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11.01.2013

21:08 Uhr

Hamburger Secession

"Spinat mit Ei"

Alfred Lichtwark war ein kreativer Museumsdirektor. Öde Salonkunst wollte er am Ende des 19. Jahrhunderts nicht weiter ansammeln. Da kam er auf den Gedanken, jungen Künstlern der Region Aufträge zu geben. So kam Hamburg zum Impressionismus. Ein Blick auf das Angebot der Galerie Herold.

Franz Nölken: "Flusslandschaft in Frankreich", 1909, Ölmalerei. (Ausschnitt) Galerie Herold, Hamburg

Franz Nölken: "Flusslandschaft in Frankreich", 1909, Ölmalerei. (Ausschnitt)

HamburgWas tun, wenn man als Museumsdirektor in Hamburg feststellen muss, dass in der Stadt „fast das gesamte Gebiet der Malerei verödet“ ist? So ging es Alfred Lichtwark, als er 1886 Direktor der Hamburger Kunsthalle wurde. Der Aufbruch in die Moderne drohte, das sah er mit großer Besorgnis, an Hamburg vorbeizugehen. Er handelte schnell und entschied etwas bis dahin ungewöhnliches, nämlich als Direktor selber Aufträge an junge Künstler zu vergeben. Das holte die Hansestadt für kurze Zeit aus ihrer traditionellleichten Schläfrigkeit gegenüber der bildenden Kunst.

„Schreckenskammer“ im Museum

Finanziert wurden die Aufträge aus privaten Stiftungen. Aber trotz der generösen Spenden der Bürger war das Hamburger Publikum mit den künstlerischen Ergebnissen höchst unzufrieden. Schmiererei entdeckten sie dort, wo andere schon längst den sich etablierenden Impressionismus als neue Kunstform lobten. Gleichwohl entstanden so für die Sammlung des Museums eine Reihe von Arbeiten mit Motiven vom Alstertal und dem Alten Land, vom Hafen oder auch von Finkenwerder. Der Hamburger Volksmund nannte diese Museums-Abteilung „Schreckenskammer“, die Bilder galten als „Schmieralien“ oder wurden als „Spinat mit Ei“ umbetitelt. Nur langsam stießen die Arbeiten in der Hansestadt auf Gegenliebe.

Ernst Eitner: "Blick von den Alsterarkaden zur Petrikirche", um 1905. (Ausschnitt) Galerie Herold, Hamburg

Ernst Eitner: "Blick von den Alsterarkaden zur Petrikirche", um 1905. (Ausschnitt)

Weil es für Lichtwark immer schwieriger wurde, weitere dieser Arbeiten in seinem Museum zu zeigen, unterstützte er 1897 die Gründung des Hamburgischen Künstlerclubs, um den Künstlern weiterhin Öffentlichkeit zu ermöglichen. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben Julius von Ehren, Thomas Herbst, Ernst Eitner auch Arthur Illies und Paul Kayser. Hinzu kommen Alfred Mohrbutter, Friedrich Schaper und Arthur Siebelist. Im Jahr 1903 kamen noch die Siebelist-Schüler Friedrich Ahlers-Hestermann, Franz Nölken, Fritz Friedrichs, Walter Rosam und Walter Voltmer dazu. So entstand in Hamburg, noch vor der Gründung der Berliner Sezession 1898, eine der ersten modernen Künstlervereinigungen Deutschlands, die nach einigen Querelen 1907 ihr Ende fand.

Liebe zum Violett

Wie eine Wiedergutmachung wirkt da die Arbeit des Hamburger Galeristen Rainer Herold. Seit gut 27 Jahren ist der Hamburgische Künstlerclub ein intensiv gepflegter Schwerpunkt in seiner Galerie, mit bislang 30 Ausstellungen und 22 Publikationen. Das gut sortierte Angebot speist sich aus Auktionen wie die von Stahl oder Ketterer und natürlich auch durch viele private Verkäufer. Die aktuelle Ausstellung in den schönen Räumen nahe der Binnenalster ist erneut von geradezu musealer Qualität. Und sicher ist es auch seiner kontinuierlichen Arbeit zuzurechnen, das sich in den vergangenen zehn Jahren der Wert der Bilder, zumindest nach eigener Einschätzung, verdoppelt hat.

Das Markenzeichen des Künstlerclubs, neben dem Interesse für das unspektakuläre Motiv und der Offenheit für den französischen Impressionismus, war die Schattenfarbe Violet. Sie gab ihren Landschaften, den grasenden Kühen, der Architektur Volumen und neues Leben.

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