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04.10.2012

19:58 Uhr

Hans Arp

Licht ins Dunkel der Werkvermehrung

VonChristiane Fricke

Hans Arps bildhauerisches Werk hat sich nach seinem Tod mehr als verdoppelt. Inzwischen hat der Nachlass in Rolandseck sein Archiv geöffnet und den Weg für eine erste Bestandsaufnahme frei gemacht.

Hans Arp. Skulpturen - Eine Bestandsaufnahme, Hatje Cantz Verlag 2012. (Ausschnitt Cover) Hatje Cantz

Hans Arp. Skulpturen - Eine Bestandsaufnahme, Hatje Cantz Verlag 2012. (Ausschnitt Cover)

RolandseckLange Jahre musste sich die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V.  in Rolandseck schwere Vorwürfe wegen ihrer intransparenten Arbeit gefallen lassen. 2010 leitete der Verein eine Wende ein und öffnete endlich sein Archiv. Jetzt erschien im Hatje Cantz Verlag eine erste Bestandsaufnahme der Skulpturen Hans Arps. Kunsthändler haben zum ersten Mal ein brauchbares Nachschlagewerk in der Hand, mit dem sich die Werke von Arp, die auch auf dem Kunstmarkt in großer Zahl auftauchen, identifizieren lassen.

„Das bildhauerische Werk von Hans Arp hat sich seit dessen Tod mehr als verdoppelt.“ Das ist das ernüchternde Fazit der von Arie Hartog, Direktor des Gerhard Marcks-Hauses in Bremen herausgegebenen und von Kai Fischer bearbeiteten Bestandsaufnahme. Sie bringt Licht in das Dunkel einer verwirrenden Geschichte, in der es im Kern um die Rechtmäßigkeit von Arp-Plastiken in Marmor und Bronze geht, die der Arp Verein posthum, also nach dem Tod Arps anfertigen ließ.

Altes Misstrauen ad acta gelegt

Ausgelöst wurde die Debatte durch die Pläne des Landes Rheinland-Pfalz für das Arp Museum in Rolandseck. Der Stiftungsverein, der ein Jahrzehnt als alleiniger Betreiber und bis 2007 als Mitbetreiber des geplanten Museumsbaus fungierte, hatte dem Land ab 1996 für umgerechnet 10 Millionen Euro 404 Arp-Werke verkauft, darunter posthum hergestellte Marmorskulpturen wie sich später herausstellte. Diese musste er später zurücknehmen.

Das 423 Seiten starke Buch versucht für jede bekannt gewordene Skulptur zu dokumentieren, wie viele Fassungen und in welchem Material wann wo entstanden und wo sie nachweisbar sind – jedenfalls soweit dies aus den durch andere Quellen ergänzten Unterlagen des Arp Vereins hervorgeht. Die beiden anderen Arp Stiftungen in Frankreich und der Schweiz hatten ihre Archive für die Forschungsarbeit zunächst nicht geöffnet, wohl aus altem Misstrauen gegenüber der deutschen Stiftung gegenüber. Inzwischen haben sie ihre Haltung jedoch revidiert, teilte der Herausgeber des Bandes mit.

Warum muss posthum vervielfältigt werden?

Drei Faktoren haben die Bestandsaufnahme Arie Hartogs erschwert: Erstens ein grundsätzliches Defizit seitens der Kunstgeschichte. Die Arbeitsweise von Bildhauern und ihre Beziehungen zu jenen Personen, die sein Werk herstellen und verbreiten, sind viel zu lange vernachlässigt worden. Im Fall Arp kommt hinzu, dass er bei seinem Tod 1966 weder eine schriftliche Bestimmung über geplante Auflagenhöhen hinterließ, noch zu Lebzeiten Buch über seine Produktion und Verkäufe führte. Und drittens kommt die Praxis der Erben hinzu, die an einer transparenten Handhabe zu lange nicht interessiert waren. Daran schließt die entscheidende Frage an: Warum muss ein Werk überhaupt posthum vervielfältigt werden?

Weil die Erben das Urheberrecht auf ihrer Seite haben? Um eine Stiftung am Leben zu erhalten, die mit dem künstlerischen und schriftlichen Nachlass, jedoch ohne Kapital mit dem Zweck gegründet wurde, das Werk vor dem Zugriff des Fiskus zu bewahren? Das war jedenfalls die Ursache für die Gründung der deutschen Stiftung in Rolandseck im Jahre 1977. Im Jahr 1979 kam die Fondation Arp am Wohnort und Ateliersitz in Clamart hinzu (bis 1990 von der deutschen Stiftung unterhalten) und 1988 schließlich die Fondazione Marguerite Arp in Locarno für die Sammlung der Witwe und Arp-Werke aus seinen Schweizer Ateliers.

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