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30.09.2011

18:24 Uhr

Haarige Vorwürfe

Wo ist das Haar aus Barschels Bart?

Erst war es die Politik, die die Ermittlungen zum Tod Uwe Barschels behindert haben soll. Jetzt gibt es Vorwürfe gegen die Ermittler. Ein Haar, das bei der Aufklärung des Falls helfen könnte, ist verschwunden.

Der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Uwe Barschel (CDU) bei einer Pressekonferenz im September 1987. picture alliance / dpa

Der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Uwe Barschel (CDU) bei einer Pressekonferenz im September 1987.

KielDer Fall Uwe Barschel und kein Ende: 24 Jahre nach dem mysteriösen Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten sorgt nun ein einzelnes Haar für Wirbel. Es ist verschwunden - und gibt den Spekulationen neuen Auftrieb, dass der CDU-Politiker nach seinem durch einen Skandal erzwungenen Rücktritt 1987 möglicherweise ermordet wurde.

Das einzelne schwarze Haar wurde nach Barschels Tod in einem Genfer Hotel auf dem Bett des Hotelzimmers sichergestellt. Nach einer Expertise der Schweizer Behörden stammt es nicht von Uwe Barschel. Es lagerte seit 1997 zusammen mit anderen Asservaten zu dem Fall in einem Stahlschrank in der Lübecker Staatsanwaltschaft - gesichert in einer kleinen und einer größeren verschließbaren Plastiktüte. Jedenfalls geht deren Sprecher Günter Möller davon aus.

„Wenn das Haar auf der Asservatenliste von 1997 verzeichnet ist, gehe ich davon aus, dass es auch bei uns im Hause war“, sagt er. Im Juni dieses Jahres wurden die Tüten für eine DNA-Analyse zum Landeskriminalamt nach Kiel geschickt. Als sie dort ankamen, waren sie leer.

Barschels Witwe Freya und ihr Anwalt Justus Warburg glauben nicht an einen Selbstmord Barschels nach seinem politischen Absturz, sondern sehen ihn als Opfer einer großen politischen Verschwörung, die selbst vor Mord nicht zurückschreckte. Nun hat Freya Barschel wegen des verschwundenen Haars Strafanzeige gegen die Lübecker Staatsanwaltschaft gestellt. Ihr Vorwurf: Strafvereitelung im Amt.

Da die Lübecker Staatsanwaltschaft nicht gegen sich selbst ermitteln kann, ohne in den Verdacht der Befangenheit zu geraten, hat sie den Generalstaatsanwalt eingeschaltet. Dessen Sprecher Heinz Döllel sagte am Freitag: „Wir werden voraussichtlich Mitte nächster Woche entscheiden, welche Staatsanwaltschaft die Anzeige bearbeiten wird.“

Für Anwalt Warburg ist das Verschwinden ein Skandal. „Das kann doch kein blöder Zufall sein, dass das Haar ausgerechnet jetzt, wo es kriminaltechnisch untersucht werden sollte, verschwindet“, sagte Warburg am Freitag. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Theoretisch könnte es auch im Labor selbst noch beiseite geschafft worden sein, schließlich sei es ein wichtiges Beweismittel.

Barschel war am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne seines Genfer Hotelzimmers gefunden worden. Ob es Mord oder Selbstmord war, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Einer derjenigen, die einen Mord an dem Politiker für wahrscheinlich halten, ist der frühere Chef der Lübecker Staatsanwaltschaft, Heinrich Wille. Er leitete von 1994 bis 1998 das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Mordes an Uwe Barschel, das schließlich ohne Ergebnis eingestellt wurde.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Haar in Lübeck verschlampt oder gestohlen wurde. Ich vermute vielmehr, dass es nie bei uns angekommen ist“, sagt er. Nach Willes Ansicht ist das aber auch nicht weiter dramatisch.
„Ich glaube nicht, dass das Haar ein relevantes Beweismittel ist. Wem wollte man denn die daraus gewonnene DNA zuordnen? Die Tatbeteiligten von damals sind mit Sicherheit nicht in irgendwelchen DNA-Datenbanken erfasst. Das waren keine Sexualstraftäter, sondern Profikiller“, sagt Wille.

Damit spielt er auf Spekulationen an, dass Barschel möglicherweise in dunkle Waffengeschäfte verwickelt gewesen sein könnte und deshalb ermordet wurde. „Außerdem frage ich mich, wie das Haar eines möglichen Täters auf das Kopfkissen von Barschels Bett gekommen sein soll“, meint Wille. „Das passt so gar nicht zum Tatgeschehen, wie es sich nach der Spurenlage darstellt.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Liebmann

30.09.2011, 20:14 Uhr

Interessant ist nicht das verschwundene Haar, sondern die sich daraus ergebende Tatsache, dass die Haarquelle einen triftigen Grund haben muss, es gerade zu diesem Zeitpunkt verschwinden zu lassen, oder um genau das glauben zu machen.
Wieso nicht schon früher? Also muss es in eine völlig andere Richtung als bisher gedacht gehen. Interessant ist dazu die Rolle von Stern und G+J, aber auch die der Bertelsmann Mutter. G+J Chef Buchholz steht für mich derzeit als Schlüssel im Zentrum. Sein Karrieresprung vom PUA Vize genau in den Verlag der noch lange vorm Spiegel dran war. War die Schublade eine Erfindung vom Verlag? Das passt zumindest dazu, dass die alte Holmmoor-Legende von der BAB-Raststätte "TRAVE" ablenken sollte. Die Beweise dafür wurden ungewürdigt im PUA bestattet, und das ist mit harten Fakten belegbar. Diese Fakten sind seit 1994 im PUA bekannt und immer wieder bis heute im Kommentaren veröffentlicht und unwidersprochen geblieben. Buchholz und Ostrowski schweigen dazu. Auch Engholm schweigt, war er doch der höchste Nutznießer und gleichzeitig der oberste Dienstherr in dem Verfahren, in dem er auch als Betroffener, Verdächtigter oder Zeuge hätte gehört werden müssen.

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