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28.01.2007

07:55 Uhr

Gute alte Geschwindigkeit

Welche Strafe steht auf Zeitraub?

VonUli Schulte Döinghaus

Wenn alle selbst ernannten Trendsetter über „Entschleunigung“ oder „Slow Food“ faseln, handelt es sich um nichts weiter als eine Verschwörung von global operierenden Lahmärschen. Wir erinnern hiermit an die gute alte Geschwindigkeit.

Plötzlich soll alles simpler und langsamer sein. Foto: dpa dpa

Plötzlich soll alles simpler und langsamer sein. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Sechzehn Eintragungen finden sich in „Brockhaus’ Kleinem Konversations-Lexikon“ von 1911 unter dem Begriff „Beschleunigung“. Neben anderen werden wir dort mit der beschleunigenden Auswirkung von Postfächern auf das moderne Zustellwesen vertraut gemacht.

Mit dem Stichwort „Entschleunigung“ hingegen schlagen wir im alten Brockhaus im Leeren nach, was darauf hinweist, dass wir es mit einer Neuigkeit zu tun haben. Es könnte sich aber auch um ein Phantom handeln, eine intellektuelle Chimäre, denn auch der topaktuelle Digitalbrockhaus kann mit dem Begriff nichts anfangen. Er kennt ihn nicht.

Eine Entschleunigung findet vielleicht gar nicht statt – und das, obwohl wir auf Partys, Stehempfängen, in Damensalons und Hotellounges gerne mal darüber reden, während wir zum Beispiel darauf warten, „dass etwas geschieht“ (Heinrich Böll).

Über „Entschleunigung“ zu parlieren – das ist ebenso schick geworden, wie etwa die Langsamkeit zu entdecken oder die Simplifizierung des Lebens über den grünen Klee zu loben. Der Einfachheit halber.

Plötzlich soll alles simpler und langsamer werden. Das fordern mit Vorliebe die beamteten Professoren oder Schriftsteller da oben, die von einem Literaturpreis zum nächsten Werkstipendium eilen. Langsamer gehen lassen sollen wir es hier unten, um schrittweise „Werte wie Geduld, Achtsamkeit, Ruhe und Frieden in unserem Leben zu kultivieren“, so empfiehlt es der unternehmensberatende Buchautor Kai Romhardt.

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