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10.06.2011

15:19 Uhr

Hartland

Wie Wolfgang Büscher den USA in die Seele schaut

VonRoman Pletter

Drei Monate lang hat Autor Wolfgang Büscher zu Fuß die USA durchquert. Nach Hause mitgebracht hat er ein Buch, das dem Leser ganz nebenbei die Geschichte und den Kern der amerikanischen Kultur präsentiert.

Was die Amerikaner bewegt kann so mancher Europäer durch das Buch vielleicht besser verstehen. Quelle: Reuters

Was die Amerikaner bewegt kann so mancher Europäer durch das Buch vielleicht besser verstehen.

DüsseldorfDas liberale Obama-Land in Washington haben viele Europäer ins Herz geschlossen, doch den konservativen Mittleren Westen der USA, das „Heartland“ zu verstehen, fällt ihnen bisweilen schwer. Fremd und hysterisch kommen ihnen die Ängste dort vor: vor dem Staat, vor der Gesundheitsreform, vor Waffenkontrollen, vor einer Welt, die anders ist als dort.

Es gibt viel Literatur, die all diese Ängste, aber auch den ewigen amerikanischen Glauben an die Kraft und Chancen des Einzelnen aus der Geschichte heraus erklärt: Erzählungen der ersten Siedler; Abhandlungen zur Landnahme als nationalem Gründungsmythos; Berichte von Abenteurern, die sich Amerika mühsam erschlossen haben.

Um die USA und ihre Seele zu verstehen, kann man das nun alles durcharbeiten – oder Wolfgang Büschers „Hartland“ lesen und nach 300 Seiten traurig sein, dass die Reise mit ihm schon vorbei ist. Büscher ist zu Fuß von der Nordgrenze der USA hinab gelaufen in den Süden bis nach Mexiko. Drei Monate hat er gebraucht und daraus ein weiteres Meisterstück gemacht nach seinem seit 2003 rund 200 000-mal verkauften Buch „Berlin – Moskau. Eine Reise zu Fuß“.

Wie nach seiner Reise in den Osten hat Büscher auch mit Hartland ein sehr gebildetes Buch verfasst, das die Kulturgeschichte der Orte seiner Reise erklärt, ohne dass es daherkommt wie ein Schulbuch. Das liegt daran, dass Büscher ein großer Erzähler ist mit einem eindringlichen und fesselnden Ton.

Büscher besucht die Orte der Indianerschlachten und trifft Nachfahren der Überlebenden, er strandet in den Wohnzimmern von ärmlich lebenden Farmern, in denen er die Erben der Siedler erkennt, er bleibt hängen im Grandhotel einer Kleinstadt, das nun ein Altenheim ist – und überall verbindet er die Geschichten der Menschen, die er trifft, mit der Geschichte des Landes, das er bereist.

Büscher erdet die Beobachtung der Gegenwart in einer kundigen Auswahl historischer und kultureller Abhandlungen über Amerika, aus denen er dem Leser während der Wanderung erzählt: über traurige Indianer und gierige Eroberer, über arme Siedler und wahnsinnige Sektenführer, über Geisterstädte und über Amerika mit seinem Versprechen vom Glück, das es manchmal hält und manchmal nicht.

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