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10.08.2016

15:47 Uhr

Haldern-Pop-Chef Stefan Reichmann

„Wir wollen nie vor der Erwartung kapitulieren“

VonAlexander Möthe

Das Haldern Pop zählt trotz seiner geringen Größe zu den renommiertesten Festivals Europas. Das Erfolgsrezept: Wundertüte sein. Strenge Sicherheitsauflagen werden allerdings zur Herausforderung. Ein Interview.

Die kleine Zeltstadt gehört seit Jahrzehnten zum Festival dazu. Stefan Daub

Campinggelände des Haldern Pop

Die kleine Zeltstadt gehört seit Jahrzehnten zum Festival dazu.

DüsseldorfVon Donnerstag bis Samstag findet am Niederrhein zum 33. Mal das Musikfestival Haldern Pop statt. Was vor drei Jahrzehnten als Platten-Party auf einer Weide begann, ist inzwischen eines der renommiertesten Festivals in Deutschland. Nicht, weil es stetig wächst. Das Kartenkontingent wird auf 7.000 Stück begrenzt. Doch die familiäre Atmosphäre die Besucher und die Musiker aus aller Welt. Für Künstler wie Tom Odell, Sam Smith und Element of Crime waren die Auftritte in der Dorfgemeinde ein entscheidender Schritt zum Durchbruch. Gründer und Festivalleiter Stefan Reichmann steht nun jedoch vor neuen Problemen. Im Interview spricht er über Sicherheitsmaßnahmen in Zeiten der Terrorgefahr, Expansionspläne und das Erfolgsgeheimnis des Haldern Pop.

Herr Reichmann, am Donnerstag beginnt Haldern Pop. Wirkt sich die Debatte um die öffentliche Sicherheit auf Ihr Festival aus?
Die Kosten steigen durch schärfere Sicherheitsmaßnahmen auf jeden Fall, allein durch den Personalaufwand. Das ist in den 30 Jahren, in denen es unser Festival gibt, aber auch immer so gewesen. Wann immer so etwas passiert, wie zuletzt etwa in Ansbach, hat es Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen.

Bringen mehr Vorkehrungen denn auch mehr Sicherheit, auch für den Veranstalter?
Das ist eine fast philosophische Frage. Ängste werden gern zugeschoben. Die Kooperation mit den Behörden hier läuft super. Aber jede Instanz sichert sich gegen die Schuldfrage ab. Das kann man niemandem vorwerfen. Dadurch entstehen Prozessketten, die man als Veranstalter am Ende übernehmen muss.

30 Jahre Haldern Pop: Eine Marke feiert Geburtstag

30 Jahre Haldern Pop

Eine Marke feiert Geburtstag

Das Haldern Pop überlebt seit 30 Jahren, obwohl es weder expandiert noch die Preise merklich erhöht. Längst ist das Festival zur Institution geworden – deutschlandweit. Das Geheimnis des Erfolgs: eine starke Marke.

Das heißt?
Ich kann nicht „Stopp“ sagen und dann allein das Risiko tragen. Oder, noch schlimmer, die Besucher gefährden. Den Anforderungen müssen wir gerecht werden, auch wenn sie massiv sind. Aber Taschen und Rucksäcke auf dem Gelände zu verbieten ist letztlich nicht unsere Idee. Haldern ist eben das Festival, was alles Quatsch findet.

Wer entscheidet über die Vorkehrungen?
Die Kommune, der Kreis, die Polizei und verschiedene Sicherheitsvertreter. Man setzt sich zusammen und fragt, was kann man am besten machen. Völlige Sicherheit gibt es nie. Aber man kann die Strukturen und den Schutz vor Ort optimieren. Das ist auch sinnvoll.

Das klingt nach viel Vorbereitungsstress.
Bands buchen ist das eine, man muss aber eben schauen, dass man eine mehrtägige Veranstaltung gut über die buchstäbliche Bühne bekommt. Die Sicherheit ist der Aspekt, der derzeit im Fokus steht. Man muss aber Szenarien für vieles haben, schlechtes Wetterbedingungen zum Beispiel. Nur weil alle über das eine Problem reden, kann man die anderen nicht aus den Augen verlieren.

Welche Vorfälle hatten bisher die größten Folgen für Ihr Festival?
Das Loveparade-Unglück hatte die extremsten und teuersten Auswirkungen, was die Sicherheitsauflagen angeht. Man kann öffentliche Veranstaltungen untereinander zwar schwer vergleichen, aber man kann solche Ereignisse auch nicht einfach ignorieren. Unglücksfälle von dieser Tragweite haben immer Konsequenzen auf Veranstaltungen und Menschenmassen. In Haldern durften Besucher früher auf der Bühne tanzen. Nach dem im Jahr 2000 beim Festival in Roskilde neun Menschen während eines Konzerts in der Menschenmenge starben, war die Bühne bei uns Tabu.

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