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02.08.2014

07:36 Uhr

Härtl Kunsthandel

Blonde Locken und Meeresschnecken

VonChristiane Fricke

Wer außergewöhnliche Objekte aus der Rokoko-Zeit sucht, steuert den Kunsthandel von Ulf und Marlene Härtl an. Zum 45-jährigen Geschäftsjubiläum haben die beiden Bamberger Händler erneut einen aufwändig bebilderten Katalog vorgelegt. Ein Blick auf das Angebot.

Louis-Rolland Trinquesse: "Mädchenportrait mit Notenblatt", 1785, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Härtl Kunsthandel, Bamberg

Louis-Rolland Trinquesse: "Mädchenportrait mit Notenblatt", 1785, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

BambergIm letzten Jahr feierte der Bamberger Antiquitätenhändler Ulf Härtl sein 44. Firmen-Jubiläum und hatte dafür eine einleuchtende Erklärung: Es sei die schönere Zahl, meinte er. Und ob er das 50. schaffe, das wüsste er nicht. (Vgl. Handelsblatt-App „Live“ vom 7. August 2013) Nun steht das 45-Jährige an und wieder wird die aktuelle Offerte von einem in Leinen gebundenen Katalog beworben.

Eines der Top-Stücke ist ein kleines ovales „Mädchenporträt mit Notenblatt“ von Louis-Rolland Trinquesse, für das Härtl einen höheren fünfstelligen Betrag ansetzt. Es ist ein qualitätvolles Rokoko-Bildnis, auf dem vor allem die feine Wiedergabe seidiger Stoffe und modischer Details ins Auge fällt. Die ins Rund einer blumen- und baumreichen Ideallandschaft hineinkomponierte Sitzende trägt einen crèmeweißen, sich bauschenden Seidenrock, dessen im Licht schimmernde Oberfläche einen reizvollem Kontrast zum eng anliegenden braunen Oberteil bildet. Um den Hals trägt das junge Mädchen ein leicht transparentes, das Licht eher schluckendes Tuch. Es trumpft nicht so auf wie der prächtige Rock und bringt auf diese Weise die zarte Gesichtshaut und die üppigen, blonden Locken zur Geltung.

Detailansicht des von Trinquesse mit viel Geschmack "angezogenen" Mädchens. Härtl Kunsthandel, Bamberg

Detailansicht des von Trinquesse mit viel Geschmack "angezogenen" Mädchens.

Inspiration für Marcel Proust

Das 1785 datierte Bild hat eine interessante Herkunftsgeschichte. Einst gehörte es den französischen Aristokraten Henri, Compte de Greffulhe (1848-1932), und seiner ebenso musikalischen und modebewussten Gattin Comtesse Greffulhe (1860-1952), beides Persönlichkeiten, die sich in Marcel Prousts Roman-Opus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (1913-1927) wiederfinden. Im Sommer 1937 wurde es für 460 britische Pfund bei Sotheby’s in London in die USA vermittelt, dem großen Markt für die Kunst des Rokoko, auf dem auch für der Bamberger Händler immer wieder fündig wird. Käufer war damals die New Yorker Galerie Knoedler. Zuletzt tauchte das Motiv wieder in Europa bei Christie’s in Amsterdam auf, wo es für 15.000 Euro innerhalb der Taxe verkauft wurde.

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