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29.10.2011

17:55 Uhr

Gustav Klimt

Restitutionen heizen den Markt an

VonOlga Kronsteiner

Erst seit dem Washingtoner Abkommen müssen auch Museen von den Nazis enteignete Kunstwerke zurückgeben. So kamen millionenschwere Klimt-Gemälde auf den Markt. Das nächste wird am 2. November in New York versteigert.

Gustav Klimt: „Landhaus am Attersee“ (Ausschnitt) Sotheby´s

Gustav Klimt: „Landhaus am Attersee“ (Ausschnitt)

WienVon den Erinnerungen des Sommers zehrte Gustav Klimt (1862-1918) regelmäßig bis weit über den regnerischen Herbst und den nebeligen Winter hinaus. Zurück in seinem Wiener Atelier verdichtete er die Sinnesempfindungen sonnensatter Sommertage auf Leinwand. Nur das Format blieb über die Jahre gleich, immer quadratisch, meist 110 mal 110 Zentimeter.

Und anders als die beauftragten repräsentativen Porträts malte er diese Landschaften stets zu seinem puren Vergnügen. Sie seien formal kühner, sagen Fachleute, und in ihnen würde man dem ganzen Wesen seiner Kunst begegnen: der koloristischen Brillanz, der bis ins Detail durchdachten Bildkomposition und einer subtil gebändigten Sinnlichkeit. Dafür zahlen Sammler mittlerweile ein Vermögen, zweistellige Millionenbeträge sind längst Norm, nicht Ausnahme.

Klimt, der prinzipiell ungern reiste, zumal ihn schon an der österreichischen Grenze Heimweh befiel, fand seine Motive im idyllischen Salzkammergut am Attersee, am noblen Westufer in Kammerl oder ab 1914 in Weißenbach am südlichen Seezipfel.

Der Sommer 1913 war insofern eine Ausnahme, als es ihn in Begleitung seiner Lebensgefährtin Emilie Flöge an den Gardasee nach Porto di Tremosine verschlug. Die künstlerische Ernte dieses Ausflugs umfasste drei Gemälde: „Die italienische Gartenlandschaft“, bei dem sich der Betrachter mitten in ein Meer wogender Blüten versetzt fühlt (Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm), „Malcesine am Gardasee“ und „Kirche in Cassone“. Letztgenanntes verkaufte der Künstler dem Stahlindustriellen und Erbauer des Sanatoriums Purkersdorf, Viktor Zuckerkandl. Beide Bilder ereilte ein tragisches Schicksal: „Malcesine“ landete 1927 in der Kollektion der jüdischen Großindustriellen August und Serena Lederer, wurde 1939 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und verbrannte im Mai 1945 im niederösterreichischen Schloss Immenhof.

Erst ein Gesetz von 1998 ermöglicht die Restitution von Museumsbesitz

„Cassone“ kam ebenfalls im Jahr 1927, jedoch über den Erbweg, in den Besitz Viktor Zuckerkandls Schwester Amalie Redlich und zierte bis zur Arisierung 1939 die Salonwand der Villa Eugen in Purkersdorf. Dort sah es der Enkel George Jorisch kurz nach der Arisierung des Sanatoriums 1939 zum letzten Mal. Wegen der Grünpalette und des dunklen Kadmiumtons der Zypressen blieb es dem mittlerweile 82-Jährigen als „Spinatlandschaft“ in Erinnerung, gleich links neben dem Erker habe es gehangen. Das Bild verschwand, wie zwei weitere Gemälde Klimts, in den Wirren des Krieges, bis es im Zuge einer Ausstellung in Graz 1962 auftauchte.

Davor und danach wechselte „Cassone“ mehrfach, aber immer auf privater Ebene den Besitzer. 2003 wurde es in einer Ausstellung zu Klimts Landschaften im Museum Belvedere als Leihgabe präsentiert. Nach akribischen Recherchen und Verhandlungen mit dem damaligen Besitzer entschloss sich dieser zur Privatrestitution, der allerersten und bis heute einzigen in Österreich.

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