neuer, großer und kleiner Arbeiten sollen dem Betrachter eine möglichst breite, vor allem aber neue Ansicht seiner Kunst ermöglichen. So hängt der "Klausenpass" von 1984 mit einer Größe von nur 61,5 mal 77 Zentimetern etwa neben einer Aufnahme aus der neuen "Bangkok"-Reihe, die mehr als drei Meter hoch ist.

60 Werke stellt der deutsche Fotograf Andreas Gursky im Museum Kunstpalast in Düsseldorf aus. Reuters

60 Werke stellt der deutsche Fotograf Andreas Gursky im Museum Kunstpalast in Düsseldorf aus.

Im Verlauf seiner unterschiedlichen Schaffensperioden hat Gursky sich vom reinen Fotografen zum Künstler entwickelt. Gursky fotografiert nicht einfach, er inszeniert, malt. Ihn als reinen Fotografen zu bezeichnen würde seiner Arbeit nicht gerecht. Denn er hat schon früh die elektronische Bildverarbeitung für sich entdeckt. Er bearbeitet die Bilder, präzisiert, montiert, komponiert.

Kommentare (1)

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23.09.2012, 09:44 Uhr

In einem von Herrn Gursky authorisierten TV-Beitrag hat er seine Arbeitsweise am Beispiel eines Fotos dokumentiert, in dem gezeigt wird, wie in einem Bergwerk Tausende von Kleidungsstücken der Bergleute an Ketten unter die Decke gezogen wurden.

Das Ausgangsbild war ein Foto, das jeder durchschnittlich bedarfte Fotograf hätte machen können.

Zum Gursky-Kustwerk wurde das Foto am Computer, den übrigens Herr Gursky nicht selbst bedient.

Dafür hatte er einen hochqualifizierten Mitarbeiter, der virtuos mit Photoshop-Techniken das Ursprungsbild so verbesserte (und manipulierte), daß daraus das "Kunstwerk" wurde, mit dem ein Millionen-Erlös möglich wurde.

Mit künstlerischer Fotografie hat das Ganze nicht mehr viel zu tun.

Ich würde es als Computer-Kunst an einem Fotomotiv bezeichnen.

Allerdings sind mir die "Foto-Kunstwerke" von Herrn Gursky lieber, als die primitiven Campbell-Dosenfotos oder Pseudosolarisationen von Marily Monroe des sogenannten Gegenwartkünstlers Andy Warhol.

Was Warhol gemacht hat, kann jeder Amateurfotograf nachmachen.

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