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03.04.2013

11:55 Uhr

Harry Callahan

Ornament aus der Dunkelkammer

VonFrank Kurzhals

Harry Callahan gehört zu den großen amerikanischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er mit abstrahierten Natur- und Stadtbildern in Schwarzweiß. Seit 1977 fotografiert Callahan auch in Farbe. Auf dem Markt zählt der Künstler trotz seiner Reputation nicht zu den höchst bewerteten Künstlern.

Harry Callahan: "Detroit", Farbfotografie, 1943. (Ausschnitt) Estate of Harry Callahan. Pace/MacGill Gallery, New York

Harry Callahan: "Detroit", Farbfotografie, 1943. (Ausschnitt)

HamburgIn Deutschland kennt Harry Callahan (1912-1999) kaum jemand, in den USA hingegen zählt der Künstler zu den Ikonen der modernen Fotografie. Allein das Museum of Modern Art widmete ihm zwischen 1946 und 1997 üppige 38 Ausstellungen. Und obwohl er zusammen mit Richard Diebenkorn die USA 1978 auf der Biennale von Venedig vertrat, hat auch dies nicht zu seiner internationalen Popularisierung beigetragen. Das soll sich jetzt ändern.

Die Hamburger Deichtorhallen haben mit einer 280 Werke umfassenden Retrospektive die wohl für längere Zeit gültige deutsche Referenzausstellung organisiert. Sie soll sein Werk jetzt dem internationalen Sammlermarkt öffnen. Dem Handel in Deutschland ist Callahan dagegen schon länger kein Unbekannter mehr. So schätzen Kenner wie der renommierte Berliner Fotohändler Rudolf Kicken die präzise Ausdruckskraft Callahans. Für Kicken ist Callahan sogar „einer der bedeutendsten Fotografen im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts.“

Subjektive Perspektive

Callahan, geboren 1912, begann als Autodidakt und löste sich schon bald von dem allseits geschätzten kritischen Realismus vieler zeitgenössischer Fotografen. Er entdeckte im unspektakulären Alltag die Chance auf die fotografische Darstellung einer neuen Transzendenz und in seiner bewusst subjektiven Sicht des Sehens die neue Wahrheit der Zeit. Mit seinen Fotografien beschreitet Callahan einen eigenen, emotionalen Weg, angesiedelt zwischen den abstrakten Photogrammen von Lazlo Moholy-Nagy, dem Lehrer des „Neuen Sehens“ am Neuen Bauhaus in Chicago, und der reinen Fotografie (Straight Photographie) wie sie Ansel Adams mit seinen tonwertreichen Arbeiten verkörpert.

Obwohl Callahan schon in den 1940er-Jahren anfing, farbig zu fotografieren, besteht sein Werk bis 1977 hauptsächlich aus Schwarzweißaufnahmen; erst danach hat er sich bis zu seinem Tod 1999 konsequent der Farbfotografie gewidmet.

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