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15.08.2011

16:16 Uhr

Haldern Pop 2011

Das Tor zur Welt am Niederrhein

VonAlexander Möthe

Geheimtipp Haldern Pop: Am Wochenende strömten 6.000 Menschen in den Ort am Niederrhein um Wir sind Helden und die Fleet Foxes zu sehen. Über ein Musikfestival, dass klein ist, aber Maßstäbe setzt - auch international.

Das Spiegelzelt auf dem Haldern Pop 2011. Es spielt der Kanadier Dan Mangan. Quelle: Alexander Möthe

Das Spiegelzelt auf dem Haldern Pop 2011. Es spielt der Kanadier Dan Mangan.

Düsseldorf/HaldernOrte wie Haldern gibt es am Niederrhein viele. Keine 6.000 Einwohner zählt das Dorf, das selbst ein Stadtteil des rund zehn Kilometer entfernten Rees ist. Seit gut zwei Jahrzehnten verdoppelt die überschaubare Gemeinde einmal im Jahr für drei Tage ihre Bevölkerung. Dann wirken zwei Supermärkte, eine Kirche und ein Bahnhaltepunkt fast zu klein für die Massen, die sich die Hauptstraße entlang zu einem Gelände am Ortsrand schieben. Wo in der Regel höchstens friedlich Kühe grasen, laben sich gut 6.000 Besucher ein Wochenende lang an handverlesener Musik. Seit 1984 lockt das Open Air Festival Haldern Pop Musikbegeisterte „aufs platte Land“ – das Haldern 2011 war schon zu Jahresbeginn ausverkauft.

Im Vergleich zu den Schwergewichten ist das kleine Festival eine zierliche Erscheinung. Die Platzhirsche, Rock am Ring, Rock im Park, Hurricane und Southside, haben jährlich zwischen 50.000 und 86.000 Zuschauern. Hinter diesen Festivals stecken  große Konzertveranstalter, die große Bands anlocken. Fernsehsender und Radiostationen senden teilweise live von den Festivals, die auch international zu den festen Größen zählen.  Fast schon erstaunlich, dass das kleine Haldern Pop besonders im Ausland mittlerweile einen exzellenten Ruf besitzt. Denn hier treten vielfach Bands auf, die dem breiten Publikum unbekannt sind – zumindest zum Zeitpunkt ihres Auftritts. Was das Festival ausmacht, ist das ungeheure Näschen für Talente. Aber der Reihe nach.

„Wir wollten ein Festival, zu dem wir mit dem Fahrrad fahren können“, erklärt Festival-Organisator und Mitbegründer Stefan Reichmann auf die Frage, warum das Haldern Open Air aus der Taufe gehoben wurde. 1981 wurde noch Musik aus der Konserve gespielt und dazwischen improvisiert. Trotzdem fanden sich in den Folgejahren bei gleichem Konzept schon über 1.000 Neugierige ein. 1984 fand das erste Festival in seiner bis heute bestehenden Grundform statt. 1988 spielten dort Element of Crime, 1991 trat Bob Geldorf auf, 2011 waren es Wir sind Helden und die Fleet Foxes. Auch Selig, die H-Blockx, Blumfeld, Muse und die Sportfreunde Stiller spielten am Niederrhein, bevor sie ganze Arenen füllten. Bis heute ist die Musik handverlesen, es entscheidet der Geschmack der Organisatoren. Kommerzielle Aspekte können zwar nie ausgeblendet werden, stehen bei der Auswahl jedoch im Hintergrund.

„Wir hätten viel größere Bands buchen können oder auf eine größere Fläche ausweichen, mehr Tickets verkaufen können“, sagt Reichmann.  Wollten sie aber nicht. Auch kein Partyzelt auf dem Gelände aufstellen, um mehr Getränke zu verkaufen oder die Gastronomie an externe Firmen auslagern.  „Das machen wir alles mit Helfern aus dem Dorf und der Region“, heißt es weiter. Auch das Bier stammt vom Niederrhein, wird in Issum gebraut – dass eine Großbrauerei dahintersteckt ist mehr Zufall denn System.

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